30.12.2020, 05:54 Uhr

Hongkong (AFP) Zehn Hongkonger Aktivisten wegen Fluchtversuchs zu Haftstrafen verurteilt

Vor dem Gericht in Shenzhen.
Quelle: AFP/Noel Celis (Foto: AFP/Noel Celis)Vor dem Gericht in Shenzhen. Quelle: AFP/Noel Celis (Foto: AFP/Noel Celis)

Gruppe wollte mit Schnellboot nach Taiwan entkommen

Ein chinesisches Gericht hat zehn Demokratie-Aktivisten aus Hongkong wegen einer versuchten Flucht nach Taiwan zu Haftstrafen verurteilt. Die am Mittwoch von dem Gericht im südchinesischen Shenzhen verhängten Gefängnisstrafen belaufen sich auf sieben Monate bis drei Jahre. Zwei der Aktivisten wurden für die Organisation des Fluchtversuchs verantwortlich gemacht. Ihre Haftstrafen fielen mit drei beziehungsweise zwei Jahren deutlich höher aus als die für ihre Gefährten.

Gegen alle zehn Verurteilten wurden zudem Geldstrafen in Höhe von bis zu umgerechnet jeweils etwa 2900 Euro verhängt. Zwei andere Mitglieder der Gruppe, die noch nicht volljährig sind, wurden an die Polizei der Sonderverwaltungszone Hongkong übergeben. Das Gericht in Shenzhen hatte zuvor erklärt, es wolle die beiden Teenager nicht belangen.

Die als die "Zwölf aus Hongkong" bezeichnete Gruppe war am 23. August festgenommen worden, als ihr Schnellboot auf dem Weg nach Taiwan von der chinesischen Küstenwache abgefangen worden war.

In Hongkong selber war am Dienstag ein junger Mann wegen Entwürdigung der chinesischen Flagge und Verletzung des Versammlungsverbots zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der 19-jährige Tony Chung war der erste Vertreter der Demokratie-Bewegung, der aufgrund des neuen sogenannten Sicherheitsgesetzes verurteilt wurde. Peking hatte das Gesetz Ende Juni verhängt. Chung muss damit rechnen, dass er in einem späteren Verfahren wegen "Sezession" zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wird.

Die Behörden der Volksrepublik sowie der Sonderverwaltungszone Hongkong haben in den vergangenen Monaten ihr Vorgehen gegen die Demokratiebewegung massiv verschärft. Das sogenannte Sicherheitsgesetz erlaubt den Behörden ein rigoroses Vorgehen gegen alle Aktivitäten, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit bedrohen, und greift massiv in die Autonomierechte Hongkongs ein.

Der früheren britischen Kronkolonie waren bei ihrer Übergabe an China 1997 für 50 Jahre Sonderrechte gewährt worden, darunter Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Westliche Staaten sehen in dem sogenannten Sicherheitsgesetz einen eklatanten Verstoß gegen die damaligen Vereinbarungen nach dem Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme".


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