21.12.2020, 03:00 Uhr

Berlin (AFP) Staaten kappen wegen Coronavirus-Mutation Verkehrsverbindungen zu Großbritannien

Deutschland stoppt Flugverkehr - Neue Virus-Form auch in Italien aufgetaucht

Nach dem Auftreten einer neuen und offenbar ansteckenderen Variante des Coronavirus haben zahlreiche Staaten in Europa und anderen Kontinenten Verkehrsverbindungen zu Großbritannien gekappt. In Deutschland ist seit Montag der Flugverkehr aus dem Vereinigten Königreich eingestellt. Frankreich stoppte für 48 Stunden den gesamten Personenverkehr aus dem Land. Die besonders in Südengland verbreitete Virus-Mutation wurde unterdessen erstmals auch bei einem Patienten in Italien festgestellt.

Die neue Virus-Form wurde bei einem Patienten im Celio-Militärkrankenhaus in Rom nachgewiesen, wie das italienische Gesundheitsministerium mitteilte. Der Patient war demnach kürzlich aus Großbritannien zurückgekehrt und mit seiner Familie in Quarantäne. Außerhalb Großbritanniens waren zuvor elf Fälle der Virus-Mutation gemeldet worden - neun in Dänemark und je einer in den Niederlanden und Australien. In Deutschland wurde die Mutation laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch nicht nachgewiesen.

Nach Angaben aus Regierungskreisen in Berlin wird der Flugverkehr mit Großbritannien vorerst bis zum 31. Dezember ausgesetzt. An weiteren Regelungen werde noch gearbeitet. Für den See- und Straßenverkehr arbeitet die EU demnach an einer gemeinsamen Entscheidung zu Einschränkungen. Auch Einreisen aus Südafrika nach Deutschland wurden eingeschränkt, wie Spahn in der ARD sagte. Auch dort zirkuliert eine mutierte Variante, die ansteckender sein soll.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel über die Corona-Lage beraten. Am Montag kommen die EU-Botschafter der 27 Mitgliedstaaten in Brüssel zu einem Krisentreffen zusammen. Nach Angaben eines EU-Vertreters wollen sie unter anderem über Flugverbote und eine Testpflicht für Reisende aus Großbritannien beraten.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor einer "Katastrophe", sollte die neue Coronavirus-Mutation rasch auch Deutschland erreichen. Angesichts der ohnehin schon hohen Infektionszahlen hierzulande wäre dies "so ähnlich, als wenn ich ein Feuer habe und gieße noch einmal Benzin nach", sagte Lauterbach im Internetprogramm der "Bild"-Zeitung.

Neben Deutschland und Frankreich kappten auch andere EU-Staaten - darunter Belgien, Irland, Italien, die Niederlande und Österreich - Flug- und teilweise auch Zugverbindungen nach Großbritannien. Der Hafen im südenglischen Dover wurde für ausreisende Passagiere geschlossen. Zur Begründung verwies die Hafenverwaltung auf die Einreisebeschränkungen in Frankreich.

Auch zahlreiche außereuropäische Staaten stellten die Flugverbindungen mit Großbritannien ein, darunter Saudi-Arabien, der Iran, Kanada, Argentinien und Chile. In den USA wurden hingegen zunächst keine Maßnahmen im Reiseverkehr mit Großbritannien verkündet. Admiral Brett Giroir, der für das Corona-Testprogramm der Regierung verantwortlich ist, sagte im TV-Sender ABC, er halte die Einstellung des Flugverkehrs mit Großbritannien derzeit nicht für notwendig.

Die neue Virus-Mutation wird für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht. Die britische Regierung warnte, die mutmaßlich ansteckendere Virus-Mutation in England sei "außer Kontrolle".

Premierminister Boris Johnson sagte, ersten Erkenntnissen zufolge sei die Mutation "bis zu 70 Prozent ansteckender" als die bisher verbreitete Form des Coronavirus. Sie führe aber wohl nicht zu schweren Krankheitsverläufen und einer höheren Sterblichkeit. Es gebe auch keine Hinweise, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen durch den neuen Virus-Stamm beeinträchtigt werde, versicherte Johnson.

In London und Südostengland trat wegen der neuen Virus-Variante am Sonntag ein strenger Lockdown mit weitgehenden Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Die britische Regierung will am Montag wegen der Corona-Lage zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Dabei solle vor allem über den "stetigen Güterfluss" in und aus dem Vereinigten Königreich beraten werden, teilte ein Regierungssprecher mit.


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