07.09.2011, 19:11 Uhr

Gillamoos: Fünf Parteien und ein Kabarettist Das war der politische Montag

Mit dem für CDU und FDP desaströsen Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag hat das Stelldichein der Parteien auf dem Gillamoos am Montag in Abensberg an Brisanz gewonnen. Immerhin waren von der FDP Christian Lindner und von der CDU David McAllister im Reigen der Parteien dabei.

ABENSBERG Der Gillamoos-Montag hat sich vom einstigen Kuhhandel-Tag zum Tag der Politik gewandelt; ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Heute ist der Montag auf dem ältesten und größten Fest der Hallertau bundesweit eine Marke. Denn in den Festzelten, im Weißbierstadel und im Weinstadel treten Repräsentanten der Parteien auf und ziehen bierzeltgerecht vom Leder. Der Ansturm der Massen ist jedes Jahr sehr groß, heuer wurden Rekordwerte wohl nur vom sehr schlechten Wetter verhindert.

Das Wochenblatt hat an den heuer fünf politischen Veranstaltungen und auch bei Wolfgang Krebs vorbei geschaut. Krebs ist Kabarettist und marschierte als Horst Seehofer ins Ottenbräu-Zelt. Begleitet von der Blaskapelle freute er sich: „Das Ottenbräu-Zelt ist wieder voll mit uns - vor allem deshalb, weil in den anderen Zelten so viele Komiker auftreten.” Alle Parteien bekamen dann in der etwa einstündigen Seehofer-Krebs-Rede ihr Fett weg. Einer der Höhepunkte ist der Auftritt von Christian Ude, den er als Bauchredner-Puppe aus dem Köfferchen zieht. Sein Leitmotiv: „Ozapft is!”, seine politische Erfahrung daher nehmend, dass er in München regiert, seit Erkalten der Erdkruste. Die Menge war begeistert.

Weiter zu Markus Rinderspacher, der im Jungbräu-Zelt bei der SPD erwartet wird. „So wie heut, hat es mich noch nie g’freut, da heroben zu stehn!”, so Johanna Werner-Muggendorfer bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste. Meck-Pom habe gezeigt, wie man’s machen muss und sie werde sich im Falle eines Wahlsiegs der SPD in Bayern ein rotes Dirndl kaufen. Michael Adam, Bürgermeister von Bodenmais, niederbayerischer SPD-Vorsitzender und Landtagskandidat für Regen, beleuchtete vor allem die kommunalpolitischen Probleme aus Sicht des SPD-Politikers, wie beispielsweise eine verfehlte Bildungspolitik, die ihn als Bürgermeister zum „Insolvenzverwalter” degradiere. Der Hauptredner Markus Rindersbacher begann und beendete seine zündende Rede mit der festen Zuversicht, dass die SPD, vor allem mit ihrem Ministerpräsidenten-Kandidaten Christian Ude, die nächste Landtagswahl gewinnt: „Die SPD ist topp motiviert und voller Tatendrang!”

Im Weißbierstadel sind die Freien Wähler; sie haben mit ihrem Chef Hubert Aiwanger einen Redner, der zuverlässig Dampf ablässt und der als Vorrednerin die Landtagsabgeordnete Tanja Schweiger dabei hat. Die Partei der Parteilosen, in der Lokalpolitik groß geworden und inzwischen aufgestiegen, sieht sich als Sieger der Zkunft, ihr Erfolgsrezept: Mehr lokalpolitisches Denken in Deutschland!  MdL  Schweiger stellte das Energiekonzept der Freien Wähler vor, nach dem Bayern 97 Terawattstunden an Energie selbst produzieren könne – bei einem momentanen Verbrauch von 85 Terawattsunden. Bessere Verkehrsanbindung an den Flughafen fordern die FW anstelle einer dritten Startbahn, die lediglich dem schnelleren Umsteigen dienen würde. Nachhaltiges Wirtschaften zum Wohl aller Bürger sei angesagt.Wenn die Bürgermeister  und Landräte der Freien Wähler nicht traditionell über die momentane Legislaturperiode hinausdenken würden, würden sie nicht so oft wieder gewählt. Genau dafür stehen die Freien Wähler - so Hubert Aiwanger. Der Stadel war wie immer sehr gut besucht und unter den Zuhörern (und teilweise auch Gastrednern) finden sich viele anerkannte Kommunalpolitiker, Landrat Faltermeier an der Spitze.

