21.07.2017, 12:51 Uhr

Das Problem mit dem ,Fantasiekostüm' Landshuter Hochzeit: Bischof muss Dienstausweis vorzeigen

Foto: Bistum Regensburg (Foto:Schmid)Foto: Bistum Regensburg (Foto:Schmid)

Kuriose Szenen bei der Landshuter Hochzeit: Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer musste am Eingang zum Zehrplatz seinen Dienstausweis vorzeigen. Der Sicherheitsdienst hielt ihn für einen Mittelalter-Fan im Fantasiekostüm. Voderholzer nahm's mit Humor.

LANDSHUT Früher, da war das einfach in Bayern. Praktisch jeder wusste: Der Herr mit dem großen Kreuz, der, der in seiner Kleidung ein bisschen so aussieht wie der Nikolaus, das ist ein hoher kirchlicher Würdenträger. Das ist der Bischof. Früher waren in Bayern allerdings auch gefühlt 99 Prozent der Menschen katholisch. Das hat sich geändert und das hatte jetzt für den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Rahmen seines Besuches der Landshuter Hochzeit kuriose Folgen. Über die schmunzelt man jetzt im bischöflichen Ordinariat in Regensburg, eigentlich im ganzen Bistum. Der Bischof wurde am zweiten Sonntag der Landshuter Hochzeit für einen derjenigen gehalten, die in einem „Fantasiekostüm“ auf den Zehrplatz wollten – und deshalb zunächst nicht eingelassen.

Der Vorfall war auch der Grund, warum Kardinal Reinhard Marx am vergangenen Hochzeitssonntag auf seine „Dienstkleidung“ verzichten sollte. Das, was Bischof Rudolf Voderholzer eine Woche zuvor passiert ist, sollte sich nicht noch einmal wiederholen.

Der Pfarrer von St. Pius, Alfred Wölfl, war da mit seinem „Chef“, dem Bischof, nach dem Umzug auf den Weg zum Ritterturnier. Nachdem sich noch vier Jahre zuvor viele Mittelalterfans in Fantasiekostümen auf dem Zehrplatz unter das Publikum gemischt hatten, gab es diesmal strenge Anweisungen für den Sicherheitsdienst am Eingang. Keine „Fremdkostümierten“ als Besucher! So lautete die strikte Vorgabe, die auch umgesetzt wurde.

„Man hat uns zunächst für Mitwirkende gehalten“, so Wölfl. Als sich dann herausstellte, dass das nicht der Fall ist, wollte der Ordner am Eingang die Gäste wegen des „Kostüms“ Voderholzers, der Bischof hatte seinen Talar an, nicht auf den Zehrplatz lassen.

„Wir haben ihm dann erklärt, dass das die Dienstkleidung eines Bischofs ist“, so Wölfl. Doch der Mann am Eingang, der laut dem Pfarrer offensichtlich „keinen kirchlichen Hintergrund hatte“, entgegnete nur, dass das ja jeder sagen könne. „Wir haben schließlich unsere Dienstausweise vorgezeigt, damit war das Thema dann auch erledigt.“ Der Sicherheitsmann, dem die Angelegenheit sichtlich peinlich war, habe sich auch gleich entschuldigt. „Wir haben dann selber lachen müssen“, so Pfarrer Wölfl. Der Mann habe ja nur seinen Job gemacht und vier Jahre zuvor seien tatsächlich viele Gäste im „Pseudo-Gewand“ auf dem Zehrplatz rumgelaufen, die gewandet waren wie „Robin Hood“, so Wölfl.

Bistumssprecher Klemens Neck bestätigte den Vorfall, der im Ordinariat in Regensburg schnell die Runde machte. Schleierhaft ist ihm allerdings, wie man einen Bischof nicht erkennen kann. Mit dem Talar erweise der Bischof seinem Gastgeber Respekt.

„Das ist so etwas wie ein guter Anzug, nicht der, den man sonst immer trägt“, erklärt der Bistumssprecher den Aufzug des Geistlichen. „Ich habe so etwas noch nie erlebt, dass man den Bischof nicht erkennt“, sagt er. Schließlich würden sogar Kinder den Bischof an seinem großen Kreuz erkennen. Das Problem ist nur, dass es bei der Landshuter Hochzeit tatsächlich Mitwirkende gibt, die das mittelalterliche Kostüm eines Bischofs tragen, es gibt auch Pater und Ordensleute – und eben auch Nachahmer, die auf dem Zehrplatz nicht geduldet werden.

Darum ist man am vergangenen Hochzeitssonntag auf Nummer sicher gegangen und hat dem prominenten geistlichen Würdenträger, der dieses Mal geladen war, vorgewarnt, hieß es aus kirchlichen Kreisen. Kardinal Reinhard Marx möge doch bitte nicht im Talar kommen.


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