13.05.2018, 08:49 Uhr

Zum Internationalen Museumstag Eine in Deutschland einzigartige Luftschutzanlage

(Foto: Kronseder/Museum F.X. Stahl)(Foto: Kronseder/Museum F.X. Stahl)

Wer kann Hinweise auf weitere Luftschutzanlagen geben?

ERDING Die Stadt Erding ist um ein „Bodendenkmal“ reicher, das heute am Internationalen Museumstag, 13. Mai, erstmals für die Öffentlichkeit zur Besichtigung freigegeben ist.

Unter dem Künstlergarten neben dem Museum Franz Xaver Stahl befindet sich tief in der Erde eine Luftschutzanlage aus dem 2. Weltkrieg. Der Garten ist Teil des Museums Franz Xaver Stahl. Damals gehörte er Ursula Stahl, Mutter des berühmten Tiermalers Franz Xaver Stahl. Sie muss die Bauherrin der bis heute unversehrten Anlage gewesen sein. Vermutlich wurde der Bau Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre in Angriff genommen.

Vom Keller des heute denkmalgeschützten Biedermeierhauses, des heutigen Museums Franz Xaver Stahl, führt ein Gang unterirdisch zu zwei in der Erde versenkten Stahlzylindern. Mit Beton ummantelt sollten die beiden genieteten Kessel als Schutzräume für Hausbewohner und Nachbarn dienen. Der heute mit einer hohen Mauer umgebene Garten war damals noch ohne Begrenzungen, sodass jeder das Grundstück betreten konnte.

Das Besondere am Luftschutzkeller ist die Unversehrtheit sowie die einzigartige Bauweise. Bei der Erforschung hat sich Museumsleiterin Dr. Heike Kronseder Hilfe von Experten geholt. „Zunächst bin ich auf den Verein „Berliner Unterwelten gestoßen, denen ich Fotos geschickt habe“, erklärt Kronseder. „Alle meine Versuche eine vergleichbare Anlage zu finden hatten kein Ergebnis gebracht“. Heike Kronseder war bald klar, dass es sich um ein Unikat handeln müsse. Laut Kronseder waren die Herren von „Berliner Unterwelten“ begeistert, denn obwohl sie alle Experten für Luftschutz und Luftschutzanlagen sind, hatten sie so etwas noch nicht gesehen.

Jürgen Wedemeyer, Vorstandsmitglied bei „Berliner Unterwelten“, kam aus Berlin nach Erding, um sich die Anlage anzusehen. Ausführung und Maße der genieteten Rundbunker ließen sofort die Vermutung zu, dass es sich um Teile des Dampfkessels einer Eisenbahn handeln könnte. Das lag deshalb nahe, weil die Familie Stahl mit einem Oberinspektor der Reichsbahn gut bekannt war, der Franz Xaver Stahl eine Wohnung und Atelier in München zur Verfügung stellte. Auch an ausrangierte Kessel einer Brauerei wurde gedacht. Die Menschen im 2. Weltkrieg waren durchaus erfinderisch beim Bau von Luftschutzanlagen. Mit der Gründung des Reichsluftschutzbundes 1933 waren Hausbesitzer aufgefordert, nach bestimmten Vorschriften für Luftschutz zu sorgen, weiß Karlheinz Kümmel vom Luftschutzarchiv Kümmel in München. „Herr Kümmel war in meiner Forschung ein weiterer Glücksfall“, so Heike Kronseder – „kennt er doch viele der süddeutschen Anlagen und besitzt einer sehr umfangreichen Sammlung an Dokumenten“. Der in Erding erhaltene Bunker ist kein vorgefertigtes Industriestück, sondern eine extra angefertigte, sehr aufwändige Anlage. Die Gastüren, teilweise noch mit den im Krieg stark rationierten Gummiabdichtungen sind noch vorhanden. Es gibt mehrere Ausgänge, sodass man bei Zerstörung noch entkommen konnte. Auch die Beleuchtungen mit Porzellanfassungen sind noch da. Präzise wurden die runden Holzbänke eingepasst, Mauernischen, Treppen, Absätze genau berechnet. „Die Berechnungen haben genau gepasst“, so Heike Kronseder, „denn man hat den ehemaligen Gewölbekeller eines im Garten bis etwa 1906 stehenden Hauses als zusätzlichen Raum miteinbezogen“. Damit war auch die sogenannte Trümmerzone bedacht, wonach der Keller mindestens eine halbe Firsthöhe vom Haus entfernt sein sollte, damit dieser bei einer Bombardierung nicht verschüttet werden konnte.

Ohne Zweifel hat es im Stadtgebiet Erding weitere Luftschutzanlagen gegeben, die von den Bürgern zum Schutz vor Luftangriffen gebaut worden sind. Historische Karten zeugen davon und einige ältere Erdinger wissen dies noch. Mittlerweile sind über siebzig Jahre vergangen und die Bautätigkeit in Erding hat viele dieser Keller verfüllt. Heike Kronseder hofft nun auf weitere Hinweise zu Luftschutzanlagen, Kellern oder Bunkern, denn diese sind in Erding bislang kaum erforscht.

Öffentliche Besichtigungen des Luftschutzkellers (Landshuter Straße 31) sind am 13. Mai und 9. September jeweils 14 bis 17 Uhr möglich sowie in kleinen Gruppen nach Anmeldung unter 08122-408 160 oder 0171 80 95 120.

Am Internationalen Museumstag, 13. Mai, ist auch das Wohn- und Atelierhaus des Tiermalers Franz Xaver Stahl in der Landshuter Straße 31 in Erding zu besichtigen sowie die Sonderausstellung „Lebe, Wesen! Martin Ritter – Ein Zeitgenosse Franz Xaver Stahls und seine Tierdarstellungen“