Die Grünen haben mit Bundesvorstand Cem Özdemir schweres Geschütz aufgefahren; er ist im Gasthof Kuchlbauer am Stadtplatz, ein paar hundert Meter entfernt von der Gillamoos-Festwiese. Özdemir ist zum Beispiel ein Dorn im Auge, dass die Regulierung der Finanzmärkte nicht so voranschreitet wie sie sollte. Das Geld für eine – unsinnige – dritte Startbahn in München sollte besser für Zugstrecken ausgegeben werden. Özdemir erklärt, weshalb die Grünen gegen Steuersenkungen sind: Man braucht das Geld im Land! Geld in Bildung zu investieren, sei wichtig, denn  das sei der einzige Rohstoff, den Deutschland hat. Richtige Ganztagsschulen müssten entstehen, den Kindern ausreichend Sport und die Möglichkeit, ein Instrument spielen zu lernen angeboten werden. Das ist nach Özdemirs Ansicht gleichzeitig effektive Gewaltprävention. Zusammen mit gesunder Ernährung aus regionalen Produkten gäbe es dann kluge und gesunde junge Menschen. Das Leben müsse auch in Zukunft noch lebenswert sein.

Weiter geht es im Gillamoosmontagspolitreigen: Zeit für die FDP, die ist im Weinstadel. MdL Andreas Fischer verkündet: „KO ist nur, wer liegen bleibt!”  und lässt, nach einer etwas langen Rede, Christian Lindner ans Pult. „Kann der Lindner überhaupt kommen, soll McAllister gesagt haben”, fragt der gleich mal und nimmt die  tatsächlich von McAllister im nächsten Zelt kurz zuvor gestellte Frage auf, mit der Antwort: „Ja, gerade heute müssen wir raus! Wir können unsere Zukunft nicht zwischen Aktendeckeln suchen”, so der Generalsekretär der am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern abermals arg abgestraften Partei, der drei große Themen auf seiner Agenda hat: Ein stabiles Europa, funktionierende Märkrte und einen handlungsfähigen Staat. Überzeugend warb er für die Europäische Idee: „Wenn wir das vergessen, werden unsere Enkelkinder nur noch eine Minderheit im weltweiten Geschehen sein.”

Ein echter Exot sprach im Hofbräu-Zelt: David McAllister, Ministerpräsident von Niedersachsen. Eine Art Feuertaufe für Bierzeltreden, ausgerechnet vor dem verwöhnten CSU-Gillamoos-Publikum? Weiß der überhaupt, was ein Bierzelt ist? McAllister hat dieses Fremdeln perfekt zur Vorlage gemacht - und damit die Zuschauer gewonnen. Beginnend in feinstem Oxford-Englisch begrüßte er die Anwesenden, um nach einigen einleitenden (englischen!) Sätzen zu rufen: „Long live Gillamoos!” - die ohnehin von MdL Martin Neumeyer kurz zuvor euphorisierte Menge war begeistert, und dann ging‘s ja auch in deutscher Sprache weiter. „Koch, Seehofer, Stoiber, Merkel … wer in der deutschen Politik etwas werden will, muss auf dem Gillamoos bestanden haben.” McAllister stellte sich natürlich vor, als Sohn einer Mutter aus Pommern und eines schottischen Soldaten gehöre er heute „einer deutsch-schottischen Minderheit” an  die sei „wirklich klein”. Natürlich stand der CDUler auch unter dem Eindruck der Wahl vom Vortag: „ich dachte, der Lindner ist zum Lazarettbesuch in Schwerin. Ist der wirklich hier?” Und dann attackierte er die politischen Gegner: „Ich finde es unglaublich, dass eine Partei, die ein gestörtes Verhältnis zur deutschen Einheit hat, als Koalitionspartner in Frage kommt.” Er sprach sich - natürlich - für das Fortführen der Großen Koalition in Mecklenburg-Vorpommern aus. Und nochmal die Linken: „Die Linken? Auch mir stinken die Linken!”

Unser Aufmacherfoto zeigt Kabarettist Wolfgang Krebs als Horst Seehofer beim Einzug ins Ottenbräu-Festzelt. Unsere Bildergalerie zeigt alle Hauptredner der Parteien und diverse Besucher.


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