10.12.2013, 16:49 Uhr

Er setzte sein Lebens aufs Spiel, jetzt hat er noch 3 Euro für 4 Wochen Ein Held steht vor dem Nichts

Alexander Maya ist ein Held. Gebracht hat ihm das nichts. Durch seinen Einsatz verlor er einfach alles. Um zu seiner eigenen Ehrung anreisen zu können, musste er Pfandflaschen zusammenklauben und verkaufen.

LANDSHUT Helden, das sind Menschen, die zuerst an andere denken und dann an sich. So jemand wie Alexander Maya. Seine Heldentat hat den 42-Jährigen jetzt an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Er hat seine Existenzgrundlage verloren, weiß nicht, wie er seine Frau und seine Töchter im Alter von vier Monaten und sieben Jahren durchbringen soll. „Ich habe noch drei Euro und weiß nicht mehr weiter. Dabei will ich doch nur in mein altes Leben zurück“, erzählt er. Er ist ein tragisches Beispiel dafür, wie herzlos die Gesellschaft bisweilen mit denen umgeht, die sich für andere aufopfern. Der 42-Jährige musste an Autobahnraststätten sogar weggeworfene Pfandflaschen sammeln und verkaufen, um sich die Fahrt zu seiner eigenen Ehrung leisten zu können.

Der Schicksalsschlag, der das Leben des Vaters  mit einem Schlag auf den Kopf stellte, ereignete sich am Mittwoch, 22. Oktober. Mit seinem Kipper ist der Lkw-Fahrer aus Pastetten an diesem Tag gegen 6.45 Uhr auf der alten B11 im Landkreis Landshut unterwegs zur Deponie, um abzuladen. „Meine Stammstrecke“, erzählt er.

Bei Kronwinkl passiert es: Ein Rollerfahrer überholt ihn. Der Zweiradfahrer kommt ins Straucheln und stürzt. Maya fährt rechts ran, sichert die Unfallstelle, kümmert sich um den 55-jährigen Verletzten. „Er wollte aufstehen. Ich hab gesagt, er soll liegen bleiben, ihm den Nacken gestützt.“ Dann geht alles blitzschnell. „Plötzlich waren da Scheinwerfer. Ich bin gerade noch zur Seite gesprungen. Der Mann wurde mir regelrecht aus den Händen gerissen.“ Ein anderer Autofahrer hatte die Unfallstelle übersehen. Der Rollerfahrer wird frontal getroffen und 25 Meter mitgeschleift. Maya selbst wird an Hüfte und Knie getroffen.

Den eigenen Schmerz ignoriert er aber in diesem Moment. Der 42-jährige ehemalige Kampfsportler rappelt sich auf, eilt zu dem Rollerfahrer. Zusammen mit einem anderen Autofahrer und weiteren Ersthelfern versucht er, das Leben des Mannes zu retten. Doch es ist zu spät. Zu schwer sind die Verletzungen des Mannes, der noch an der Unfallstelle stirbt. Kurz nach dem Unfall stellt sich schnell raus, dass es auch Maya schwerer erwischt hat. Die körperlichen Verletzungen heilen zwar gut, doch das erlebte hat in seiner Seele tiefe Wunden gerissen.

Von den Bildern ist er schwer traumatisiert. Kann nicht mehr arbeiten und muss in psychologische Behandlung. Am Steuer eines tonnenschweren Kippers zu sitzen, das ist zu viel für ihn. Weil er nicht mehr fahren kann, kündigt ihm sein Chef, zahlt von heute auf morgen „keinen Cent mehr“, wie er sagt. Der 42-Jährige fällt immer schneller durchs soziale Netz. Die Behörden wollen oder können ihm nicht helfen, weil sie an Paragrafen gebunden sind. Maya hätte rein rechtlich ja noch Anspruch auf Lohn. Den müsste er aber einklagen. Das kostet aber Kraft und „das dauert ja auch Zeit“, so der 42-Jährige. Zeit, die seine Familie nicht hat.

Das Baby braucht Windeln, der Vermieter will sein Geld, die Stromrechnung steht an. „Ich bin froh, dass ich von der Arbeiterwohlfahrt in Markt Schwaben Gutscheine für die Tafel bekommen habe“, sagt er. Davon leben er und seine Familie jetzt. Nachbarn haben seinem Baby Windeln gekauft.

Wie er die nächsten Wochen überstehen soll, weiß er nicht. „Ich habe wieder einen Job in Aussicht. Aber ich kann ja erst wieder fahren, wenn ich gesund bin“, sagt er. Die Krankenversicherung zahlt voraussichtlich auch erst im Januar. Für die kleine Familie ist das eine Ewigkeit.

Als die Landshuter Polizei die Ersthelfer wegen ihres vorbildlichen Verhaltens auszeichnet, will er trotzdem dabei sein. Er will ein Vorbild für andere sein, ein Zeichen setzen.

Geld für die Fahrt nach Landshut hat er nicht. Also sucht er nach weggeworfenen Pfandflaschen, unter anderem auf einem Autobahnrastplatz in der Nähe seines Wohnortes. Es wird eine traurige Feierstunde in der Landshuter Inspektion, nicht nur wegen des dramatischen Unfalls. Mayas Schicksal macht die Polizeibeamten betroffen.

Doch auch jetzt noch beweist der 42-Jährige Größe: „Ich habe mir in den letzten Wochen oft gedacht: Warum bist Du nicht einfach sitzen geblieben? Aber das wäre gegen meine Natur gewesen. Man muss anderen helfen.“

AKTUELL: Eine bereits angelaufene Spendenaktion wurde vorerst wieder gestoppt, weil Mayas ehemaliger Arbeitgeber erklärt hat, den Lohn zu zahlen.


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