23.01.2017, 17:39 Uhr

„Bosnischer Freund tötet auch für fünf Euro” Bucher bedroht besoffen und bekifft drei Jugendliche

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Er war nach eigenen Angaben betrunken und bekifft, dazu „abgebrannt”. Nur so kann sich ein 25-jähriger Kfz-Mechatroniker aus Erding, der zuletzt in Buch am Erlbach wohnte, erklären, wie es zu der Bedrohung eines damals jugendlichen Trios kam, die ihn jetzt wegen versuchten schweren Raubes auf die Anklagebank vor der Jugendkammer des Landshuter Landgerichts brachte.

LANDSHUT / ERDING / BUCH Laut der von Staatsanwalt Dr. Josef Weiß vertretenen Anklage war der gelernte Kfz-Mechatroniker am 9. Juni letzten Jahres gegen 22.15 Uhr auf dem Parkplatz des S-Bahnhofs Altenerding auf ein jugendliches Trio gestoßen, hatte sein Klappmesser gezogen und die Herausgabe von Bargeld gefordert. Dabei drohte er damit, dass „sein bosnischer Freund auch für fünf Euro töten würde”. Die damals 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen aus Ottenhofen und München konnten jedoch flüchten.

Vor der Jugendkammer legte der 25-Jährige ein umfassendes Geständnis ab. Er sei an jenem Abend von einer München-Tour mit einem Bekannten, wo er erheblich dem Alkohol zugesprochen, gekifft und auch Speed „gezogen” habe, zurückgekommen. Warum er die drei Jugendlichen, die er allerdings älter geschätzt habe, bedrohte, könne er sich nicht mehr erklären. Er sei zwar „abgebrannt”, aber nicht direkt in finanzieller Not gewesen, da von seinem letzten Lohn noch was übrig gewesen sei. „Die drei standen einfach da, es hätten auch andere sein können”, so der 25-Jährige.

Zu seinem Werdegang berichtete er, dass er nach der Schule zunächst Kfz-Mechatroniker gelernt habe, später als Werkarbeiter und schließlich nur noch als Gelegenheitsarbeiter tätig gewesen sei. 2015 habe er dann einen Job auf einem Geflügelhof bekommen, „der erste Job, bei dem ich mich wohl gefühlt habe”.

Als er den dann verloren habe, habe er wieder in verstärktem Maß getrunken und Drogen konsumiert. Seine Drogen„karriere” habe er schon mit 15 begonnen, später zeitweise habe er alles konsumiert, auch Pilze. Dazu sei auch noch erheblicher Alkoholkonsum gekommen. Nach einer Therapie habe er aber zunächst alles „im Griff gehabt” und sei auch bei seiner Arbeit auf dem Geflügelhof stets „clean” gewesen, nach dem Jobverlust habe er wieder massiv zu Drogen gegriffen.

„Schützenhilfe” bekam der 25-Jährige durch seinen im Gerichtssaal anwesenden Vater (52). Der berichtete, dass sein Sohn zunächst behütet aufgewachsen sei. Nach der Scheidung allerdings sei er mit der Mutter im „Erdinger Getto”, eine Ecke „mit großem sozialen Sprengstoff” gelandet. „Eigentlich unverständlich, weil ich viel Unterhalt bezahlt habe”, so der Vater.

Die Verbindung zum Sohn sei nie abgerissen. „Ich sehe ihn nicht als Verbrecher, er wird nur mit Alltagsproblemen nicht fertig”, so der Vater. Der 25-Jährige bringe sein Leben nicht auf die Reihe, habe eine Art „Antragsphobie”. So habe er es nicht geschafft, sich arbeitslos zu melden und einen Antrag zu stellen, auf Mahnungen wegen seiner rund 10.000 Euro Schulden habe er nicht reagiert, die Schuldnerberatung nicht in Anspruch genommen: „Statt dessen schafft er es nur in die nächste Kneipe.”

Ihn nur einzusperren, so der Vater, wäre nicht der richtige Weg: „Er muss gecoacht werden, sonst gib es nach seiner Entlassung wieder die gleichen Probleme.” Wenn etwas schief laufe, gebe er sofort auf. Diese Erfahrung hatte auch sein Bewährungshelfer, der ihm nach einer früheren Verurteilung zur Seite gestellt wurde, gemacht: Den Kontakt zu ihm habe der 25-Jährige nach dem Verlust der Arbeitsstelle abgebrochen, auch Termine bei der Drogen- und Schuldnerberatung nicht wahrgenommen.

Das Vorstrafenregister mit elf Eintragungen sprach allerdings Bände: Als Jugendlicher hatte der 25-Jährige schon wegen Diebstählen, Verkehrsdelikten, vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie Widerstands gegen Polizeibeamte auf der Anklagebank gesessen, war aber letztlich mit Jugendarresten und einer Bewährungsstrafe davon gekommen. 2016 allerdings hatte er sich beim Amtsgericht Erding u.a. wegen Drogendeals in 162 Fällen zu verantworten. Auch da kam er mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Die allerdings dürfte widerrufen werden, wenn es im aktuellen Verfahren zu einer Verurteilung kommt.

Allerdings zeichnete sich nach einer Zwischenberatung der Kammer eine Wende in dem Verfahren ab. Angesichts der Angaben des 25-Jährigen zu seinem Drogenkonsum stelle sich auch die Frage einer Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, so Vorsitzender Richter Oliver Dopheide. Dazu sei aber ein psychiatrisches Sachverständigengutachten – auch für die Beurteilung der Schuldfähigkeit zur Tatzeit – erforderlich. Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger Hellmut Hack erklärte sich der 25-Jährige zu einer psychiatrischen Exploration bereit.

Der Prozess, der eigentlich am Donnerstag zu Ende gehen sollte, wird sich deshalb länger hinziehen. Am Mittwoch sollen jetzt noch die drei Geschädigten aussagen, dann sind an verschiedenen Tagen noch so genannte Schiebetermine geplant. Ein Urteil könnte es frühestens am 7. März geben.


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