08.12.2020, 07:37 Uhr

Wiesbaden (AFP) Lohnlücke zwischen Männern und Frauen erstmals kleiner als 20 Prozent

Lohnlücke sorgt immer wieder für Zündstoff.
Quelle: AFP/PHILIPPE HUGUEN (Foto: AFP/PHILIPPE HUGUEN)Lohnlücke sorgt immer wieder für Zündstoff. Quelle: AFP/PHILIPPE HUGUEN (Foto: AFP/PHILIPPE HUGUEN)

2019 Rückgang um einen Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist etwas kleiner geworden, bleibt aber weiter deutlich über dem EU-Durchschnitt. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, verdienten Frauen im Jahr 2019 durchschnittlich 19 Prozent weniger als Männer. Der Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen - der so genannte unbereinigte Gender Pay Gap - war damit um einen Prozentpunkt geringer als 2018 und fiel erstmals unter 20 Prozent.

Der Gender Pay Gap ist die Differenz der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste. Unbereinigt vergleicht er allgemein den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Ein großer Teil des Verdienstunterschieds ist hierbei darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen und Berufen arbeiten und seltener Führungspositionen erreichen.

Werden Frauen und Männer mit vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit verglichen, ist der Lohnunterschied niedriger. Dieser bereinigte Gender Pay Gap wird alle vier Jahre erhoben. 2018 verharrte er wie bereits 2014 bei sechs Prozent; im Jahr 2010 hatte der Unterschied sieben Prozent betragen und 2006 acht Prozent.

Im europäischen Vergleich für den unbereinigten Gender Pay Gap liegen nach Angaben des Bundesamtes erst für das Jahr 2018 endgültige Ergebnisse vor. Mit 20 Prozent lag die Lücke in Deutschland demnach deutlich über dem Durchschnitt der Europäischen Union von 15 Prozent.

Von den 28 EU-Staaten im Jahr 2018 wies nur Estland mit 22 Prozent einen noch höheren geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied auf. Auf ähnlichem Niveau wie Deutschland lagen Österreich, Tschechien, Großbritannien, die Slowakei und Lettland. Die Staaten mit den EU-weit geringsten geschlechtsspezifischen Unterschieden im Bruttostundenverdienst waren Luxemburg (ein Prozent), Rumänien (zwei Prozent) sowie Italien (vier Prozent).

Innerhalb Deutschlands gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede: In Ostdeutschland fällt der unbereinigte Gender Pay Gap weiter deutlich geringer aus als in Westdeutschland. Dabei sank der Verdienstunterschied den Statistikern zufolge 2019 im Westen um einen Prozentpunkt auf 20 Prozent, während er im Osten mit sieben Prozent unverändert blieb - insgesamt ergibt sich daraus der unbereinigte Gender Pay Gap von 19 Prozent.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich für Gesamtdeutschland laut Bundesamt ein langsamer, aber stetiger Rückgang der Lohnlücke. So habe diese 2014 mit 22 Prozent um drei Prozentpunkte höher gelegen als 2019.


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