18.12.2020, 15:20 Uhr

Washington (AFP) US-Vizepräsident Pence vor laufenden Kameras gegen Corona geimpft

Notfallzulassung für Impfstoff von Moderna erwartet

Im Werben um Vertrauen in die neuen Corona-Impfstoffe hat sich US-Vizepräsident Mike Pence vor laufenden Kameras impfen lassen. Der Stellvertreter des scheidenden Präsidenten Donald Trump und seine Ehefrau Karen ließen sich am Freitag im Eisenhower-Regierungsgebäude neben dem Weißen Haus den Biontech-Pfizer-Impfstoff spritzen. Derweil wurde eine Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff des US-Pharmaunternehmens Moderna erwartet. Es wäre die erste Zulassung für den Moderna-Wirkstoff weltweit.

Pence sagte bei der Impfung, es gehe darum, "Vertrauen in den Impfstoff aufzubauen". Das Biontech-Pfizer-Vakzin sei "sicher und wirksam". Über die ihm verabreichte Spritze sagte der 61-Jährige: "Ich habe nichts gespürt. Gut gemacht."

Geimpft wurde bei der Zeremonie auch der Leiter der US-Gesundheitsbehörde, Jerome Adams, der Gesundheitsempfehlungen für die Öffentlichkeit abgibt. Adams warnte davor, sich von irreführenden Informationen von einer Impfung abhalten zu lassen: "Lassen Sie sich nicht durch Falschinformationen und Misstrauen zu einer Entscheidung verleiten, die schlecht für Ihre Gesundheit ist."

In den USA - dem Land mit der höchsten Zahl von bestätigten Infektionen und Todesfällen weltweit - hatte am Montag eine Impfkampagne mit dem Wirkstoff des Mainzer Biotechnologie-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer begonnen. Experten befürchten aber, dass viele Menschen sich aus Skepsis über die in Rekordzeit entwickelten Impfstoffe nicht impfen lassen wollen. Auch der gewählte US-Präsident Joe Biden will sich deswegen bald öffentlich impfen lassen.

Trump selbst ist zwar nach Angaben seiner Sprecherin auch bereit, sich impfen zu lassen. Der abgewählte Präsident hat aber deutlich gemacht, dass dies nicht unmittelbar bevorsteht. Der 74-Jährige hat wiederholt erklärt, dass er sich nach seiner Corona-Infektion im Oktober für "immun" halte. Obwohl Trump die schnelle Entwicklung von Corona-Impfstoffen regelmäßig als Erfolg seiner Politik darstellt, blieb er der öffentlichen Impfung seines Stellvertreters Pence am Freitag fern.

Zugleich sorgte der Präsident am Morgen mit der Ankündigung für Verwirrung, der Moderna-Impfstoff sei zugelassen worden. Die Verteilung werde "sofort" beginnen, schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Allerdings lag eine Notfallzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA für den Moderna-Impfstoff zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vor. Eine unabhängige Impfkommission hatte die Zulassung zwar am Donnerstag empfohlen, das grüne Licht der FDA stand aber noch aus. Pence sagte bei der Impf-Zeremonie, der Moderna-Impfstoff dürfte "binnen Stunden" eine Notfallzulassung erhalten.

In den USA sind bereits mehr als 17,2 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 310.000 Todesfälle bestätigt worden - die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit. Derzeit werden täglich mehr als 200.000 neue Ansteckungen und teilweise mehr als 3000 Tote verzeichnet.

Positiv auf das Coronavirus getestet wurde zuletzt auch ein wichtiger Berater des gewählten Präsidenten Biden, Cedric Richmond. Der afroamerikanische Abgeordnete zeigte am Mittwoch Symptome einer Covid-19-Erkrankung und begab sich daraufhin in eine 14-tägige Quarantäne, wie Bidens Übergangsteam am Donnerstag mitteilte.

Richmond und Biden befanden sich demnach zuletzt nicht gemäß der Definition der US-Gesundheitsbehörde CDC in engem Kontakt. Biden wurde am Donnerstag negativ auf das Coronavirus getestet.


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