11.04.2018, 10:04 Uhr

Abschied von der Kernkraft Ein Jahr Rückbauarbeiten an Block 1 – Kraftwerkbetreiber ziehen Bilanz


Der Mammut- Rückbau von Isar 1 läuft. Vor einem Jahr haben die Arbeiten für den Rückbau begonnen, nachdem das Kernkraftwerk Isar 1 2011 nach dem Super-GAU in Fukushima und infolge der Energiewende vom Netz genommen wurde. Von außen ist noch nichts zu sehen, doch im Inneren erfolgt momentan Räumung und Abtransport der 1.734 Brennelemente, wie Kraftwerksleiter Carsten Müller und Stellvertreter Sebastian Wittmann bei einem Pressetermin erläuterten. Und es gibt ein Problem: Für den Rückbau braucht es dringen Fachkräfte. Die müssen bei der Stange gehalten werden. Nicht leicht, wenn der Abschied von der Kernkraft beschlossen ist.

LANDKREIS LANDSHUT Seit März durchläuft Block 1 die sogenannte Brennelementkampagne mit dem Laden der Castoren – ein wichtiger Meilenstein, wie Müller erklärte. 156 Brennelemente in drei Castoren wurden schon ins Zwischenlager Bella am Standort Isar 1, gebracht. Stichwort Bella: „Derzeit laufen die Übergabevorbereitungen in personeller und technischer Art mit der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), damit die Übernahme möglichst reibungslos verläuft und die Einlagerung nicht zum Stopp kommt“, so Müller. Ziel ist es, bis Ende 2019 die Abklingbecken komplett geräumt zu haben. Wenn alles planmäßig läuft, soll der Block 2 bis 2026/27 brennstofffrei sein.

Doch wie funktioniert das Verladen in die Castoren? 50 bis 52 Brennelemente passen in einen Behälter. Insgesamt werden 34 Transportbehälter sogenannte Castoren, gebraucht, um die 1734 Brennelemente darin verstauen zu können. „Neun bis zehn Tage sind notwendig, um einen Castor abwickeln zu können“, berichtete Sebastian Wittmann, der für den Rückbau von Block 1 zuständig ist. Der Behälter muss erst in das Reaktorgebäude eingeschleust werden, wird dann ins Abklingbecken abgesenkt, um den Castor unter Wasser mit den 52 Brennelementen zu füllen. Danach wird der Primärdeckel aufgesetzt und somit ist verschlossen. Dieser Vorgang dauert etwa einen Tag. Zeitintensiver ist das anschließende Entwässern und trocknen der Castoren mit acht bis neun Tagen. Zum Schluss kommt ein zweiter Deckel zum Schutz auf den Behälter und nachdem der Castor sämtliche Sicherheitstests durchlaufen hat, kann der Abtransport erfolgen.

Alle Rückbauarbeiten innerhalb der eingeplanten 15 Jahren, konzentrieren sich zuerst auf den Abbau von Anlageteilen und Versorgungseinrichtungen, die für den Restbetrieb nicht mehr benötigt werden. Bis dato wurden die Sicherheitsbehälter komplett isoliert, die Hochdruckturbine und ein System mit vielen Rohrleitungen ausgebaut sowie die Demontage der Abgasanlage abgeschlossen. Schrittweise geht es in Richtung Reaktorgebäude weiter. Der Abbau wird von außen erst sichtbar werden, wenn es mit dem zweiten Block KKI 2 an den Abriss geht, voraussichtlich Mitte der 2030er Jahre, dann soll das Gebäude um den Siedewasserreaktor samt Schornstein abgerissen werden. Für den Rückbau des KKI 1 veranschlagt PreussenElektra rund 1 Milliarde Euro.

Der angrenzende Block 2 feierte am Montag erst mal sein 30-jähriges Betriebsjubiläum mit der Belegschaft. 2022 wird auch Isar 2 vom Netz gehen. Während der gesamten Laufzeit wurde das KKI 2 stetig an den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik angepasst. Mehr als 300 Millionen Euro hat PreussenElektra in die Modernisierung und Optimierung der Sicherheit investiert. Sämtliche nationale und internationale Überprüfungen belegen das im weltweiten Vergleich sehr hohe Sicherheitsniveau. 10 Mal wurde es Erzeugungsweltmeister, „um das schaffen zu können, gehört natürlich auch eine motivierte und gut ausgebildete Mannschaft dazu“, berichtete Müller.

Aktuell produziert das Kernkraftwerk Isar 2 rund 12 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs. Um die nächsten Jahre bis zum Rückbaustart 2022 und den Rückbau an sich gut zu meistern, gilt es allerdings, die Motivation bei den Angestellten hochzuhalten. Eine besonders schwierige Aufgabe wird es werden, gerade die jüngeren Mitarbeiter bei der Stange und am Standort zu halten, wie Standortleiter Carsten Müller zugibt: „Natürlich sehen sich die Jüngeren um.“

Geplant seien für den Rückbau Projekte mit vielen anspruchsvollen Tätigkeiten, um Perspektiven aufzuzeigen, dass es doch Sinn macht, zu bleiben. „Für den Betrieb von Block 2 ist es äußerst wichtig, dass die Mitarbeiter bleiben, wir dürfen keine Abstriche in Qualität und Motivation machen“, so Casten Müller abschließend.


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