10.10.2011, 16:13 Uhr

Leck geschlagenes Schiff mit blindem Kapitän LFoundry: Es ist vorbei!

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Am besten beschreibt man den Landshuter Halbleiter-Hersteller LFoundry so: Ein Leck geschlagener Übersee-Dampfer, der von seiner Reederei samt 322-köpfiger Besatzung an einen Kapitän verkauft wurde, der gerade einmal den Segelschein für den Chiemsee besitzt und das sowieso schon sinkende Schiff infolge gnadenloser Selbstüberschätzung auch noch gegen ein Riff gesteuert hat, statt es in den sicheren Hafen zu bugsieren.

LANDSHUT Man kann es aber auch so ausdrücken, wie Insolvenzverwalter Alexander Saponjic am Montag auf einer Pressekonferenz: „Man hat drei Leichtgläubige gefunden, die die Firma im Rahmen eines Management-Buyouts übernommen haben“ – und sie mehr oder weniger ins offene Messer laufen lassen. Dem ehemaligen „Reeder“ des Halbleiterherstellers in Landshuts Westen, der Firma Renesas,  macht Saponjic jedenfalls schwere Vorwürfe. Die Japaner hatten das einstige Hitachi-Werk für einen Euro an zwei ehemalige Beschäftigte aus der mittleren Führungsebene und einen Externen übergeben. Laut Betriebsratsvorsitzenden handelt es sich dabei um Michael Lehnert, Gerhard Spitzelsberger und Hans-Martin Dudenhausen. Für die Japaner ein gutes Geschäft. Denn, wie Saponjic am Montag erklärte, sie sparten sich so einen „dreistelligen Millionen-Betrag“ – Abfindungen inklusive – für eine Schließung des Werks und dessen Abwicklung. Statt der mindestens notwendigen fünf Jahre Auslastungsgarantie gewährte man den Landshutern zudem nur 12 Monate, die das auch noch akzeptierten. Wohl aus Selbstüberschätzung und „Naivität“, so Saponjic, glaubte das neue Führungstrio, die Firma wieder auf Kurs  bringen zu können, ohne dass es dafür allerdings irgendwelche Aussichten auf Erfolg gegeben hätte und das offenbar bis zuletzt. Denn bereits im September 2010 hätte man die Reißleine ziehen können und müssen. Schon damals hatte man einen Verlust von 25 Millionen Euro gemacht. Es waren schlichtweg keine Aufträge da. Nicht einmal die laufenden Fixkosten von 2,5 Millionen Euro pro Monat hätte man auf Dauer schultern könne. Das sei durchaus absehbar gewesen, so der Insolvenzverwalter. Denn Kunden müssten sich lange Jahre an einen Halbleiterhersteller binden und das machen sie nur, wenn sie sicher sind, dass der in dieser Zeit nicht die Segel streicht. LFoundry war da allerdings schon im Abwärtsstrudel.   Wenn schon nicht aus juristischen Gründen, dann aber aus moralischen hätte man also vor über einem Jahr Insolvenzantrag stellen müssen. Passiert ist nichts. Und so müssen sich die vermeintlich dynamischen Jungunternehmer, die für einen weiteren Euro noch ein französische Werk in Rousset, das der Halbleiterhersteller Atmel loswerden wollte, gekauft hatten, vorwerfen lassen, dass sie über 300 Beschäftigten in die Arbeitslosigkeit getrieben haben – und das ohne Abfindung. Eine solche in Höhe von über 12 Millionen Euro für die Beschäftigten hätte Renesas sogar bezahlt. Allerdings nur, wenn LFoundry bis zum 31. Januar 2011 einen Insolvenzantrag gestellt hätte. Stattdessen hielt man sich damit über Wasser, dass man Patente und Maschinen verkaufte, die Firma komplett ausbluten ließ und von dem erhaltenen Geld die Mitarbeiter bezahlte, die auch noch auf 10 Prozent Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichteten in der Hoffnung, dass es weiter gehen wird. So sind die jetzt ihren Job ohne Abfindung los und sie müssen eine weitere bittere Pille schlucken: Hätte man auch nur zwei Monate früher als am 1. September 2011 Insolvenz angemeldet, dann hätte Saponjic noch einen Käufer für das Werk gefunden. Laut dem Insolvenzverwalter sei man sich mit einem milliardenschweren amerikanischen Konzern praktisch schon handelseinig gewesen. Allerdings ist der aufgrund der überraschenden Abkühlung der Weltwirtschaft und gesunkenen Börsennotierungen doch noch abgesprungen. Die letzte Hoffnung ist damit geplatzt. Wie das konkret für einen Mitarbeiter aussieht, dafür ist der Betriebsratsvorsitzende Georg Erber das beste Beispiel. „Ich bin 58 Jahre alt, habe Elektroniker gelernt, den Beruf aber 29 Jahre nicht mehr ausgeübt, weil ich in dieser Zeit im Betriebsrat war.“ Er wird sich wohl mit Hartz IV anfreunden müssen.


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