08.05.2019, 11:09 Uhr

Neues Gewerbegebiet erhitzt Gemüter Nicht mit uns! Wallersdorfer wehren sich gegen Supermarkt-Bau


Konkret entschieden ist noch nichts: Doch schon jetzt erhitzt der geplante Neubau zweier Supermärkte die Gemüter einiger Wallersdorfer. Anwohner protestieren in einer eigenen Facebook-Gruppe „Zukunft Gemeinde Wallersdorf“ gegen das Bauvorhaben am westlichen Ortseingang.

WALLERSDORF Elf Jahre ist Ottmar Hirschbichler mittlerweile Chef im Wallersdorfer Rathaus. Doch so eine übervolle Marktgemeinderatssitzung wie am vergangenen Montagabend hat der Bürgermeister wohl selbst noch nicht erlebt. Der Grund für den regen Zuspruch: ein geplantes neues Gewerbegebiet am westlichen Ortsrand des Marktes, gegen das sich schon jetzt noch vor einem endgültigen Baubeschluss heftiger Widerstand regt.

Anwohner und Gegner des Bauvorhabens, bei dem gegenüber der Baumschule Wenninger auf 22.000 Quadratmetern eine neue Gewerbefläche für Edeka und Netto entstehen soll, haben sich in den vergangenen Wochen zur Gruppe „Zukunft Gemeinde Wallersdorf“ zusammengeschlossen und unter dem gleichen Namen eine facebook-Seite errichtet, auf der sie ihrem Ärger kundtun. Denn so einfach wollen sie sich dem erneuten „Flächenfraß“ ihrer Marktgemeinde nicht ergeben.

„Wallersdorf ist rund 71 Quadratkilometer groß. Allein durch das riesige BMW-Logistikzentrum mit seinen bislang schon verbauten 650.000 Quadratmetern sind so in den letzten Jahren knapp zehn Prozent der gesamten Gemeindefläche dem Flächenverbrauch zum Opfer gefallen. Und jetzt sollen nochmal 22.000 Quadratmeter für zwei neue Supermärkte versiegelt werden? Es kann doch nicht sein, dass die Bauern auf der einen Seite die Forderungen des Volksbegehrens,Rettet die Bienen‘ umsetzen sollen, aber auf der anderen Seite die Gemeinde die Äcker zubetoniert und wir so auf diese Art und Weise unsere Zukunft verbauen“, echauffiert sich Max Steinkirchner, Mitinitiator von „Zukunft Gemeinde Wallersdorf“.

Mit dieser Meinung steht er längst nicht alleine da. Knapp 100 Mitstreiter haben sich der Gruppe mittlerweile angeschlossen. Und es werden täglich mehr.

„Am Anfang war es nur ein Gerücht, doch nachdem inzwischen Stromleitungen und Kanalverlauf angezeichnet sind und auch Bohrungen auf dem Acker stattgefunden haben, wird es wohl Realität.“ Was den Gegnern vor allem sauer aufstößt: Die angrenzenden Bewohner des künftigen Gewerbegebietes bekommen laut Planungen angeblich nicht nur eine sechs Meter hohe Außenmauer des Edeka-Marktes vor ihre Nasen gesetzt, sie rechnen außerdem mit einer dauerhaften Lärmbelästigung – angefangen von der Warenanlieferung in den frühen Morgenstunden über einen Dauerton einer unumgänglichen Kühlungs-Klimaanlage bis hin zum Kundenverkehr. Auch mehr nächtliche Kriminalität durch einen geschützten, nicht einsehbaren Parkplatz in Autobahnnähe führen sie ins Feld. „Darüber hinaus verschandelt dieses Bauvorhaben natürlich einmal mehr auch das Ortsbild. Vor allem die Wahrzeichen der Gemeinde, das Sebastiani-Kirchlein und die Gedenkstätte der Toten des KZ-Außenlagers Ganacker, sollen offenbar systematisch für die Zukunft einbetoniert werden“, formuliert es Steinkirchner überspitzt.

