19.04.2018, 19:58 Uhr

In die Psychatrie? Der Alki-Schreck vom Bahnhofs-Vorplatz

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Schizophrener deutsch-türkischer Gelegenheitsarbeiter (58) wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung angeklagt.

FREISING Über Monate hinweg trieb er sein Unwesen vor allem auf dem Bahnhofs-Vorplatz, beleidigte Alkis und Flaschensammler, schlug auf sie ein. Jetzt hat sich ein an Schizophrenie leidender deutsch-türkischer Gelegenheitsarbeiter (58) aus Freising vor der 6.

Strafkammer des Landgerichts Landshut zu verantworten, wobei es vor allem um seine Unterbringung in einer Psychiatrie geht.

Zunächst sollte dem 58-Jährigen vor dem Amtsgericht Freising der Prozess gemacht werden, nachdem sich allerdings die Anklagen häuften, landete er auf der Anklagebank vor der 6. Strafkammer, zumal er seit August letzten Jahres im Isar-Amper-Klinikum Haar vorläufig untergebracht ist und aufgrund seiner psychischen Verfassung seine endgültige Unterbringung im Raum steht.

Die „Ausraster“ des Gelegenheitsarbeiters setzten laut den von der Staatsanwältin vertretenen Anklagen bereits im September 2016 ein. Da stieß er einen Freisinger von einer Bank und würgte ihn.

Die Verletzungen hielten sich mit Kratzern und Prellmarken allerdings in Grenzen. Am Monatsende beleidigte er dann eine Nachbarn als „schwule Drecksau“.

Dramatischer wurde es dann im Oktober 2016. Da schlug er einmal am Bahnhofs-Vorplatz einem Pfandflaschensammler eine Bierflasche auf den Kopf, der dadurch eine Platzwunde über dem linken Auge davon trug.

Wenige Tage später war er wieder am Bahnhofs-Vorplatz „aktiv“, schlug zunächst einem Mann eine Bierflasche ins Gesicht und attackierte kurz darauf ein weiteres Opfer mit Faustschlägen, sodass es bewusstlos zu Boden ging und eine Schädelprellung erlitt. Danach war einige Monate Ruhe, am 13. Juni letzten Jahres allerdings, schubst der 58-Jährige einen anderen Mann zu Boden, der dadurch Schmerzen am Knie und an der Hüfte erlitt.

Zum Prozessauftakt zeigte sich der Gelegenheitsarbeiter überraschend krankheitseinsichtig und stabil. Im Klinikum, so berichtete er, nehme er täglich elf Tabletten: „Da geht es mir gut.“ Er sei auch weiterhin therapiebereit.

Die Schizophrenie, so berichtete er, liege in der Familie, sei genetisch bedingt: „Auch meine Brüder leiden darunter.“

In der Türkei geboren, sei er in einer Großfamilie aufgewachsen und mit den Eltern und fünf Geschwistern 1968 zunächst nach Wien gezogen.

Die Familie sei dann später nach Neufahrn gezogen, wo er Lehren als Schlosser und Schreiner abgebrochen und in der Folgezeit u.a. als Kommissionierer, als Wachmann und dann bei mindestens 25 anderen Arbeitgebern beschäftigt gewesen sei.

Seit 2005 sei er allerdings arbeitslos, habe nach einem Schlaganfall im Jahr 2014 einen Rentenantrag gestellt. 1980 sei er zwangsverheiratet worden, die Ehe sei, soviel er wisse, inzwischen geschieden.

An die ihm zur Last gelegten Ausraster, so der 58-Jährige, habe er so gut wie keine Erinnerung mehr. Er wisse nur, dass er zuletzt am Tag mehrere Bier und dazu gelegentlich auch Wein und Schnaps getrunken habe.

Er habe sich praktisch jeden Tag am Bahnhof rumgetrieben: „Ich wollte nicht allein zuhause sitzen, habe Gesellschaft gesucht und außerdem gab es dort billiges Bier und Essen.“

Dann fiel ihm allerdings noch ein, dass er von den Alkis beleidigt und schikaniert worden sei. Einer der Flaschensammler habe eine ihm gehörende volle Bierflasche weggenommen, deshalb sei er ausgerastet. Und seinen Nachbarn habe er in Verdacht gehabt, „dass er mich mit einem Elektroschocker und einem Messer umbringen will. Ich weiß schon, dass das Fantasie war.“

Für den Prozess sind noch zwei Verhandlungstage mit umfangreichen Zeugenvernehmungen angesetzt.


0 Kommentare