05.06.2019, 11:26 Uhr

Nach Großband am Montagabend Schwarze Schwaden über Wörth – Landrat legt Recycling-Betrieb still


Pechschwarze Rauchschwaden über Wörth und Teilen des Landkreises Dingolfing-Landau – von Montag auf Dienstag hat der Brand in einem Recyclingbetrieb für einen Großeinsatz der Rettungskräfte gesorgt. Es rumort in der Bevölkerung und die Behörden reagieren.

WÖRTH AN DER ISAR Als der Wind am Montagabend plötzlich drehte, da wurde selbst gestandenen Feuerwehrleuten mulmig. Plötzlich kam die dicke schwarze Rauchwolke auf sie zu, hüllte sie ein, zwang sie zur Flucht über ein Feld. Dichter Qualm breitete sich kurz darauf in Wörth an der Isar aus, zog in Richtung Landkreis Dingolfing-Landau. Über WarnApps und Pressemeldungen forderte die Polizei die Bevölkerung auf, Fenster und Türen fest verschlossen zu halten, mahnte wegen Sichtbehinderungen zur Vorsicht auf der nahen A92 und vor Aufenthalten im Freien. Wörths Bürgermeister Stefan Scheibenzuber sprach von einem „schwarzen Vorhang“, der sich über seine Gemeinde gelegt hat. Nach dem verheerenden Brand, der an diesem Tag gegen 20 Uhr in einer Recyclingfirma ausgebrochen war, zog Landshuts Landrat Peter Dreier am Dienstag die Konsequenzen: „Ich habe den Betrieb einstweilen stillgelegt“, erklärte er auf einer Pressekonferenz im Landratsamt. Seit Februar hatte es zum dritten Mal in dem Betrieb gebrannt.

Dass Feuerwehren zu Einsätzen in den Recyclingbetrieb in Wörth an der Isar ausrücken müssen, das kennen die Anwohner seit Jahren. Doch so schlimm wie an diesem Montag war es noch nie. Feuerwehrler aus der Stadt Landshut und den Landkreisen Landshut und Dingolfing-Landau waren im Einsatz, dazu vier Betriebsfeuerwehren, das THW, ein Polizeihubschrauber und sogar die Berufsfeuerwehr München hatte Verstärkung geschickt. „63 Fahrzeuge waren vor Ort.“ Insgesamt hätten 300 Feuerwehrleute gegen die Flammen gekämpft, so Kreisbrandinspektor Karl Hahn, der den Einsatz leitete. Dazu kamen eine große Anzahl an Polizisten und Sanitäter. Besondere Probleme bereitete den Einsatzkräften bei den Löscharbeiten die permanent drehenden Winde. Fünfmal, so Kreisbrandrat Thomas Loibl, habe das Fahrzeug der Einsatzleitung verlegt werden müssen, weil es plötzlich im Rauch stand. Erst in den frühen Morgenstunden, gegen 4 Uhr, waren die Flammen unter Kontrolle, noch am Dienstagmorgen wurde gelöscht. Drei Millionen Liter Löschwasser waren da bereits auf den Brandherd, einen zehn Meter hohen Schrotthaufen, gepumpt worden. Warum der sich entzündet hatte, das konnte bislang noch nicht geklärt werden. Laut Kriminaldirektor Werner Mendler von der Landshuter Kripo laufen derzeit die Untersuchungen, die von Spezialisten des LKA unterstützt werden.

„Wir sind knapp an einer Katastrophe vorbei“, sagten Dreier und Wörths Bürgermeister Stefan Scheibenzuber auf der Pressekonferenz angesichts der Tatsache, dass niemand verletzt worden ist. Zu verdanken sei das den Rettungskräften, aber auch der Umsicht der Bürger in Wörth. Die wären durch die Brände in der Recyclinganlage in der Vergangenheit bereits sensibilisiert gewesen, hätten deshalb schnell und richtig reagiert, in dem sie sich in ihre Wohnungen zurückgezogen, Fenster und Türen geschlossen haben.

Ob es auch zur Kontamination des Bodens durch den Brand in Wörth gekommen ist, war Dienstagmittag noch unklar. Mit Ergebnissen rechne man in Kürze, so Scheibenzuber. Aus Sicherheitsgrünen durften am Dienstag die Kinder der Schulen und Tagesstätten nicht draußen spielen. Die Gemeinde veranstaltet zudem am Mittwoch, um 18 Uhr, in der Wörther Isarhalle, eine Bürgerinfo zu dem Brandfall. „Verstehe nicht, warum es dort nicht stärkere Auflagen gibt. Da brennt es doch ständig!“ „So oft wie’s bei dem brennt, braucht der a Werksfeuerwehr!“ „Wie oft brennt das Ding noch? Die sollten mal die Erlaubnis entziehen.“ So kommentierten Anwohner die Berichte über den Brand in den Sozialen Medien. Die Wut ist groß in Wörth und es herrscht Unverständnis darüber, warum die Behörden scheinbar nichts gegen die Firma unternehmen. Doch laut Dreier sei der Betrieb bereits seit einiger Zeit im Fokus. Im Februar habe es nach einem Großbrand im März 2018 eine Betriebsbegehung mit mehreren Behörden und Vertretern der Regierung gegeben. Seit dieser Begehung, so der Landrat, habe es mit dem Vorfall am Montag allerdings drei weitere Male gebrannt. Tatsächlich kommt es dort seit Jahren immer wieder zu Einsätzen. 2010 war eine Halle abgebrannt, 2005 gab es eine regelrechte Brandserie. Bei dem Vorfall im letzten Jahr hatten vermutlich Lithium-Ionen-Akkus in Elektrogeräten das Feuer verursacht, so Scheibenzuber. Nach der Stilllegung des Betriebes kommt jetzt die gesamte Anlage auf den Prüfstand. Alle Genehmigungen, die laut Dreier zum Teil bereits seit den 90-er Jahren bestehen würden, kämen auf den Prüfstand.

Vor allem will er ganz genau wissen, was in dem Betrieb alles wie gelagert wird. Bis diese Fragen geklärt sind, wird die Anlage stillgelegt, nur noch der vorhandene Abfall darf sortiert bzw. abgearbeitet werden. Eines wurde auf der Pressekonferenz deutlich: Die Behörden wollen der Brandserie ein Ende setzen. Dreier: „Die Sicherheit der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität.“


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