Die Frage, die sich grundsätzlich stellt: Braucht Wallersdorf wirklich zwei neue Supermärkte – zumal Edeka und Netto ja bereits in der Marktgemeinde Läden betreiben? Ja, meint offenbar Bürgermeister Ottmar Hirschbichler, als ihn Anwohner auf genau diese Sache angesprochen haben. „Es wurde angeführt, dass die derzeitigen Flächen der Supermärkte zu klein seien und die Unternehmen und Investoren abwandern würden, wenn diese beiden neuen Supermärkte nicht entstehen. Außerdem würde so die Kaufkraft am Ort gesteigert werden. Aber das ist in unseren Augen alles überhaupt nicht nachvollziehbar. Außerdem befürchten wir, dass dann die alten Märkte, wie so viele andere Geschäfte auch, leer stehen. Das kann es doch nicht sein“, so der Mitinitiator von „Zukunft Gemeinde Wallersdorf“.

Dass ein Neubau auch ohne die Versiegelung neuer Flächen funktioniere, das sehe man beispielsweise in Landau und in Plattling. Dort hätte Lidl auch ganz neu bauen wollen, was aber durch die jeweiligen Bürgermeister und deren Stadträte nicht genehmigt wurde. Stattdessen werden die alten Märkte an ihren bisherigen Standorten neu gebaut.

All diese Argumente haben die Mitglieder der Gruppe „Zukunft Gemeinde Wallersdorf“ auch am Montagabend bei der Marktgemeinderatssitzung vorgetragen und so nochmal „an das Gewissen der Gemeinderäte“ appelliert. Ob es was gebracht haben wird, wird sich wohl bei der nächsten Sitzung zeigen, wenn über das Bauleitplanverfahren für das besagte Grundstück abgestimmt werden soll. Bis dahin werden Anwohner und Gegner des Bauvorhabens auf jeden Fall weiter für ihre Sache kämpfen. Schließlich möchten sie erreichen, dass Wallersdorf zukünftig nicht noch mehr nur mit „Flächenfraß“ für Schlagzeilen sorgt.

Bürgermeister Ottmar Hirschbichler: „Noch ist nichts entschieden!“

Als ein „sehr emotionales Thema“, bei dem man es wohl kaum allen Recht machen kann, beschreibt Bürgermeister Ottmar Hirschbichler auf Wochenblatt-Nachfrage die aktuelle Diskussion um den möglichen Bau zweier neuer Supermärkte in seiner Marktgemeinde und stellt gleich einmal klar: „Die Bagger rollen noch längst nicht an. Der Investor hat sich bislang nur das Grundstück gesichert, aber noch keinen Plan eingereicht. Deshalb verwundert es auch, woher die Anwohner Flächengrößen oder die Höhe einer Mauer wissen wollen.“

Allerdings gibt er zu, dass das sogenannte Bauplanleitverfahren demnächst eingeleitet werde. Doch auch dann käme es erst einmal zu einer Abstimmung im Marktgemeinderat. Falls die Gemeinderäte das Bauvorhaben abschmettern würden, wäre die Aufregung sowieso hinfällig. „Falls sie zustimmen, dann werden die Träger öffentlicher Belange gehört und dann können auch die Anwohner ihr Veto einlegen. Sollte es so kommen, dann werden wir zusammen mit dem Investor auf die Nachbarn zugehen, miteinander reden und versuchen, die Bedenken aus der Welt zu räumen. Und dann wird im Marktgemeinderat ja erneut abgestimmt.“

Hirschbichler macht allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er für das Bauvorhaben ist. „Wie in vielen anderen Kommunen auch, möchten die Verbrauchermärkte einfach größer und moderner werden. Und dafür kommen eben nur bestimmte Standorte an bestimmten Achsen in Frage. Jeder will möglichst nah einkaufen, aber vor der Türe möchte den Supermarkt niemand haben.“ Er könne zwar nachvollziehen, dass sich jetzt einige der direkt betroffenen Nachbarn aufregen, doch er möchte nicht unerwähnt lassen, dass es auch einige Wallersdorfer gebe, die den Bau durchaus positiv sehen würden.

Die Argumente der Gegner beispielsweise bezüglich „Ortsverschandelung“ will er ebenfalls nicht stehen lassen: „Die Gedenkstätte und das Sebastiani-Kirchlein sind ja doch einiges entfernt.“ Das werde man erst recht sehen, wenn einmal der konkrete Bauplan vorliege.


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