08.12.2020, 09:54 Uhr

Halle (AFP) Leopoldina-Experten raten zu "hartem Lockdown" ab Heiligabend

Coronatests in einer Sporthalle.
Quelle: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER)Coronatests in einer Sporthalle. Quelle: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/Archiv/JENS SCHLUETER)

Erste Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sollen bereits ab kommenden Montag gelten

Angesichts der angespannten Coronalage in Deutschland rät die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu einem umfassenden "harten Lockdown" ab Heiligabend. Die Erfahrungen aus anderen Staaten hätten gezeigt, "dass schnell eingesetzte, strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum erheblich dazu beitrügen, die Infektionszahlen deutlich zu senken und niedrig zu halten", erklärte die Akademie am Dienstag in Halle an der Saale. Die Zeit um den Jahreswechsel sollte dafür genutzt werden.

Aufgrund der Weihnachtsferien in den Schulen und eines vielfach ohnehin eingeschränkten Betriebs in Firmen und Behörden seien die Rahmenbedingungen für einen derartigen strikten Lockdown über Weihnachten und Neujahr günstig, erklärten die Experten der Leopoldina in einer Stellungnahme zur aktuellen Debatte. "Ab dem 24. Dezember 2020 bis mindestens zum 10. Januar 2021 sollte in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen und ein harter Lockdown gelten."

Erste Maßnahmen zur Begrenzung beruflicher und privater Kontakte "auf das absolute Mindestmaß" sollten bereits vor dem Lockdown ab dem kommenden Montag gelten, forderte die Akademie. Unternehmen sollten Mitarbeiter wo immer möglich ins Homeoffice schicken und die Schulpflicht in allen Bundesländern aufgehoben werden. Dies würde Eltern erlauben, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken.

Ebenfalls ab dem 14. Dezember sollten zudem "Gruppenaktivitäten in Sport und Kultur" komplett eingestellt und generell "digitale Möglichkeiten" anstelle von Präsenzangeboten genutzt werden. Mit Beginn des "harten Lockdowns" müssten zusätzlich alle Geschäfte geschlossen werden, sofern sie nicht Waren des täglichen Bedarfs verkauften, forderten die Wissenschaftler in dem Positionspapier.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht wäre ein derartiger Schritt nach Auffassung der Leopoldina-Experten vorteilhaft. Zwar würde ein Lockdown "kurzfristig die Wertschöpfungsverluste" für die Firmen erhöhen. Er verkürze aber zugleich den Zeitraum bis die Zahl der Neuinfektionen so weit sinke, dass wieder Lockerungen ermögliche.

Für die Weihnachtstage selbst empfahl die Akademie allen Bürgern einen Verzicht auf Urlaubsreisen. Zusammenkünfte sollte es zudem "nur im engsten stabilen Personenkreis" geben. Nach dem Ende des Lockdowns im Januar müsse in Schulen zudem eine Maskenpflicht im Unterricht in allen Jahrgangsstufen gelten. Ab einer bestimmten Inzidenz sollten außerdem Regeln für Wechselunterricht greifen.


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