23.06.2010, 10:40 Uhr

Bürgermeister Dr. Thomas Keyßner und das Fitness-Affärchen Grüne Krise, hausgemacht

Bürgermeister Thomas Keyßner geht ins Fitness-Studio. Das wiederum wirbt mit dem prominenten Kunden. Der entschuldigt sich und sorgt so selbst für eine Krise. Ein Kommentar.

LANDSHUT Stellen Sie sich bitte für einen kurzen Moment folgendes vor, liebe Leser: Mittels einer Anzeige oder eines Werbespots erfahren Sie, welches Landshuter Restaurant Hans Rampf besonders schätzt (außer McDonald's natürlich). Oder wo Christoph Zeitler seine Krawatten kauft. Was würde diese Information mit Ihnen machen? Würden Sie nun jeden Tag in das vom OB favorisierte Lokal gehen oder alle Binder im Lieblingsladen des Liberalen kaufen? Würden Sie die beiden Lokalpolitiker künftig besonders verehren, weil der eine manchmal auswärts speist und der andere bisweilen eine neue Krawatte trägt?

Das ist das Niveau, auf dem in den letzten Tagen über eine PR-Panne von Thomas Keyßner verhandelt wird. Der 2. Bürgermeister hat in einer Anzeige seinen Namen, sein Gesicht und seine Amtsbezeichnung für ein Fitness-Studio hergegeben, in dem er regelmäßig trainiert. Das mag man lustig finden oder nicht, geistreich oder ungeschickt – Fakt ist: Keyßner hat dafür kein Geld bekommen und sich insofern wenig vorzuwerfen. Eigentlich. Das ist jedenfalls die eine Seite der Medaille. Die andere ist die katastrophale Art, wie die Grünen eine Krise gemanagt haben, die gar keine war. Es begann damit, dass die besagte Anzeige in jenem Anhängsel der Tageszeitung erschien, das sein wahres Gewicht in aller Regel erst im Altpapiercontainer entfaltet. Will sagen: Mag man auch in Keyßners Lager die Fitness-Anzeige gleich nach Erscheinen als Tolpatschigkeit bedauert haben – die Chancen standen prächtig, dass die Weltöffentlichkeit niemals Anstoß genommen hätte an dieser Petitesse. Doch siehe da: Für die Verbreitung der Panne sorgten die Grünen schon selbst – und zwar mit enormer Leidenschaft. Einen Tag nach Erscheinen der Anzeige nämlich brachte Keyßner über die Medien einen „Offenen Brief” an OB Hans Rampf in Umlauf – ein Manifest der komplett surrealen Art. Der Bürgermeister räumte völlig zerknirscht einen schweren Fehler ein und entschuldigte sich – wortreich und glaubhaft, beim OB und bei allen Bürgern dieser Stadt. Aber: Wofür eigentlich? Von Bundespräsident Köhler hätte man sich nach seinen unsäglichen Äußerungen zum Thema Wirtschaftskriege gerne eine schnelle und umfassende Erklärung gewünscht; bei ihm hätte sie Not getan. Aber hier? Nicht einmal die politischen Konkurrenten im Rathaus fanden die Kraft, sich zu empören. Rampf und Co. reagierten gelassen bis gelangweilt. Keyßner erreichte mit seiner panischen Informationsoffensive also vor allem eines: Jene gut 98 Prozent der Landshuter, die von dem Fall nie etwas mitbekommen hätten, waren nun plötzlich voll im Bild. Und der interessierte Bürger bekam auf höchst skurrile Weise einen doch sehr zutreffenden Einblick ins Innenleben der zweitstärksten politischen Kraft dieser Stadt geliefert. Thomas Keyßner ist natürlich ein kompetenter OB-Kandidat, ein integrer sowieso, eigentlich eher ein überkorrekter. Er ist aber auch allzu angespannt in diesen Wochen, weil er merkt, dass Amtsinhaber Rampf sich so gar keine Blößen gibt im Wahlkampf. Die Lockerheit des OB ist ein Hauptgrund für die Verkrampftheit seines Herausforderers. Ob Keyßner parteiintern nun grundfalsch oder gar nicht beraten wurde im aktuellen Fall, ist fast schon egal. Die Grünen scheinen einiges von ihrem Gespür verloren und womöglich ihren Zenit in Landshut überschritten zu haben.


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