27.12.2020, 13:23 Uhr

Paris (AFP) Corona-Impfkampagne zeitgleich in allen EU-Staaten gestartet

Araceli Hidalgo erhielt den Impfstoff als erste Spanierin.
Quelle: POOL/AFP/Pepe Zamora (Foto: POOL/AFP/Pepe Zamora)Araceli Hidalgo erhielt den Impfstoff als erste Spanierin. Quelle: POOL/AFP/Pepe Zamora (Foto: POOL/AFP/Pepe Zamora)

Von der Leyen spricht von "berührendem Moment der Einigkeit"

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen anderen EU-Staaten hat am Sonntag die offizielle Impfkampagne mit dem Corona-Vakzin von Biontech und Pfizer begonnen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete den gemeinsamen Impfbeginn als "berührenden Moment der Einigkeit" und als europäische "Erfolgsgeschichte"; Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "neuen Waffe im Kampf gegen das Virus".

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sprach von einem "emotionsgeladenen Tag für uns alle". Sechs Monate nach der Präsentation der Corona-Impfstrategie habe die EU ihr Versprechen eingelöst, "Impfstoffe für alle Mitgliedstaaten zur selben Zeit" bereitzustellen. Angesichts der Impfungen könne Europa "mit Optimismus" in das neue Jahr starten.

Für die gesamte EU waren am Samstag die ersten Impfstoffdosen aus der Pfizer-Fabrik im belgischen Puurs ausgeliefert worden. Vereinzelt wurden erste Impfungen noch am Samstag verabreicht. Neben einer 101-jährigen Pflegeheimbewohnerin in Sachsen-Anhalt erhielten auch Menschen in Ungarn und der Slowakei einen Tag vor dem offiziellen Impfstart in der EU das Vakzin.

Die 29-jährige Krankenschwester Claudia Alivernini, die am Sonntag als erste Italienerin mit dem Vakzin geimpft wurde, sagte, sie empfinde "großen Stolz" und Verantwortung angesichts dieses Privilegs. Während in Italien in der ersten Phase bevorzugt Mitarbeiter im Gesundheitswesen geimpft werden, waren unter anderem in Spanien und Frankreich die Bewohner von Pflegeheimen die ersten Impfstoff-Empfänger.

Die 96-jährige Pflegeheimbewohnerin Araceli Hosario Hidalgo Sánchez, die als erster Mensch Spaniens das Biontech-Vakzin erhielt, sagte im nationalen Fernsehen mit einem Lächeln im Gesicht, sie habe bei der Injektion "nichts" gespürt.

Im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis applaudierten die Mitarbeiter eines Krankenhauses einer 78-Jährigen, die sich als erste die Spritze geben ließ. "Ich bin bewegt", sagte die pensionierte Haushälterin. Im von sozialen Problemen geprägten Seine-Saint-Denis liegen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus besonders hoch.

In Tschechien ließ sich zuerst öffentlichkeitswirksam der populistische Ministerpräsident Andrej Babis impfen. Zur Begründung erklärte er, er habe im Fernsehen eine Frau gesehen, die gesagt habe, sie wolle mit der Impfung "auf Babis warten".

Die EU hatte den Impfstoff von Biontech und Pfizer vor knapp einer Woche zugelassen. Der EU-weite Impfbeginn am Sonntag erfolgte später als in vielen anderen Weltregionen, darunter Russland, Kanada, China, die USA, die Schweiz und Saudi-Arabien.

Als erstes westeuropäisches Land hatte am 8. Dezember Großbritannien mit seiner Impfkampagne mit dem Biontech-Pfizer-Präparat begonnen. In den kommenden Tagen wird zudem die Entscheidung der britischen Behörden über die Zulassung des Impfstoffs des britischen Herstellers AstraZeneca erwartet. Unternehmenschef Pascal Soriot sagte der "Sunday Times", das gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelte Vazin könne einen "hundertprozentigen Schutz" gegen schwere Verlaufsformen von Covid-19 bieten.

Politiker und Gesundheitsexperten erhoffen sich vom Start der Impfkampagne eine Trendwende in der Corona-Pandemie. Doch die Impfbereitschaft fällt vielerorts noch verhalten aus. Eine im "Journal du Dimanche" veröffentlichte Umfrage ergab, dass 56 Prozent der Franzosen sich nicht impfen lassen wollten. In Spanien beobachteten Demoskopen derweil einen Anstieg bei der Impfbereitschaft: Dort gaben in einer diese Woche veröffentlichten Umfrage nur noch 28 Prozent der Befragten an, sich nicht impfen lassen zu wollen. Im November hatte dieser Wert noch bei 47 Prozent gelegen.

Europaweit steigen die Infektionszahlen derzeit wieder stark an. Mit 25 Millionen nachgewiesenen Infektionen bleibt der Kontinent die am schwersten von der Pandemie betroffene Region der Welt, wie eine Bilanz der Nachrichtenagentur AFP vom Sonntag auf der Grundlage von Behördenangaben ergab. Weltweit stieg die Zahl der registrierten Ansteckungen laut der Zählung auf mehr als 80 Millionen, in 1,7 Millionen Fällen verliefen die Infektionen tödlich.

Wegen der weiterhin starken Ausbreitung des Coronavirus traten vielerorts in Europa neue Beschränkungen in Kraft. In Österreich gelten seit Samstag wieder ganztägige Ausgangsbeschränkungen. Polen kehrt am Montag in den Lockdown zurück, und die Iren erwarten zu Wochenbeginn neue Restriktionen.


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