16.10.2020, 12:57 Uhr

Mainz (AFP) Kultusminister sehen Schulen nicht als Treiber der Corona-Pandemie

Verstärktes Lüften und ausgeweitete Maskenpflicht

Schulen sind nach Einschätzung der Kultusministerien der Bundesländer keine Treiber der Corona-Pandemie. "Wir sehen und wir wissen, dass die Schulen nicht Treiber der Pandemie sind", sagte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), am Freitag nach Beratungen des Gremiums in Mainz. Verhindert werden soll die Verbreitung des Coronavirus über Schulen durch mehr Maskentragen und konsequentes Lüften.

Hubig sagte: "Es ist nicht so, dass das Infektionsgeschehen in der Schule passiert." Infektionen würden etwa bei privaten Feiern übertragen, die Hygienekonzepte an den Schulen hätten sich hingegen bewährt. In Rheinland-Pfalz seien etwa 565.000 Menschen, darunter Schüler, Lehrer und andere Mitarbeiter, in den Schulen. Am letzten Tag vor den gerade gestarteten Herbstferien habe es darunter aber nur 110 Infizierte gegeben.

Eine vom Redaktionsnetzwerk Deutschland unter den Kultusministerien der Bundesländer vorgenommene Befragung ergab, dass vor den Herbstferien durchschnittlich 98 Prozent aller Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen konnten.

Demnach waren etwa in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Bayern rund 0,04 Prozent der Schüler mit dem Coronavirus infiziert. Etwas höher war die Infektionsrate in Berlin, wo sich etwa 0,07 Prozent der Schüler mit dem neuartigen Virus ansteckten. Sachsen-Anhalt wiederum verzeichnete keinen einzigen Coronavirus-Fall an Schulen.

Auch unter Lehrkräften war das Infektionsgeschehen überschaubar. In NRW waren zum Beispiel 0,1 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer betroffen, in Berlin 0,14 Prozent.

Mit Fortschreiten der Pandemie setzen die Bundesländer auf einen verstärkten Einsatz der Maskenpflicht. In Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein gilt ab Montag an weiterführenden Schulen Maskenpflicht auch im Unterricht.

In Nordrhein-Westfalen forderte der dortige Lehrerverband eine Maskenpflicht nach dem Beispiel Bayerns. Dort gilt diese auch während des Unterrichts in Landkreisen mit einem erhöhten Infektionsgeschehen. Die KMK-Vorsitzende Hubig sagte, die Kultusminister seien für eine Maskenpflicht an weiterführenden Schulen bei hohen Fallzahlen. Einen konkreten allgemeinen Grenzwert wollten die Länder aber nicht, da es immer auf die konkrete Situation vor Ort ankomme.

Hubig betonte die besondere Bedeutung der Frischluftzufuhr: "Lüften bleibt das A und O." Da gebe es Einigkeit bei den Kultusministern. Schleswig-Holstein wies seine Schulen auf Grundlage der KMK-Beschlüsse an, alle 20 Minuten mit weit geöffneten Fenstern für drei bis fünf Minuten die Klassenräume zu lüften sowie über die gesamte Pausendauer.

Einhellig sind die Kultusminister laut Hubig auch gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien: "Wir sind uns einig, dass längere Winterferien kein Beitrag dazu sind, das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen."

Eine Verlängerung bedeute einen großen organisatorischen Aufwand, unter anderem mit Blick auf die Vorbereitung auf das Abitur. Aber auch Eltern müssten dann wieder umplanen, sagte Hubig. Deshalb seien sich die Minister einig, dass der aus der Union aufgekommene Vorschlag nicht zielführend sei.


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