26.11.2020, 05:51 Uhr

Sydney (AFP) Teheran lässt australisch-britische Forscherin im Austausch für drei Iraner frei

Die 33-jährige Kylie Moore-Gilbert.
Quelle: IRIB NEWS AGENCY/AFP/- (Foto: IRIB NEWS AGENCY/AFP/-)Die 33-jährige Kylie Moore-Gilbert. Quelle: IRIB NEWS AGENCY/AFP/- (Foto: IRIB NEWS AGENCY/AFP/-)

Moore-Gilbert war zu zehn Jahren Haft wegen mutmaßlicher Spionage verurteilt worden

Nach mehr als zweijähriger Haft hat der Iran eine australisch-britische Forscherin im Austausch für drei iranische Staatsbürger freigelassen. Kylie Moore-Gilbert, die wegen mutmaßlicher Spionage für Israel in Teheran zu einer zehnjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden war, wurde am Mittwochabend freigelassen. Die 33-jährige Wissenschaftlerin hatte die Vorwürfe stets bestritten. Ihre Zeit in Haft nannte sie in einer am Donnerstag von der australischen Regierung verbreiteten Erklärung eine "lange und traumatische Prüfung".

Dem iranischen Sender Iribnews zufolge wurden "im Austausch für einen Spion mit doppelter Staatsbürgerschaft" drei iranische Staatsbürger freigelassen, die im Ausland wegen falscher Beschuldigungen verhaftet worden seien. Der Beitrag zeigte dazu Bilder von drei Männern, die bei der Heimkehr begrüßt wurden. Laut einem Bericht des "Sydney Morning Herald" handelt es sich um drei in Thailand inhaftierte Männer, die 2012 einen Anschlag auf israelische Diplomaten verüben wollten.

Die iranischen Behörden hatten die Verhaftung der Islamwissenschaftlerin Moore-Gilbert von der Universität Melbourne im September 2019 bestätigt. Ihrer Familie zufolge war sie bereits 2018 festgenommen worden.

Moore-Gilbert hatte während ihrer Gefangenschaft Briefe aus dem Gefängnis schmuggeln lassen, die zum Teil in britischen Medien veröffentlicht worden waren. Die ersten zehn Monate ihrer Gefangenschaft in einem isolierten Flügel des Evin-Gefängnisses in Teheran hätten ihre psychische Gesundheit "schwer beschädigt", schrieb sie. Dennoch habe sie ein Angebot von Teheran, als Spionin für den Iran zu arbeiten abgelehnt.

Ihre Heimkehr bezeichnete sie in der Erklärung vom Donnerstag trotz aller "Ungerechtigkeiten" als "bittersüß". Sie sei als "Freundin und mit freundlichen Absichten" in den Iran gegangen. Nun stehe ihr eine "herausfordernde Anpassungsphase" zuhause in Australien bevor.

Der australische Regierungschef Scott Morrison betonte am Donnerstag, sein Land habe keine Gefangenen freigelassen. Ebenso wie Morrison begrüßten die USA und Großbritannien die Freilassung. Der britische Außenminister Dominic Raab forderte Teheran im Kurzbotschaftendienst Twitter auf, alle Doppelstaatler freizulassen. Ein weiterer prominenter Fall ist der von Nazanin Zaghari-Ratcliffe, die das Gefängnis wegen der Coronavirus-Pandemie vorübergehend verlassen durfte.

Das US-Außenministerium erklärte, Moore-Gilbert hätte nie festgenommen werden dürfen. Teheran betreibe eine "Geisel-Diplomatie".


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