06.10.2020, 15:25 Uhr

Regensburg (AFP) Lebenslange Haftstrafe in Mordfall Maria Baumer

Landgericht Regensburg stellt zudem besondere Schwere der Schuld fest

Vom verzweifelten Verlobten zum verurteilten Mörder: Der 36-jährige Christian F. ist vom Landgericht Regensburg wegen Mordes an der 2012 verschwundenen Maria Baumer zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht hielt es am Dienstag für erwiesen, dass der Krankenpfleger seiner damals 26-jährigen Verlobten eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht hatte und ihre Leiche anschließend in einem Wald vergrub und mithilfe von Chemikalien auflöste.

Grund für den Mord ist laut dem Vorsitzenden Richter Michael Hammer, dass der heute 36-Jährige sich in eine Patientin verliebt hatte und nicht damit klar kam, dass Baumer tonangebend in der Beziehung war. F. könne keine offenen Konflikte aushalten und habe sich wegen des "drohenden Gesichtsverlusts" nicht von Baumer trennen können.

Der Mord sei die Möglichkeit gewesen, eine Beziehung zu der ehemaligen Patientin anbahnen zu können, bei der Baumer "im Weg stand". Gleichzeitig habe F. selbst eine "Opferrolle einnehmen und sich Aufmerksamkeit und Anteilnahme sichern" können sowie eine gute Begründung bekommen, das erfolglose Medizinstudium abzubrechen.

Hammer stellte fest, dass F. nach Baumers Verschwinden "fast schon lustvoll komplexe Lügengebäude entwickelt" habe. So gaukelte er der Familie des Opfers und der Öffentlichkeit vor, dass sich Baumer kurz vor der Hochzeit eine Auszeit habe nehmen wollen. Er erfand Nachrichten und Anrufe Baumers und meldete sie als vermisst. Unter anderem trat er in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" vor Millionenpublikum auf, um die Suche nach Baumer zu unterstützen.

Das Gericht hatte in dem 17 Verhandlungstage dauernden Prozess ein "Puzzle" zu lösen, wie Hammer sagte. Baumers Überreste waren erst im September 2013 von einer Pilzsammlerin gefunden worden. Der Zustand der Leiche war allerdings so schlecht, dass die Rechtsmediziner keine genaue Todesursache ermitteln konnten.

Zwar sprachen zahlreiche Indizien gegen den Angeklagten: Bei der Leiche Baumers wurde ein Spaten gefunden, wie ihn F. kurz vor Baumers Verschwinden gekauft hatte. Zudem hatte F. im Internet nach dem "perfekten Mord", der tödlichen Dosis für Beruhigungsmittel und Würgetechniken gesucht. Entscheidend war allerdings der erst vergangenes Jahr dank neuer Analysemethoden gelungene Nachweis von Beruhigungsmitteln in Baumers Überresten.

Diese hatte F. auch für einen späteren Übergriff auf die ehemalige Patientin benutzt, die er seit kurz vor Baumers Verschwinden stalkte. Dafür und wegen des sexuellen Missbrauchs zweier Schüler war F. bereits 2016 verurteilt worden.

Jahrelang hatte F. abgestritten, etwas mit Baumers Verschwinden zu tun zu haben. Im Prozess gab er dann an, dass er für Baumer Medikamente von seinem Arbeitsplatz gestohlen habe. Diese habe die Medikamente selbst eingenommen, weil sie unter starken Schmerzen und psychischen Problemen gelitten habe. Er selbst habe sie tot im Bett aufgefunden und die Leiche beseitigt - weil er Angst vor "beruflichen Nachteilen" hatte, wenn heraus käme, dass er die Beruhigungsmittel entwendet habe.

Das Gericht schenkte seiner Aussage jedoch keinen Glauben. Es bestehe "kein Zweifel" daran, dass er seine Verlobte ermordet habe, indem er ihr die Medikamente heimlich verabreicht habe, sagte Hammer. Weil er "heimtückisch" und aus "niederen Beweggründen" gehandelt habe, sah das Gericht die besondere Schwere seiner Schuld für erwiesen, was eine frühzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt.


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