06.10.2020, 17:24 Uhr

Berlin (AFP) Außenminister Israels und der Emirate gemeinsam am Holocaust-Mahnmal in Berlin

Drei Minister am Holocaust-Mahnmal.
Quelle: POOL/AFP/MICHELE TANTUSSI (Foto: POOL/AFP/MICHELE TANTUSSI)Drei Minister am Holocaust-Mahnmal. Quelle: POOL/AFP/MICHELE TANTUSSI (Foto: POOL/AFP/MICHELE TANTUSSI)

Historisches erstes Treffen nach Normalisierung der Beziehungen beider Länder

In einer historischen Geste haben die Außenminister Israels und der Vereinigten Arabischen Emirate am Dienstag gemeinsam das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht. Der israelische Minister Gabi Aschkenasi und sein emiratischer Kollege Abdullah bin Sajed begegneten sich zum ersten Mal seit der Unterzeichnung des Abkommens über eine Normalisierung der Beziehungen ihrer beiden Länder. Israels Außenminister bezeichnete den gemeinsamen Besuch des Holocaust-Mahnmals als Symbol für "den Beginn einer neuen Ära".

Aschkenasi und bin Sajed begrüßten sich am Mahnmal im Beisein von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Gemeinsam gingen die Chefdiplomaten durch das graue Stelenfeld, das an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch das deutsche NS-Regime erinnert. Die Außenminister Israels und der Emirate trugen sich im Informationszentrum des Mahnmals auf nebeneinanderliegenden Seiten in das Gästebuch ein.

"Unsere gemeinsame Anwesenheit hier symbolisiert den Beginn einer neuen Ära. Einer Ära des Friedens zwischen Völkern", schrieb Aschkenasi in das Gästebuch. "Unsere gemeinschaftliche Unterschrift im Buch der Erinnerung ist wie ein gemeinsamer Ausruf und Schwur: zu erinnern und nicht zu vergessen, stark zu sein und zu versprechen: 'nie wieder'."

"Never again" ("nie wieder") schrieb auch der emiratische Außenminister bin Sajed am Ende seines Eintrags. Sein Besuch am Holocaust-Mahnmal ist von hoher symbolischer Bedeutung, da er eine Veränderung in der Haltung der arabischen Welt gegenüber Israel und den Juden markiert.

Im Anschluss an den Besuch des Mahnmals fuhren Aschkenasi und bin Sajed zu einem Austausch ins Gästehaus des deutschen Außenministers. Abschließend wollten sie mit Maas bei einem Abendessen die Entwicklungen im Nahost-Friedensprozess und in der Region diskutieren.

"Wir tun alles, um gute Gastgeber zu sein für den Dialog beider Länder über die Ausgestaltung ihrer zukünftigen bilateralen Beziehungen", erklärte Maas. Der Minister dankte Aschkenasi und bin Sajed dafür, Berlin als Ort für ihr erstes Zusammentreffen gewählt zu haben. "Die wichtigste Währung in der Diplomatie ist Vertrauen, und ich bin meinen beiden Kollegen auch persönlich dankbar, dass sie Deutschland dieses Vertrauen entgegenbringen."

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der drei Minister vor der Berliner Villa Borsig bezeichnete bin Sajed seinen israelischen Amtskollegen als "neuer Freund". Der Nahe Osten erlebe ein neues Kapitel auf dem Weg zum Frieden. Bin Sajed zufolge sprachen die beiden Minister über mögliche Kooperationen ihrer Länder in den Bereichen Wirtschaft und Technologie.

Aschkenasi bedankte sich während der Pressekonferenz bei bin Sajed und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu dem "mutigen Schritt". Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen seien "ohne mutige Staatsoberhäupter" nicht möglich, fügte er hinzu.

Mitte August hatte US-Präsident Donald Trump die Einigung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel über eine Normalisierung ihrer Beziehungen bekanntgegeben. Im September folgte eine entsprechende Vereinbarung zwischen Israel und Bahrain.

Mitte September unterzeichnete Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Washington Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain. Bis dahin unterhielten mit Ägypten und Jordanien nur zwei arabische Staaten diplomatische Beziehungen zu Israel.


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