16.10.2020, 21:03 Uhr

Conflans-Sainte-Honorine (AFP) Macron: Lehrer bei islamistischem Anschlag nahe Paris enthauptet

Verdächtiger von Polizei erschossen - Zusammenhang mit Mohammed-Karikatur

In der Nähe von Paris ist ein Lehrer vermutlich im Zusammenhang mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen auf offener Straße enthauptet worden. Bei einem Besuch des Tatorts nahe einer Schule in Conflans-Saint-Honorine sprach Staatschef Emmanuel Macron von einem "eindeutig islamistischen Terroranschlag". Der Angreifer soll nach der Tat "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Er wurde von der Polizei angeschossen und starb nach Angaben aus Justizkreisen später.

Bei dem Opfer handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit die Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Die Polizei war nach Ermittlerangaben zu der Schule in dem Ort nordwestlich der französischen Hauptstadt gerufen worden, weil Augenzeugen einen Verdächtigen in der Nähe beobachtet hatten. Als die Beamten vor Ort eintrafen, fanden sie die Leiche des Lehrers.

Der mutmaßliche, mit einer Stichwaffe bewaffnete Täter bedrohte daraufhin die Polizisten, die ihn dann auf dem Gebiet der benachbarten Stadt Eragny anschossen. Aus Angst vor einer Sprengstoffweste sei der Umkreis abgesperrt worden, Sprengstoffexperten wurden hinzugezogen. Angaben zur Identität des mutmaßlichen Täters wurden zunächst nicht gemacht.

Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt den Angaben zufolge wegen "Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Unternehmen" und wegen einer "kriminellen terroristischen Vereinigung". Am Abend tagte ein Krisenkabinett in Anwesenheit von Staatschef Macron im Innenministerium. Die Nationalversammlung unterbrach ihre Sitzung, gedachte des Opfers und verurteilte den "abscheulichen Anschlag".

Bei seinem Besuch am Tatort versicherte Macron, dass die Nation gegen "Aufklärungsfeindlichkeit" und die damit einhergehende Gewalt zusammenstehen werde, um alle Lehrer "zu schützen und zu verteidigen".

Bereits im September hatte es wegen der erneuten Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der Satirezeitung "Charlie Hebdo" einen Messerangriff mit zwei Verletzten in Paris gegeben. Bei dem geständigen Täter handelt es sich um einen 25-jährigen Pakistaner, der aus "Wut" über die Darstellung des Propheten gehandelt haben will.

Im Januar 2015 hatten Islamisten wegen der Karikaturen einen Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion in Paris verübt und dabei zwölf Menschen getötet.


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