15.12.2020, 18:17 Uhr

Kano (AFP) Boko Haram bekennt sich zu Entführung von hunderten Schülern in Nigeria

Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in einem Video 2018.
Quelle: BOKO HARAM/AFP/Archiv/Handout (Foto: BOKO HARAM/AFP/Archiv/Handout)Boko-Haram-Anführer Abubakar Shekau in einem Video 2018. Quelle: BOKO HARAM/AFP/Archiv/Handout (Foto: BOKO HARAM/AFP/Archiv/Handout)

Entführer nahmen laut Behörden Kontakt zu Regierung auf

Die Islamistengruppe Boko Haram hat sich zur Entführung hunderter Schüler im Nordwesten Nigerias bekannt. "Unsere Brüder stecken hinter der Entführung in Katsina", sagte der Anführer der Gruppe, Abubakar Shekau, am Dienstag in einer Propagandamitteilung. Mindestens 333 Schüler werden noch vermisst, nachdem hunderte bewaffnete Männer am Freitagabend eine Schule im Bundesstaat Katsina angegriffen hatten. Nach Angaben von örtlichen Behörden nahmen die Entführer Kontakt mit Nigerias Regierung auf.

"Die Gespräche laufen, um ihre Sicherheit und die Rückkehr zu ihren jeweiligen Familien zu gewährleisten", schrieb der Gouverneur des Bundesstaates Katsina, Aminu Bello Masari, im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Attacke fand hunderte Kilometer vom eigentlichen Aktionsgebiet von Boko Haram entfernt statt und erinnert an die Entführung hunderter Schülerinnen in Chibok im Jahr 2014. Boko Haram bewegt sich normalerweise im Nordosten des Landes rund um den Tschadsee.

Hunderte Schüler flüchteten nach dem Angriff auf die weiterführende Jungen-Schule nördlich der Stadt Kankara in die umliegenden Wald- und Buschgebiete. Andere wurden von den Angreifern, die auf Motorrädern kamen, in Gruppen aufgeteilt und verschleppt, wie Anwohner berichteten.

Der Hashtag #BringBackOurBoys kursiert seit dem Wochenende in Online-Netzwerken. Er ist angelehnt an einen ähnlichen Hashtag, der nach der Entführung der Chibok-Mädchen im Internet verbreitet wurde.

Zahlreiche besorgte Eltern versammelten sich am Dienstag vor der Schule, in der Hoffnung, Informationen über den Verbleib ihrer Kinder zu bekommen. Die Entführung wurde zunächst bewaffneten Banden zugeschrieben, die die Bevölkerung in der instabilen Region bedrohen und wo Entführungen zum Alltag geworden sind.

"Die Nachricht, dass unsere Kinder von Boko Haram entführt wurden, hat jegliche Hoffnung zerstört, meinen Sohn bald wiederzusehen", sagte ein Vater, der seinen Namen nicht nennen wollte, um die Identität seines Kindes zu schützen. "Wir dachten, dass sie nur von Banditen entführt wurden, die sie gegen Lösegeld freilassen würden", fügte er hinzu.

Experten und Beobachter in der Region hatten bereits vor einem möglichen Zusammenschluss zwischen kriminellen Banden und dschihadistischen Gruppen gewarnt. Diese versuchten, ihren Einfluss in der gesamten Sahelzone von Zentralmali bis zum Tschadsee in Nordkamerun auszuweiten.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Angriff. Er ordnete an, die Sicherheit in allen Schulen zu erhöhen. Im nördlichen Bundesstaat Katsina blieben die Schulen vorerst geschlossen. Die Präsidentschaft erklärte bereits am Samstag, dass die Armee "das Versteck der Banditen" ausfindig gemacht habe. Ein Militäreinsatz sei im Gange.

Seit der Wahl von Buhari im Jahr 2015, einem Muslim aus Katsina, hat sich die Sicherheitslage im Norden Nigerias stark verschlechtert. Buhari hatte den Kampf gegen Boko Haram zur Priorität gemacht.

Boko Haram unter der Führung von Shekau war auch für die Entführung von 276 Schülerinnen in Chibok im Jahr 2014 verantwortlich. Der Vorfall sorgte weltweit für Empörung. Mehr als 150 der Mädchen konnten seitdem fliehen oder wurden freigelassen. Viele der Schülerinnen befinden sich jedoch bis heute in der Hand der Islamisten.

Boko Haram kämpft seit dem Jahr 2009 gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. In den vergangenen Wochen verübte die Dschihadistengruppe zahlreiche Gräueltaten.


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