21.04.2017, 11:39 Uhr

Brasilianischer Drogenkurier kommt mit knapp vier Jahren Haft davon Gefährlicher 'Appetit': 104 Kokain-Kapseln geschluckt

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Es war zwar nicht der Rekord, aber mit 104 Plastikkapseln, gefüllt mit Kokain vom Feinsten, die ein 29-jähriger brasilianischer Drogenkurier geschluckt hatte, stellte er einen bemerkenswerten, wenn auch lebensgefährlichen „Appetit” unter Beweis. Vor der 6. Strafkammer beim Landgericht Landshut handelte er sich jetzt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten ein.

FLUGHAFEN / LANDSHUT Der brasilianische Gelegenheitsarbeiter war am 18. Oktober letzten Jahres mit dem Flug aus Sao Paulo kommend auf dem Flughafen zwischengelandet und wollte noch am gleichen Tag nach Budapest weiterfliegen. Allerdings fiel er den Zollbeamten im Terminal 2 auf, weil er äußerst nervös wirkte. Ein Wischtest an den Händen fiel dann ebenso positiv auf Kokain aus wie eine Urinprobe.

Er wurde umgehend in das Erdinger Klinikum eingeliefert, wo ihn die Röntgenaufnahme als so genannten Bodypacker entlarvte. Und die Ärzte und Polizeibeamten staunten nicht schlecht: Der 29-Jährige schied an den folgenden zwei Tagen insgesamt 104 Bodypacks aus, gefüllt mit jeweils zehn bis 20 Gramm „Schnee” vom Feinsten, insgesamt knapp ein Kilo. Der Wirkstoffgehalt lag bei über 90 Prozent!

Bereits bei seinen ersten Vernehmungen, so ein Zollfahnder vor der 6. Strafkammer, habe sich der Gelegenheitsarbeiter äußerst kooperativ gezeigt, nicht nur Namen seiner mutmaßlichen Auftraggeber genannt, sondern auch noch zugegeben, bereits vor seiner Verhaftung quasi zwei „Testflüge” unternommen zu haben, einmal mit 20 Kapseln intus nach Portugal und einmal mit 50 Kapseln nach Lissabon. Für diese Drogentransporte, die übrigens nicht Gegenstand der Anklage waren, habe er nach eigenen Angaben jeweils einen Kurierlohn von rund 1.500 Euro erhalten.

Finanzielle Probleme nannte der 29-Jährige als Motiv für seine Kuriertätigkeit. Den Kurierlohn habe er gebraucht, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Vor der 6. Strafkammer berichtete er, dass er die Hintermänner in einem Lokal kennen gelernt und einem von ihnen erzählt habe, dass er arbeitslos sei. Der habe ihm dann „Arbeit” angeboten – den Drogentransport nach Europa. Die ersten beiden Flüge seien dann auch problemlos verlaufen. „Ich hätte damals schon mehr schlucken sollen, habe es aber nicht geschafft.”

Für den dritten Flug habe man ihm dann kleinere Kapseln übergeben und da habe er die 104 Stück in etwa fünf Stunden „geschafft”, wobei er zum „Verdauen” immer wieder lauwarmes Wasser mit Salz bekommen habe. Er habe zwar Schwindel und Übelkeit verspürt, aber auch ein Mittel gegen Brechreiz bekommen. Am Tag vor dem Flug habe er dann auch das Ticket und ein Taschengeld in Höhe von 500 US-Dollar bekommen, außerdem die Adresse eines Hotels in Budapest, wo er die Abnehmer treffen sollte. Als Kurierlohn seien diesmal umgerechnet rund 5.000 Euro vereinbart gewesen.

Der Sachbearbeiter der Zollfahndung bestätigte, dass man inzwischen zwar die von dem 29-Jährigen genannte Lokalität ausgemacht habe, was die Hinterleute betreffe, habe man von den brasilianischen Kollegen allerdings noch keinerlei Rückmeldung. Trotzdem seien die Angaben des Gelegenheitsarbeiters glaubwürdig. Im übrigen sei er keinesfalls Rekordhalter: „Wir hatten schon einen Kurier mit über 130 Kapseln intus.”

Während Staatsanwältin Maria Offenbeck für die unerlaubte Drogeneinfuhr in nicht geringer Menge und die Beihilfe zum illegalen Handeltreiben mit Betäubungsmittel eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und vier Monaten beantragte, hielt Verteidiger Thomas Fauth drei Jahre und sieben Monate für ausreichend. Sein Mandant sei wie jeder Kurier das „letzte Glied in der Kette”, er habe nicht nur strafrechtliches, sondern auch enormes gesundheitliches, lebensgefährliches Risiko auf sich genommen.

Die Kammer blieb beim Strafmaß knapp über dem Antrag des Verteidigers. Strafmildernd hätten sich das überschießende Geständnis des 29-Jährigen und das Bemühen um Aufklärungshilfe ausgewirkt, straferschwerend dagegen die erhebliche Menge, die – aufgestreckt auf zwei bis drei Kilogramm – im Straßenverkauf einen ansehnlichen sechsstelligen Betrag gebracht hätte.


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