19.03.2020, 14:28 Uhr

München (AFP) Eindringliche Appelle an die Bevölkerung im Kampf gegen das Coronavirus

Bayerns Ministerpräsident Söder droht mit Ausgangssperre

Nach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben weitere führende Politiker in Bund und Ländern eindringlich an die Bürger appelliert, zur Eindämmung des Coronavirus das öffentliche Leben so weit wie möglich einzuschränken. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) drohte am Donnerstag mit einer Ausgangssperre, falls sich die Menschen nicht an die geltenden Auflagen halten. Auf Unverständnis stießen vor allem sogenannte Coronapartys.

Wenn sich die Menschen nicht freiwillig beschränkten, "bleibt nur eine bayernweite Ausgangssperre", sagte Söder in einer Regierungserklärung im Landtag. "Wir können nicht endlos zuschauen." Söder appellierte an alle Bürger: "Seien Sie vernünftig und konsequent." Es liege jetzt an jedem Einzelnen, seinen Beitrag zu leisten.

In Deutschland gelten seit dieser Woche massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Schulen und Kitas sowie auch zahlreiche Geschäfte und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen. Die Bürger sind aufgerufen, möglichst zu Hause zu bleiben und soziale Kontakte zu vermeiden. Allerdings bilden sich nach wie vor Menschenmengen in den Städten oder auch in Parks, zum Teil werden sogar sogenannte Coronapartys gefeiert. Ausgangssperren wie in anderen europäischen Ländern sollen aber möglichst vermieden werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte angesichts flanierender Gruppen vor allem junger Menschen in den Parks, es gehe nicht darum, das Haus gar nicht mehr zu verlassen. Allerdings sollte darauf verzichtet werden, sich "in Gruppen trinkend in den Park zu setzen und zu feiern".

Auch Verteidigungsministerin und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mahnte eindringlich, sich an die Vorgaben zu halten. "Wer keine Ausgangssperre will mit all ihren Belastungen, der muss jetzt höchste Disziplin wahren", sagte sie.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schloss ebenfalls schärfere Maßnahmen nicht aus. "Wenn nicht alle ihr Verhalten grundlegend umstellen, dann kommen wir um härtere Maßnahmen und Sanktionen nicht herum", warnte er in einer Sondersitzung des Stuttgarter Landtags.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mahnte mit Blick auf die Debatte um Ausgangssperren, wenn jeder sich an die Vorgaben halte, "dann haben wir die Chance, das zu vermeiden". Er erinnerte zugleich daran, dass es 14 Tage daure, bis die nun beschlossenen Maßnahmen zum Verlangsamen der Infektionsausbreitung Wirkung entfalten könnten. "Wenn man eine Maßnahme angepackt hat, muss man sie dann auch mal wirken lassen", sagte der Düsseldorfer Regierungschef.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) forderte eine "schnelle und harte Ausgangssperre", sollten Bürger Auflagen wegen der Coronakrise weiter nicht befolgen. "Die Lage ist ernst - jeder muss sein Leben einschränken", sagte Hans den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

In einzelnen Landkreisen in Bayern gelten bereits erste Ausgangssperren. Im Kreis Wunsiedel wurde diese in zwei Kommunen verhängt, betroffen sind Teile der Orte Hohenberg an der Eger und Schirnding. Der bayerische Landkreis Tirschenreuth hatte bereits am Mittwoch für das Stadtgebiet Mitterteich in der Oberpfalz eine erste Ausgangssperre verhängt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch in einer Fernsehansprache an die Bürger appelliert, sich an die Auflagen zur Bekämpfung des neuartigen Coronavirus zu halten. Es sei "existentiell", das öffentliche Leben so weit wie möglich herunterzufahren.


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