27.03.2015, 10:25 Uhr

Überraschung im Rathaus "Zufallsfund" im Stadtarchiv: Stadt hatte Hitlers Ehrenbürgerschaft schon 1946 aberkannt

Adolf Hitler mit OB Otto Schottenheim im Regensburger Rathaus Foto: Staatliche Bibliotheken / Stadt RegensburgAdolf Hitler mit OB Otto Schottenheim im Regensburger Rathaus Foto: Staatliche Bibliotheken / Stadt Regensburg

Eigentlich wollte das Stadtratsplenum erst am Freitag über die offizielle Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers in Landshut befinden. Doch dann kam alles ganz anders, weil Stadtarchivar Gerhard Tausche einen ganz besonderen Fund gemacht hatte.

LANDSHUT Der Stadtheimatpfleger teilte dem Plenum am Nachmittag mit, dass ihm ein "Zufallsfund" beim Durchstöbern alter Rathaus-Akten geglückt sei. Aus einem "Bürobeschluss-Protokollbuch" aus dem Jahr 1946 ginge hervor, dass ein kommissarischer Stadtrat, unter der Leitung des kommissarischen Oberbürgermeisters Hans Hubert Dietsch, Adolf Hitler die 1933 verliehene Landshuter Ehrenbürgerschaft schon 1946 offiziell aberkannt hatte. Konkret sei dort von einer Aberkennung aller Ehrenbürgerwürden die Rede, "die auf Grund besonderer Verdienste während des Naziregimes verliehen worden" seien. Damit wurden auch die Ehrungen für Paul Hindenburg und Franz Ritter von Epp zurückgenommen.

Warum dieses wichtige Dokument erst jetzt aufgetaucht ist, wurde im Neuen Plenarsaal nicht weiter erläutert. Fest steht jedoch, dass sich mit dieser überraschenden Wende jede weitere Abstimmung über die Aberkennung von Hitlers Ehrenbürgerwürde in Landshut erübrigt hat. SPD-Stadtrat Klaus Pauli hatte genau diese Entscheidung am Freitag auf die Tagesordnung gebracht.

Die Debatte um Hitlers Ehrenbürgerschaft in Landshut flammte vor Kurzem wieder auf, als die Öffentlichkeit auf einen Wikipedia-Eintrag aufmerksam wurde, in dem der Diktator noch unter den Ehrenbürgern der Dreihelmstadt gelistet wurde. Daraufhin löschte die Stadt einen entsprechenden Link auf die Online-Enzyklopädie und verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich der Stadtrat 2003 auf eine Nicht-Nennung von Hitlers rechtlich ohnehin erloschener Ehrebürgerwürde geeinigt hatte. 

Die vom Plenum einstimmig verabschiedete Beschlussvorlage lautete: "Der heutige Stadtrat nimmt den Beschluss der Kollegen des Jahres 1946 mit großem Respekt zur Kenntnis und bestätigt diesen nochmals eindringlich."


0 Kommentare