08.10.2020, 07:05 Uhr

Stepanakert (AFP) Erneut zahlreiche nächtliche Raketenangriffe auf Hauptstadt von Berg-Karabach

Mann vor den Trümmern eines Hauses in Stepanakert.
Quelle: AFP/ARIS MESSINIS (Foto: AFP/ARIS MESSINIS)Mann vor den Trümmern eines Hauses in Stepanakert. Quelle: AFP/ARIS MESSINIS (Foto: AFP/ARIS MESSINIS)

Auch Aserbaidschan meldet Angriffe auf Wohngebiete

Die Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach ist in der Nacht zum Donnerstag erneut Ziel zahlreicher Raketenangriffe gewesen. Die ganze Nacht über ertönten in Stepanakert in regelmäßigen Abständen Alarmsirenen, gefolgt von jeweils drei bis vier Explosionen, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Wie in der Nacht zuvor schlugen die Salven fast stündlich ein. Die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden waren zunächst unklar. Welche Waffentypen von den aserbaidschanischen Truppen eingesetzt werden, ist nicht eindeutig zu sagen.

Nach Angaben örtlicher Behörden werden Wohngebiete mit 300-Millimeter-Raketen vom Typ Smertsch angegriffen, einem Nachfolgemodell der Katjuscha-Mehrfachraketenwerfer. Nicht explodierte Exemplare dieses Typs sind in der Stadt zu finden. Wohngebäude wurden durch die Angriffe komplett zerstört, die Krater sind teilweise zehn Meter groß. Vor allem tagsüber überfliegen regelmäßig Drohnen die Stadt, teilweise gefolgt von gezielten Angriffen.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium warf am Donnerstagmorgen den armenischen Kämpfern vor, in der Nacht und am Morgen von Zivilisten "bewohnte Gebiete angegriffen" zu haben. Betroffen gewesen seien Gebiete in Bardinsk, Agdschabedin, Goranboy, Terter und Agdam. Es gebe Tote und Verletzte, erklärte das Ministerium.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich bereits seit Jahrzehnten einen erbitterten Konflikt um die Region im Südkaukasus, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Vor eineinhalb Wochen waren die Kämpfe neu entbrannt. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.


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