28.04.2017, 20:37 Uhr

Oberleutnant (28) offenbar fast ein Jahr in Erding gemeldet Terrorverdächtiger Soldat: Als Flüchtling getarnt in Erding untergekommen

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Es ist kaum zu glauben: Ein Bundeswehrsoldat gab sich als syrischer Flüchtling aus und erhielt sogenannten subsidiären Schutz als Asylbewerber. Der 28-jährige Oberleutnant kam im Zuge des regulären Verfahrens als Syrer "David Benjamin" in einer Asylbewerberunterkunft in Erding unter.

ERDING Franco A., so heißt der Mann in seinem "wirklichen" Leben, hat bereits im Herbst 2015 einen Asylantrag gestellt. Wie das Bundesinnenministerium (BMI) in einer offiziellen Stellungnahme am Freitag einräumte, wurde der vermeintliche Syrer "im Rahmen seines Asylantrages ordnungsgemäß erkennungsdienstlich behandelt und mit sicherheitsbehördlichen Datenbanken abgeglichen. Es gab keine Treffer."

Das Ministerium weiter: "Im November 2016 wurde er im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angehört. Das war nach der Phase sehr hoher Zahlen Schutzsuchender, in der von einer besonderen Belastung der beteiligten Stellen gesprochen werden konnte. Auf Basis dieser Anhörung wurde ihm subsidiärer Schutz zuerkannt. Diese Entscheidung war falsch."

Nach übereinstimmenden Medienberichten sprach der "Syrer" bei seiner Anhörung kaum oder nur gebrochen Arabisch, weshalb das Gespräch auf Französisch geführt wurde. Bereits einen Monat später habe das Amt dann positiv über den Antrag auf subsidiären Schutz entschieden. 

Zu dieser Zeit hatte der falsche Syrer unter dem Namen David Benjamin bereits für fast ein Jahr ein Zimmer in der Erdinger Unterkunft, so der "Erdinger Anzeiger". Dort fiel er nicht weiter auf, auch wenn er sich nur sporadisch dort aufhielt. Warum, ist nun klar: Er kam in dieser Zeit offenbar stets seinen Pflichten als Soldat nach. Jedenfalls schöpfte auch bei der Truppe niemand Verdacht. Sein Doppelleben war perfekt. Nach seiner Anerkennung verlor "David Benjamin" den Anspruch auf das Zimmer in Erding. 

Bezeichnenderweise jedoch fiel der Soldat erstmals vor drei Monaten auf: Nicht in Deutschland, sondern auf dem Wiener Flughafen, wo er eine Pistole vor den Sicherheitskontrollen versteckt hatte. Erst danach waren ihm deutsche Fahnder auf der Spur, deren Ermittlungen schließlich zu der Verhaftung von Franco A. am vergangenen Mittwoch führten. Ihr Verdacht: Der Soldat habe möglicherweise einen Anschlag geplant - in seiner Rolle als Syrer, aus fremdenfeindlichen Motiven. 

Ein Bundeswehrsoldat, der einen von ihm begangenen Anschlag einem fiktiven syrischen Flüchling in die Schuhe schieben will? Es klingt tatsächlich wie ein Stück aus dem Tollhaus. Das Innenministerium jedenfalls möchte Konsequenzen ziehen: "BMI und BAMF werden jetzt jeden Stein umdrehen, bis wir wissen, wie es dazu kommen konnte und wenn es Mängel gibt, diese abstellen."


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