11.12.2020, 01:01 Uhr

Paris (AFP) Bericht: Rekord-Rückgang der weltweiten CO2-Emissionen im Corona-Jahr 2020

Flugzeuge blieben im Corona-Jahr oft auf der Erde.
Quelle: AFP/Archiv/PATRICIA DE MELO MOREIRA (Foto: AFP/Archiv/PATRICIA DE MELO MOREIRA)Flugzeuge blieben im Corona-Jahr oft auf der Erde. Quelle: AFP/Archiv/PATRICIA DE MELO MOREIRA (Foto: AFP/Archiv/PATRICIA DE MELO MOREIRA)

Experten sehen aber nicht die nötige Trendwende zur Erfüllung von Pariser Akommen

Im Corona-Jahr 2020 ist ein Rekord-Rückgang der weltweiten CO2-Emissionen um sieben Prozent verzeichnet worden. Mit schätzungsweise 2,4 Milliarden Tonnen falle der Rückgang der klimaschädlichen CO2-Emissionen deutlich höher aus als in den vorherigen Rekordjahren, teilte das Forschungsnetzwerk Global Carbon Project am Freitag mit. So sei der Kohlendioxid-Ausstoß am Ende des Zweiten Weltkrieg lediglich um 0,9 Milliarden Tonnen und auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 nur um einem halb Milliarde Tonnen zurückgegangen.

Zur Begründung des neuen Rekords verwies das Global Carbon Project in seinem Jahresbericht auf das Herunterfahren der Wirtschaft in aller Welt zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Mit rund 34 Milliarden Tonnen CO2 habe die Menschheit dieses Jahr aber dennoch einen bedeutenden Teil des CO2-Budgets aufgebraucht, das zur Einhaltung des international vereinbarten Ziels, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, noch bleibt.

Mit zwölf Prozent gingen die Emissionen dieses Jahr dem Bericht zufolge am deutlichsten in den USA zurück. In der EU verzeichnete das Global Carbon Project einen Rückgang von elf Prozent. Für China hingegen, wo die Corona-Pandemie ihren Anfang genommen hatte, sei nur ein Rückgang von 1,7 Prozent zu erwarten.

Der Sektor mit dem größten Emissionsrückgang war dem Bericht zufolge der Verkehr und hier vor allem die Luftfahrt. In der Industrie sank der CO2-Ausstoß weltweit um 22 Prozent, in manchen Ländern mit besonderen Lockdown-Maßnahmen sogar um 30 Prozent.

Die UNO warnte diese Woche bereits, dass der für 2020 zu erwartende starke Rückgang der Emissionen einen "zu vernachlässigenden" Effekt auf die Langzeittrends der Erderwärmung habe. Nach UN-Schätzungen müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen in diesem Jahrzehnt jedes Jahr um 7,6 Prozent sinken, um das Pariser Klimaabkommen umzusetzen.

Nach dem Emissionsrückgang im Pandemie-Jahr rechnen Experten jedoch mit einem erneuten Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen im kommenden Jahr. In welchem Ausmaß dies passiert, ist von der Ausgestaltung der Corona-Hilfs- und Wiederaufbaupakete in aller Welt abhängig.

Der Rückgang 2020 sei nur "ein vorübergehender Aufschub", sagte der französische Klimaforscher Philippe Ciais zu dem Bericht. "Der Weg zur Abmilderung des Klimawandels liegt nicht darin, Aktivitäten zu stoppen, sondern den Wandel zu emissionsarmer Energie voranzutreiben."

Die Umsetzung des vor fünf Jahren vereinbarten Pariser Abkommens ist am Samstag Thema eines virtuellen UN-Gipfels in New York. Im Vorfeld wollen Klimaaktivisten am Freitag für ehrgeizigere Klimaschutzmaßnahmen der Regierungen demonstrieren.


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