08.03.2011, 17:30 Uhr

Bavarian Bats: Auch Blinde können Baseball spielen

Blinde und Baseball? Eine Kombination, die auf den ersten Blick wohl nicht für jedermann zusammenpasst. Da taucht nicht selten die Frage auf, ob das denn überhaupt möglich sei? Kurz und knapp: Ja, ist es.

FREISING Bewiesen hat das Franz Fischer aus Freising. Er ist selbst passionierter Baseball-Fan und  Spieler. 2008 kam ihm dann die zündende Idee, diese Begeisterung auch blinden Sportlern näher zu bringen. „Ich hatte damals einen Bericht über Blinden-Fußball in Deutschland gelesen. Und was die Sportler da leisten, hat mich schwer beeindruckt“, erinnert sich Fischer. Er habe sich dann erstmals nachgeforscht, ob es denn irgendwo so etwas wie Baseball für Blinde gebe. 

Und siehe da: Fischer wurde im Internet schnell fündig. „In den USA gibt es die National Beep Baseball Association. Dort habe ich mir das Ganze mal fundiert durchgelesen“, so der 50-Jährige rückblickend. Schnell war für ihn klar, dass er etwas Ähnliches in Deutschland etablieren wolle.

Der Weg dorthin war jedoch steinig. Denn allein das nötige Equipment für das amerikanische Modell des Blinden-Baseballs verschlingt einen vierstelligen Geldbetrag. Da war guter Rat erstmal teuer und Hilfe bitter nötig. Die fand Fischer bei EON, die 2009 die Aktion „1000 Förderprojekte für integrativen Sport“ ins Leben gerufen hatten. „Ich habe dann einen Finanzplan aufgestellt und EON das Projekt Blinden-Baseball schriftlich vorgestellt“, so Fischer. Und siehe da: Der Energieversorge erklärte sich bereit, die Kosten zu übernehmen.

Ein Anfang war also gemacht. Jetzt fehlten nur noch die Spieler. Und die Suche gestaltete sich zäh. Erst über den Bayerischen Blinden- und Sehbehinderten Bund fand der 50-Jährige erste Interessenten an seinem Projekt. Die reisten dann dafür gleich aus allen Teilen des Freistaates und voller Ehrgeiz an. „Ich habe zuerst meinen Augen nicht getraut“, so Fischer gegenüber dem Wochenblatt, „als ich gesehen habe, dass die komplett allein mit dem Zug nach Freising angereist sind und sich dann auch noch leicht zurechtfanden“. 

Auch bei der ersten Trainingseinheit gingen die „Bavarian Bats“, wie sie sich selbst tauften, eifrig zu Werke. „Stunden lang hat da kein einziger einen Ball getroffen. Ich hatte dann schon fast ein schlechtes Gewissen, aber sie wollten auf gar keinen Fall aufgeben“, so Fischer. Und siehe da: Mit der Zeit klappte es besser. Trotzdem brachte das amerikanische Modell einige Probleme mit sich, weil der Ball schlichtweg zu schwer war und den „Pitchern“ bestenfalls direkt vor die Füße plumpste, nachdem sie ihn getroffen hatten.

Eine Alternative musste also her. Die fand Franz Fischer in Italien. Dort gibt es sogar eine eigene Blindenbaseball-Liga. Gespielt wird mit einem leichteren Ball mit kleinen Glöckchen drin. Und die Spieler schlagen sich den Ball selbst aus der Hand. Nach einem Treffen mit Vertretern des italienischen Blindenbaseball-Verbandes fassten die „Bavarian Bats“ den Entschluss, dieses Modell zu übernehmen.

Seither wird einmal im Monat trainiert. Doch weil die Akteure natürlich auf ihr Gehör angewiesen sind, werden die Übungseinheiten in Attaching durch den Fluglärm erschwert. „Wir müssen das Training alle paar Minuten abbrechen. Sollte da jetzt noch eine dritte Startbahn kommen, können wir das Projekt wohl komplett begraben“, ärgert sich Franz Fischer.

Schade wär’s allemal drum, denn mittlerweile hat das Blindenbaseball bundesweit für Aufsehen gesorgt. Sogar beim Bundeswettbewerb „Mission Olympic“, einer gemeinnützigen Stiftung vom Deutschen Olympischen Sportbund und Coca Cola, heimste Fischers Projekt den ersten Platz in der Kategorie „Integration durch Sport“ ein, der darüber hinaus mit 5.000 Euro prämiert wurde. 


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