20.04.2017, 10:36 Uhr

Das Problem mit den RadlRambos Immer mehr Fahrradunfälle in der Region Landshut

Foto: FDFoto: FD

Immer mehr Landshuter steigen aufs Rad um. Viele vergessen dabei: Auch auf Radwegen gelten Regeln. Die Zahl der Unfälle mit Radfahrern steigt.

LANDSHUT Die Radl-Rambos: Dieser Begriff hat sich vor allem in München verfestigt, weil dort Geschwindigkeit und Aggressivität vieler Radfahrer im Straßenverkehr seit einigen Jahren zugenommen haben. Je größer die Stadt, desto mehr Bürger steigen auf den Drahtesel um. Die Gründe sind vielfältig: Fahrradfahren ist kostengünstig und umweltfreundlich. Man muss keinen Parkplatz suchen und kommt im Straßenverkehr zügig voran.

Mit der Zahl der Radfahrer steigen aber auch die Probleme – und was in der Großstadt Trend ist, deutet sich auch in Städten mittlerer Größe wie Landshut an. 2016 stieg die Zahl der Fahrradunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 14,8 Prozent, von 122 auf 140. Seit 2007 nahmen die Fahrradunfälle in Niederbayern um ca. 34 Prozent zu. Insgesamt 10 Fahrradfahrer mussten 2016 in Niederbayern ihr Leben lassen. Bei 1.168 Fahrradunfällen trugen 94 Prozent der Beteiligten Verletzungen davon. Allein 685 Radfahrer stürzten ohne Fremdeinwirkung.

Immer öfter werden Fußgänger Opfer von rücksichtslosen, rasenden Radfahrern. Am 4. April wurde ein elfjähriges Mädchen im Ursulinengässchen von einem Radfahrer erfasst. Das Mädchen befand sich in einer größeren Personengruppe, als plötzlich von hinten der Radler so dicht an ihr vorbeifuhr, dass er sie umriss.

Das Mädchen stürzte und verletzte sich leicht. Der Radfahrer beleidigte anschließend das Mädchen und fuhr weiter, ohne sich um das Kind zu kümmern. Viele Nötigungen und Gefährdungen von Fußgängern durch Radfahrer werden polizeilich nicht erfasst, weil sie nicht zur Anzeige gebracht werden. Daher bewegt sich das Problem statistisch in einer Grauzone. In München werden rund 57 Prozent der Unfälle mit Radlerbeteiligung auch von den Radfahrern selbst verschuldet. Dort hat die Polizei die Kampagne „Gscheid radln“ ins Leben gerufen.

Braucht Landshut das auch bald? Mit einer Mischung aus Prävention und Repression soll das Bewusstsein der Radfahrer geschärft werden. Die schlimmsten Vergehen sind laut Polizei Rotlichtverstöße und die Nutzung von Radwegen in die falsche Richtung („Geisterradler“).

Die Radler unter Generalverdacht stellen will die Polizei aber nicht. „Rambo-Manieren haben im Straßenverkehr nichts zu suchen, egal mit welchem Verkehrsmittel“, so Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern. Er appelliert daran, dass „Verkehr ein Miteinander sein soll und kein Gegeneinander, bei dem das Recht des Stärkeren mit Gewalt durchgesetzt wird“.

Kein Licht, kein Helm, mit Handy

Viele Radfahrer begehen „geringfügige Ordnungswidrigkeiten, wie etwa Fahren ohne Licht, Telefonieren auf dem Rad, falsche Benutzung der Radwege, etc.“, so Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern. Diese würden in vielen Fällen von den betroffenen Personen bar „vor Ort bezahlt, wobei hierbei keine statistische Erfassung stattfindet“. Die Regeln der Straßenverkehrs-Ordnung gelten für alle Verkehrsteilnehmer. Auch als Radfahrer müssen Sie bei Verstößen mit Geldbußen, Geldstrafen und Punkten in Flensburg rechnen. „Wer betrunken mit dem Rad fährt, riskiert Strafverfahren, MPU und den Entzug der Fahrerlaubnis. Sogar die weitere Benutzung von Fahrrädern kann untersagt werden“, so Kathrin Fändrich, Pressesprecherin am Bayerischen Innenministerium.


0 Kommentare