17.11.2010, 10:41 Uhr

Tetra-Antenne soll in Gandorf gebaut werden – die Technik steht in der Kritik Antenne geplant: Mauern zittert vor dem Sendemast!

Es wird unruhig in Mauern: Die telent GmbH will im Gemeindegebiet eine digitale Sendeantenne errichten. Doch in der Bevölkerung rumort es, denn die hoch gelobte Technik scheint alles andere als sicher und soll gesundheitsgefährdend sein.

MAUERN Die telent GmbH mit Sitz in Backnang (Baden-Württemberg) will auf dem Mauerner Gemeindegebiet eine Tetra-Sendeantenne – zwischen 20 und 50 Meter hoch – errichten. Hierbei handelt es sich um digitalen Bündelfunk, der künftig von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdiensten benutzt werden soll. Die Betreiber haben scheinbar schon im Gemeindeteil Gandorf ein geeignetes Grundstück – eine ehemalige Kiesgrube – erworben, nachdem die Eigentümer der Radarstation bei Schweinersdorf vor kurzem abgewunken haben.

„Offiziell weiß ich erst seit Donnerstag letzter Woche etwas von der geplanten Antenne“, so Mauerns Bürgermeister Alfons Kipfelsberger zum Wochenblatt. telent-Vertreter hätten ihm da erste Informationen gegeben. Auf weitere Details hoffen er und die Gemeinderäte bis zur nächsten Sitzung am kommenden Dienstag, 23. November. Die Betreiber hätten ihm, so Kipfelsberger weiter, mitgeteilt, dass in sechs bis acht Wochen der Bauantrag für den Sendemast im Rathaus vorliegen würde.

Kipfelsberger: „Vorher wollen wir aber noch eine große Informationsveranstaltung machen.“ Hierzu werde er telent-Vertreter, die Regierung von Oberbayern, aber auch Tetra-Kritiker wie die Bürgerwelle e.V., den Dachverband der Bürger und Initiativen zum Schutz vor Elektrosmog, nach Mauern einladen. Der Infoabend soll in den nächsten drei Wochen stattfinden.

Siegfried Zwerenz, Vorstandssprecher der Bürgerwelle, hält den Tetra-Funk für völlig veraltet: „Diese Technik wurde vor 20 Jahren entwickelt und ist heute nicht mehr zeitgemäß. Der anfangs vollmundig gepriesene schnelle Zugriff auf Bild- und Videodaten wird nicht erfüllt.“ Übertragungsraten von 3 KB/Sekunde seien mittlerweile mehr als gering. „Jedes halbwegs moderne Handy ist 1.000 Mal schneller“, schüttelt Zwerenz den Kopf.

Darüber hinaus funktioniere die Tetra-Technik nicht vernünftig. „In den Niederlanden fordern die vier Feuerwehr-Gewerkschaften die Rückkehr zum analogen Funk, weil Tetra nicht sicher läuft. Bei einem Brand kam dort ein Feuerwehrmann ums Leben, weil sein Tetra-Funkgerät nicht funktionierte und er nicht mehr aus den Flammen kam“, so Siegfried Zwerenz.

Ferner führt der Bürgerwelle-Sprecher die hohen Kosten an: Die Erstausstattung werde zwar zu 80 Prozent bezuschusst, doch ab dem zweiten Gerät zahle man den vollen Preis: rund 800 Euro pro Funkgerät!

Auch und vor allem aus gesundheitlichen Gründen lehnt die Bürgerwelle die Tetra-Technik ab. „Beim Analogen strahlt der Sendemast nur, wenn ein Funkspruch abgegeben wird. Bei Tetra herrscht rund um die Uhr gepulste Strahlung vor. Darum haben bereits 2001 in England Wissenschaftler dringend von dieser Technik abgeraten.“ Mittlerweile gebe es dort eine Sammelklage von 176 Polizisten gegen die Regierung. Seit der Einführung der Tetra-Technik hätten sich dort die gesundheitlichen Probleme wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Nasenbluten, Schlafstörungen oder Juckreiz um ein Vielfaches erhöht.

Zwerenz sieht nur eine logische Alternative: „Das analoge Netz behalten, pflegen und ausbauen und Geld in die Entwicklung eines neuen vernünftigen Netzes stecken.“ Viele Tetra-Vorteile könnten beim Analogen relativ kostengünstig nachgerüstet werden.

Das ZDF hat übrigens in der Sendung „Frontal 21“ die Tetra-Technik bereits getestet – und für unbrauchbar befunden. Das Video kann man  hier  anschauen.


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