10.12.2020, 13:23 Uhr

Berlin (AFP) 73 Prozent der Deutschen vertrauen Aussagen von Wissenschaftlern zu Corona

Schild zur Maskenpflicht.
Quelle: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER)Schild zur Maskenpflicht. Quelle: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER)

Umfrage zeigt insgesamt stabile Werte - Zugleich aber auch verbreitete Skepsis

Das Vertrauen in Aussagen von Experten zu Corona bleibt in Deutschland auf einem hohen Niveau. Laut einer am Donnerstag in Berlin von der Initiative Wissenschaft im Dialog (WID) veröffentlichen Befragung, haben 73 Prozent Vertrauen in Angaben von Wissenschaftlern zu der neuartigen Erkrankung. Der Wert blieb demnach im Vergleich zum Frühjahr fast unverändert.

Nach den Ergebnissen des sogenannten WID-Wissenschaftsbarometers wünschen sich 77 Prozent der Befragten, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Dieser Wert war etwas niedriger als bei einer Vorgängerbefragung vom April, aber höher als der einer weiteren Umfrage von Mai 2020.

Zugleich gab es laut WID jedoch auch verbreitete Skepsis am Umgang mit der Pandemie und der Rolle von Wissenschaft dabei. So stimmten 40 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Experten nicht alles über Corona sagten, was sie wüssten. Knapp 30 Prozent waren demnach der Auffassung, dass die Krise zu einer größeren Angelegenheit gemacht werde, als sie es eigentlich sei. 15 Prozent waren überzeugt, dass es keine eindeutigen Belege für die Existenz des neuen Virus gebe.

Für das neueste Wissenschaftsbarometer wurden Anfang November 1016 Menschen befragt, die Umfrage ist repräsentativ. Sie wird seit 2014 regelmäßig in Auftrag gegeben. WID ist eine Initiative von großen Wissenschaftsorganisationen und Stiftungen, die den Austausch von Forschergemeinschaft und Gesellschaft fördern und verbessern will.

Auch insgesamt lag das Vertrauen in Forschung und Wissenschaft in Deutschland aktuell bei 60 Prozent. Das war laut WID weniger als bei den jüngsten Befragungen im April und Mai, aber höher als bei den Umfragen aus den Vorjahren. Der Anteil derer, die Forschung und Wissenschaft eher weniger oder nicht zu vertrauen, blieb demnach auf niedrigem Niveau konstant. Aktuell waren es sieben Prozent.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach angesichts der Ergebnisse von einem "sehr guten Zeichen". Das Vertrauen der Bürger in Wissenschaft und Forschung sei auch in der Pandemie hoch geblieben. Der "Rat der Wissenschaft" sei gerade jetzt besonders wichtig, was offensichtlich auch ein Großteil der Menschen so sehe.

Die Grünen im Bundestag sprachen dagegen von einem "Weckruf". Das Vertrauen in die Wissenschaft und Forschung sinke, erklärte deren Experte Kai Gehring. Die Bundesregierung müsse "verantwortungsvoll mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen" umgehen und Politikwechsel wegen neuer Erkenntnisse transparent begründen. Er schlug einen zentralen "interdisziplinären Pandemierat" vor, der Regierung und Parlament mit wissenschaftlicher Expertise berät.


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