20.12.2011, 16:43 Uhr

Aufsehen erregender Prozess in Landshut Pädophilen-Ring soll Haiti-Waisen als Sexsklaven gehalten haben

Amtsgericht und Landgericht Landshut Foto: GrießerAmtsgericht und Landgericht Landshut Foto: Grießer

Nach außen war der Berliner Verein „Promote Africa e.V.” ein Hilfsprojekt. Tatsächlich aber sollen die Mitglieder die Not in Haiti schamlos ausgenutzt, Kinder missbraucht und nach Deutschland verschleppt haben.

LANDSHUT/BERLIN Zwei Mitglieder der mutmaßlichen Tarnorganisation des Kinderschänder-Rings haben sich ab Mittwoch vor der Jugendkammer des Landshuter Landgerichts zu verantworten. Ihnen wird u.a. schwerer Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Auf der Anklagebank sitzen dann der 57-jährige ehemalige Projektmanager Hans Joachim B. aus Berlin als Hauptangeklagter und der 27-jährige Brasilianer Francesco L., angeblich Fußballprofi, der zuletzt allerdings beim Berliner Bezirksligisten Brandenburg 03 kickte. Er soll nicht selbst an Missbrauchstaten beteiligt gewesen sein, aber eine wichtige Rolle bei den Schleusungen gespielt haben. Der Prozess findet vor dem Landgericht Landshut statt, weil das Duo am 12. Februar dieses Jahres am Flughafen München  bei der Einreise aus der Dominikanischen Republik, bei dem es einen 12-jährigen Jungen aus Haiti dabei hatte, festgenommen wurde.

Die Ermittlungen gegen „Promote Africa e.V. - Initiative für Integration & Entwicklung” liefen bei der Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt Berlin, nachdem sich 2010 die Indizien häuften, dass die vielfältigen Aktivitäten des Vereins eigentlich nur Nebensächlichkeit waren, sondern die führenden Köpfe in unvorstellbar skrupelloser Weise die Not und Hilflosigkeit vor allem der Kinder in Haiti und der Dominikanischen Republik ausgenutzt zu haben.

Schließlich erhärtete sich Anfang dieses Jahres der Verdacht, dass Vereinsmitglieder nicht nur ihre eigenen sexuellen Neigungen auslebten, sondern auch im großen Stil lukrative Schleusungen für interessierte Kunden in Deutschland vorgenommen wurden. Kleine Jungen, wie der 12-jährige Haitianer, sollen nach Berlin geschleust worden sein, um dort die ihm zuteil gewordenen „Wohltaten” abzuarbeiten. „Geeignete Opfer, vor allem Waisen unter dem Deckmantel der Hilfstätigkeit anzulocken, ist eine gängige Masche bei Menschenhandel und das Gewerbe ist lukrativ: In Europa sitzen finanzkräftige Kunden, die Kinder als regelrechte Sexsklaven kaufen”, so einer der Ermittler.

Laut Anklage der Landshuter Staatsanwaltschaft wurde der Verein „Promote Africa” 2005  gegründet und 2007 ins Vereinsregister eingetragen. Als Vereinszweck sei bestimmt gewesen, „ein modernes und reales Bild von Afrika zu vermittelt, sich für die Integration von jungen Einwanderern zu engagieren...” Hans Joachim B. sei zu einem der beiden Vorsitzenden gewählt und dann im Dezember 2009 zusätzlich als „Projektmanager” zu seinem Salär von 2800 Euro angestellt worden.

Der Verein habe 2008 nach dem schweren Erdbeben in Haiti auf seiner Webseite u.a. damit geworben, Kinder des Inselstaates zu fördern, für Unterkunft und Essen, Kleidung und Schulbesuche zu sorgen. Dazu sollte im Grenzort Belladere eine „kleine Anlaufstation” eingerichtet werden, wo Kinder nicht nur mit sauberem Wasser und Essen versorgt werden sollten, sondern auch „einen geschützten Ort, wo sie sich zurückziehen können” vorfinden sollten.

Das angebliche Hilfsprojekt, so die Anklage, habe den „Initiatoren” nur dazu gedient, Kontakte zu Kindern und Jugendlichen herzustellen, um ihre eigenen pädophilen Neigungen ausleben zu können. So sei Hans Joachim B. zusammen mit einem weiteren, inzwischen ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Vereinsvorstand im März 2010 nach Haiti geflogen, wo dann das 12-jährige haitianische Straßenkind angesprochen und in dem angeblichen Kinderheim in Belladere untergebracht worden sein soll.

In dieser Unterkunft hätten die beiden Deutschen den Buben mehrfach sexuell missbraucht, den Oral- und Analverkehr mit Gewalt vollzogen. Bei weiteren Aufenthalten in Haiti und der Dominikanischen Republik, so die Anklage, habe der „Projektmanager”  in verschiedenen Hotels zumindest noch weitere vier Buben unter 14 Jahren mehrfach sexuell schwer missbraucht.

Dem Treiben wurde am 12. Februar ein Ende gesetzt, als Hans Joachim B. am 12. Februar dieses Jahres in Begleitung von „Fußballprofi” Francesco de L. und des 12-Jährigen auf dem Münchner Flughafen landete. Der Brasilianer gab dabei den Buben als seinen Sohn aus und legte einen brasilianischen Pass vor, den man sich kurz zuvor unter Vorlage einer gefälschten Geburtsurkunde für den Buben von der brasilianischen Botschaft in Santa Domingo hatte ausstellen lassen.

Bei der Festnahme wurde beim „Projektmanager” Speicherkarten sichergestellt, auf denen sich über 60 Kinderpornos befanden, außerdem ein „Wörterbuch” mit konkreten Anweisungen für Sexualpraktiken mit Kindern.

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt, die Urteilsverkündung für den 25. Januar geplant.


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