30.10.2020, 12:29 Uhr

London (AFP) Starmer warnt nach Suspendierung Corbyns vor parteiinternem "Bürgerkrieg"

Labour-Chef Keir Starmer.
Quelle: AFP/Hollie Adams (Foto: AFP/Hollie Adams)Labour-Chef Keir Starmer. Quelle: AFP/Hollie Adams (Foto: AFP/Hollie Adams)

Neuer Labour-Chef will "Spaltung" verhindern

Nach der Suspendierung des früheren Vorsitzenden Jeremy Corbyn durch die britische Labour-Partei hat der neue Parteichef Keir Starmer vor einem parteiinternen "Bürgerkrieg" gewarnt. "Ich will keine Spaltung der Labour-Partei", sagte Starmer am Freitag dem Sender Sky News. Er habe sich um den Labour-Vorsitz beworben, um die "Einheit der Partei" zu gewährleisten.

Die Labour-Partei hatte Corbyn nach Angaben eines Parteisprechers vom Donnerstag wegen Antisemitismus-Vorwürfen suspendiert. Die Entscheidung wurde demnach angesichts verharmlosender Äußerungen Corbyns über eine unabhängige Untersuchung zu Antisemitismus in der Oppositionspartei getroffen. Corbyn kündigte noch am Donnerstag an, er werde die Suspendierung anfechten.

Starmer wiederholte am Freitag seine bereits bei früheren Gelegenheiten gemachte Zusage, sich gegen Antisemitismus in der Labour-Partei einzusetzen. In einem Bericht der britischen Gleichberechtigungs- und Menschenrechtskommission (EHRC) hieß es, die Labour-Partei habe unter Corbyns Führung Antisemitismus in den eigenen Reihen zugelassen. Die EHRC deckte mehrere Fälle auf, in denen die Führungsriege um Corbyn die Beschwerden jüdischer Mitglieder ignoriert oder herunterspielt habe. Der EHRC-Bericht sei für Labour eine "Schande", sagte Starmer. Er sei von Corbyn "enttäuscht".

Der Bericht warf der ehemaligen Parteiführung vor, bei zahlreichen Vorfällen, darunter Beleidigungen und der Verbreitung von antisemitischen Verschwörungstheorien im Internet, untätig geblieben zu sein. In drei Fällen habe die Partei gegen das Gleichstellungsgesetz verstoßen, das seit 2020 in Großbritannien gilt. Die Partei ist nun verpflichtet, bis zum 10. Dezember einen Plan auszuarbeiten, wie sie gegen die Vorwürfe vorgehen will, andernfalls droht ihr eine strafrechtliche Verfolgung.

Corbyn erklärte, er akzeptiere nicht alle Ergebnisse des Berichts und kündigte an, "entschieden" gegen seine Suspendierung vorzugehen. Er sprach von einer politisch motivierten Entscheidung gegen ihn. Starmer hatte sich bereits im April bei der jüdischen Gemeinde entschuldigt, als er das Amt von Corbyn übernahm. Corbyn war zurückgetreten, nachdem die Labour-Partei bei der Parlamentswahl im Dezember ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 eingefahren hatte.


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