09.10.2020, 07:39 Uhr

Bamako (AFP) Vor vier Jahren in Mali verschleppte Französin und zwei Italiener freigelassen

Sophie Pétronin nach ihrer Freilassung in Bamako.
Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)Sophie Pétronin nach ihrer Freilassung in Bamako. Quelle: AFP/STRINGER (Foto: AFP/STRINGER)

Auch Oppositionsführer kommt frei - Zuvor Dschihadisten auf freien Fuß gesetzt

In Mali haben mutmaßliche Dschihadisten eine vor fast vier Jahren verschleppte Französin und zwei Italiener freigelassen. Auch der im März entführte Oppositionspolitiker Soumaïla Cissé kam frei, wie die malische Präsidentschaft am Donnerstagabend mitteilte. Cissé und die 75-jährige Französin Sophie Pétronin wurden in der Hauptstadt Bamako von Angehörigen in Empfang genommen. Die Regierung hatte zuvor dutzende mutmaßliche Dschihadisten aus dem Gefängnis freigelassen.

Die Französin Pétronin, die humanitäre Hilfe in dem westafrikanischen Land leistete, war am 24. Dezember 2016 von bewaffneten Männern im nordmalischen Gao verschleppt worden. Das letzte Video, in dem sie zu sehen war, wurde im Juni 2018 veröffentlicht. Darin wirkte sie sehr erschöpft und ausgezehrt. In einem Video vom November 2018, in dem Pétronin nicht zu sehen war, erklärten ihre Entführer, dass sich der Gesundheitszustand der Französin verschlechtert habe.

Pétronins Sohn Sébastien Chadaud erwartete seine Mutter am Flughafen von Bamako. Als sie aus dem Flugzeug stieg, fiel er seiner Mutter in die Arme.

Pétronin war die letzte weltweit festgehaltene französische Geisel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich "immens erleichtert" über ihre Freilassung. Er dankte im Onlinedienst Twitter den malischen Behörden und kündigte an, den "Kampf gegen den Terrorismus in der Sahel-Zone" fortzusetzen. Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich am Freitag wolle er Pétronin empfangen.

Die 75-Jährige kündigte ihrerseits bereits an, nach Mali zurückkehren zu wollen. "Ich werde nach Frankreich und in die Schweiz gehen und dann zurückkommen", sagte die Französin in der französischen Botschaft in Bamako. Sie zeigte sich glücklich, dass ein Mitarbeiter während ihrer Entführungszeit die Arbeit ihrer Hilfsorganisation für Waisenkinder fortsetzen konnte. Sie wolle sich aber auch selbst ein Bild machen.

Zusammen mit Pétronin wurde der frühere Oppositionsführer im malischen Parlament, Cissé, freigelassen. Der 70-Jährige war dreimal Zweiter bei Präsidentschaftswahlen in Mali. Im März wurde er verschleppt, als er in der nordwestlichen Region Timbuktu Wahlkampf für die Parlamentswahl machte.

Nach Angaben der malischen Regierung wurden zudem die beiden Italiener Nicola Chiacchio und Pier Luigi Maccalli freigelassen. Der Priester Maccalli war 2018 im Niger entführt worden. Chiacchio wurde im Februar 2019 im Norden Malis verschleppt, wo er laut italienischen Medienberichten mit dem Fahrrad unterwegs war.

Allen vier Geiseln geht es nach Angaben der malischen Präsidentschaft den Umständen entsprechend gut. Nach Angaben der Regierung wurden sie von der Dschihadistengruppe GSIM festgehalten, die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet ist.

Ihre Freilassung war offenbar Teil eines Gefangenenaustauschs. Seit vergangenem Sonntag waren nach Angaben aus malischen Sicherheitskreisen mutmaßliche Dschihadisten aus dem Gefängnis freigelassen worden.

Das in der Sahelzone gelegene Mali gehört zu den afrikanischen Staaten, in denen Islamisten seit einigen Jahren aktiv sind. 2012 hatten islamistische Gruppen die Kontrolle über den Norden des Landes übernommen und waren weiter vorgerrückt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten zurück.

Auch die Bundeswehr ist in Mali im Einsatz, im Rahmen der UN-Stabilisierungsmission Minusma und der EU-Ausbildungsmission EUTM. Doch trotz der Präsenz tausender internationaler Soldaten ist die politische Lage und die Sicherheitslage höchst instabil.

Nach einem Militärputsch gegen Präsident Ibrahim Boubacar Keita im August ist erst seit einigen Tagen eine Übergangsregierung im Amt. Ob die Freilassung der Geiseln damit zusammenhängt, war zunächst unklar.


0 Kommentare