16.07.2015, 12:41 Uhr

Behörden sollen gegen Onlineportal durchgreifen Landshuter Hotel-Chefs laufen Sturm gegen Airbnb

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Immer mehr Privatleute bieten im Internet Zimmer an Touristen an. Der hiesige Hotel- und Gaststättenverband verfolgt den Trend mit großem Ärger. Er will der Online-Vermittlung Airbnb nun den Garaus machen.

LANDSHUT Soll es ein Gästezimmer auf einem idyllischen Pferdehof für 35 Euro in Landkreis Landshut sein oder doch lieber das mondäne Penthouse mit großzügiger Sonnenterrasse mitten in der Stadt für 84 Euro pro Nacht? Die verlockenden Angebote im Internet, die man mit einem Klick buchen kann, lassen Franz Hopper vom hiesigen Hotel- und Gaststättenverband den Kamm schwellen. „Was Uber für die Taxi-Branche ist, das ist Airbnb für uns“, sagt er. Über 104 Zimmer, Appartements und Wohnungen werden von Privatleuten auf dem Online-Vermittlungsportal im Raum Landshut derzeit angeboten. Und es werden immer mehr. „Das ist ein Millionenmarkt“, sagt Hopper und will dem nicht mehr länger zusehen. Denn der Konkurrenzkampf sei alles andere als fair – und könnte sogar drastische Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt in Landshut haben.

Airbnb, gegründet im Jahr 2008 in den USA, ist im Prinzip nichts anderes als eine Online-Zimmervermittlung für Privatleute. Angeboten und gebucht wird über das Portal, dafür zieht das Unternehmen eine Vermittlungsgebühr von Vermietern und Gästen ein. Rechtliche Verpflichtungen übernimmt Airbnb natürlich nicht. Auch immer mehr Bürgerinnen und Bürger aus der Region Landshut betätigen sich mittlerweile als Mini-Hoteliers, nutzen das Portal und bieten Wildfremden aus der ganzen Welt ihre eigenen vier Wände als Übernachtungsgelegenheit an – zu Preisen, die oft nur knapp unter dem eines Hotels liegen. „Allerdings zahlen die Anbieter weder Mehrwert- noch Gewerbesteuer“, sagt Hopper. Dafür agieren die Vermieter mittlerweile immer professioneller. Um günstige Schlafgelegenheiten auf einer Couch dreht es sich jedenfalls schon lange nicht mehr.

Da ist zum Beispiel die attraktive Mareike (Name geändert) aus einer Gemeinde im Landkreis, die in Sachen Zimmervermietung längst so professionell agiert wie große Hotelketten. Die schmucken Übernachtungsgelegenheiten bei ihr haben Namen wie die Suiten in großen Hotelketten. Schlafen kann man bei Mareike zum Beispiel in der „exklusiven Galerie Waldschlösschen“, im schmucken Souterrain „Underground“ oder in der sonnigen Wohnung „Red Corner“ mit Balkon. Es gibt aber auch ein einfaches „Doppelzimmer“ und offenbar sogar einen kleinen Pool im Garten. Ihr Online-Auftritt – nebst professionellen Fotos – steht dem eines Viersternehauses in nichts nach. Weil viele das so professionell wie Mareike machen, aber sich meist natürlich nicht an Hygiene-, Sicherheits- und Brandschutzvorschriften für Hotel- und Gaststättenbetriebe halten, ist das für Hopper schlicht „illegal“.

Längst hat das Online-Angebot zudem auch in Landshut Ausmaße überschritten, die der Verband nicht mehr tolerieren kann. Dass die Behörden noch nicht eingeschritten sind, wundert ihn sowieso. „Das wird geduldet“, sagt er, obwohl meist weder Gewerbe- noch Mehrwertsteuer gezahlt würden. In seinen Augen ist das deshalb nicht nur eine Wettbewerbsverzerrung, sondern für den sowieso schon angespannten Landshuter Wohnungsmarkt auch eine ernsthafte Bedrohung. Längst würden sich Investoren Ein- und Zweizimmer-Appertements kaufen, die aber normalen Mietern nie zur Verfügung stehen werden. Es sei, so Hopper, ja auch viel lukrativer, die Räume tageweise über „Airbnb“ zu vermieten. „Gewerbliche Nutzungsänderung von Wohnraum“, heißt das im Beamtendeutsch. Und tatsächlich können Städte genau hier ansetzen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. „Die Stadt muss das verbieten“, sagt Hopper. Genau das will der Hotel- und Gaststättenverband jetzt in Landshut erreichen. Mit einem Schreiben hat der Verband bereits Stadträte von der Situation in Kenntnis gesetzt. Die Fraktion der Freien Wähler will die private Online-Vermittlung jetzt im Plenum zum Thema machen. Es könnte also sein, dass Mareike und Co. bald nicht nur Besuch von Globetrottern, sondern auch von Behörden-Vertretern bekommen.

Besagte Mareike weist Hoppers Kritik wiederum zurück. Sie könne natürlich nicht für alle Airbnb-Anbieter sprechen, sie habe aber sehr wohl ein Gewerbe angemeldet. "Und ich versteuere natürlich die Einnahmen", sagt sie. Auch sei Airbnb ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor für die Stadt. "Die Zielgruppe bei Airbnb ist eine andere als die des klassischen Hotelkunden. Airbnb-Kunden möchten Kontakt zu den Anbietern, sie möchten sich die Stadt zeigen lassen und in die Kultur eintauchen. Gleichzeitig ist das Budget dieser Besucher kleiner, was sich ja auch in den Airbnb-Angeboten widerspiegelt. Leben und leben lassen sollte hier das Motto sein und nicht aufeinander losgehen."


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