26.09.2018, 15:16 Uhr

Gegen den Ärztemangel in Niederbayern Bezirkstag gibt grünes Licht für das „Medizinstudium Niederbayern“

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich freut sich über die Entscheidung vom Mittwoch. (Foto:  Toni Scholz)Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich freut sich über die Entscheidung vom Mittwoch. (Foto: Toni Scholz)

Der niederbayerische Bezirkstag hat bei einer Sondersitzung das Projekt „Medizinstudium Niederbayern“ auf den Weg gebracht. Am Mittwoch gab das Gremium grünes Licht für die Errichtung einer Außenstelle der renommierten Karl Landsteiner (KL) Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Metten.

MAINKOFEN/LANDSHUT Die gemeinnützige KL mit Sitz im österreichischen Krems wird von einer GmbH mit den Gesellschaftern Medizinische Universität Wien, Technische Universität Wien, Donau Universität sowie der Fachhochschule Krems getragen und weitgehend vom Land Niederösterreich finanziert. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich hatte die Initiative bei einer Medienkonferenz am 18. September in der Benediktinerabtei Metten der Öffentlichkeit vorgestellt – mit einem überwältigenden positiven Echo. Das Ziel ist es, die ärztliche Versorgung in Niederbayern mittel- und langfristig sicherzustellen.

Die Kooperation wurde in der Vorbereitungszeit von der Universität Bayreuth begleitet. Bei der Sitzung des Bezirkstags stellte der Lehrstuhlinhaber für den Bereich Medizinmanagement Prof. Klaus Nagels Ergebnisse vor. In der Gesamtbetrachtung zeigte sich, dass ein solches Vorhaben in Niederbayern beste Perspektiven hat. Niederbayern ist der einzige bayerische Regierungsbezirk, in dem man noch nicht Medizin studieren kann. Angedacht ist für die weiteren Umsetzungsschritte, insbesondere mit Blick auf den Themenbereich Forschung, eine wissenschaftliche Begleitung und Validierung durch die Universität Bayreuth.

Der Bezirkstag stimmte dem – noch zu unterzeichnenden unterschriftsreifen – Memorandum of Understanding (Absichtserklärung) zwischen dem Bezirk Niederbayern und der KL Privatuniversität zu. Er beauftragte die Bezirksverwaltung „fachliche, rechtliche und wirtschaftliche Gesichtspunkte des Vorhabens abzuklären und Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern aufzunehmen“. Zur Umsetzung des Projekts sollen Meilensteine und ein Zeitplan erstellt werden. Durch Stipendien und andere Finanzierungsunterstützungen sollen für den überwiegenden Teil der Studienplätze die Studiengebühren weitestgehend beziehungsweise vollständig abgedeckt werden. Die Verwaltung wurde vom Bezirkstag unter anderem beauftragt, geeignete Möglichkeiten zu eruieren, insbesondere Gespräche mit denkbaren Kooperationspartnern aus dem Bereich kommunaler Krankenhausträger zu führen und Möglichkeiten der Drittmittelakquise auszuloten. Die Bezirkskrankenhäuser sollen sich anhand der vorliegenden Anerkennungskriterien um die Zulassung als Lehrkrankenhaus der KL Privatuniversität bemühen.

Das neue Stipendienprogramm

Das bisherige Stipendienprogramm des Bezirks Niederbayern (hierfür besteht bereits eine Kooperation mit der KL) wird laut Bezirkstagsbeschluss nach der Anerkennung eines Bezirkskrankenhauses als Lehrkrankenhaus umgestellt. Anstatt der bisher möglichen Vergabe von bis zu fünf Stipendien jährlich mit einer Finanzierung von derzeit 44 Prozent der Studiengebühren wird es jährlich drei mögliche Stipendienvergaben mit zwei Alternativen geben:

1. eine Vollfinanzierung der Studiengebühren – verbunden mit der Verpflichtung, unmittelbar nach dem erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums die ärztliche Weiterbildung zum Facharzt in einem der Bezirkskrankenhäuser zu absolvieren.

2. ein Stipendium in Höhe von 80 Prozent der Studiengebühren – verbunden mit der Verpflichtung, unmittelbar nach dem erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums als Assistenzarzt in einem der Krankenhäuser des Bezirks Niederbayern zu arbeiten.

Bereits ab dem Jahr 2020 sollen rund 20 Studierende aus Niederbayern das Studium in Krems aufnehmen – mit der Perspektive, nach dem dritten Studienjahr nach Niederbayern zurückzukehren.

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sagte nach der Bezirkstagssitzung: „Heute hat das Gremium die Weichen für eine schnell umsetzbare Lösung für eine wirklich drängende Herausforderung gestellt: den drohenden Ärztemangel in Niederbayern. Der Bezirk leistet damit auch einen Beitrag, seine Kliniken mittelfristig mit Ärzten aus der Region zu versorgen.“

Der Handlungsbedarf ist groß: Laut Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) liegt der Altersdurchschnitt der niederbayerischen Hausärzte aktuell (August 2018) bei 56,3 Jahren – in Landau a. d. Isar sind es sogar 60,0 Jahre, in Vilshofen 59,3 und in der Region Pocking/Ruhstorf a. d. Rott 59,0 Jahre.


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