05.10.2020, 20:45 Uhr

Washington (AFP) Trump wird Klinik am Montag verlassen

US-Präsident sorgt mit Satz "Habt keine Angst vor Covid" für Empörung

Der mit dem Coronavirus infizierte US-Präsident Donald Trump wird das Krankenhaus noch am Montag verlassen - und hat mit neuen verharmlosenden Äußerungen über die tödliche Pandemie für Empörung gesorgt. Trump verkündete im Kurzbotschaftendienst Twitter, dass er das Militärkrankenhaus Walter Reed am Montagabend 18.30 Uhr Ortszeit (Dienstag 00.30 Uhr MESZ) verlassen werde. "Ich fühle mich richtig gut!", schrieb Trump. "Habt keine Angst vor Covid. Lasst nicht zu, dass es euer Leben beherrscht."

Der Rechtspopulist, der die Gefahr durch das Virus und die Lungenerkrankung Covid-19 über Monate heruntergespielt hat, fügte hinzu: "Unter der Trump-Regierung haben wir richtig großartige Medikamente und großartiges Wissen entwickelt. Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren."

Trumps Leibarzt Sean Conley bestätigte, dass der Präsident das Krankenhaus noch am Montag verlassen werde. Der 74-Jährige sei zwar noch "nicht vollkommen über den Berg", sagte der Mediziner. Sein Gesundheitszustand habe sich aber weiter verbessert. Trump erfülle alle medizinischen Kriterien für eine Entlassung. Im Weißen Haus werde es zudem 24 Stunden am Tag eine "medizinische Betreuung auf Weltklasse-Niveau" für den Präsidenten geben, sagte Conley.

Trump war am vergangenen Freitag wegen einer Corona-Infektion in das nördlich der US-Hauptstadt Washington gelegene Militärkrankenhaus Walter Reed eingeliefert worden. Seitdem hat es schwammige und widersprüchliche Angaben seiner Ärzte und des Weißen Hauses über den Zustand des Präsidenten gegeben.

Bekannt ist aber, dass Trump zwischenzeitlich hohes Fieber und zwei Mal eine zu niedrige Sauerstoffsättigung im Blut hatte. Der 74-Jährige, dessen Übergewicht ein zusätzlicher Risikofaktor ist, bekam oder bekommt zur Behandlung einen experimentellen Antikörper-Cocktail, das entzündungshemmende Steroid Dexamethason und das antivirale Mittel Remdesivir. Sein Leibarzt Conley räumte am Montag ein, dass der Medikamentenmix medizinisches "Neuland" sei.

An der Aufforderung Trumps, "keine Angst" vor dem Coronavirus zu haben, entzündete sich umgehend scharfe Kritik. "'Habt keine Angst' sagte der Kerl mit einem Team von einem Dutzend Ärzten, Zugang zu experimentellen Medikamenten, die kein anderer bekommt, einer Krankenhaus-Suite mit vier Zimmern, der in einem Haus lebt mit Spitzenärzten, die 24 Stunden am Tag vor Ort sind", twitterte der demokratische Senator Chris Murphy. "Und er bekommt das alles kostenlos, weil er sich weigert, Steuern zu zahlen."

Der demokratische Senator Jeff Merkley schrieb, der Einschätzung, "keine Angst" zu haben, dürften sich die Familien der inzwischen mehr als 209.000 Corona-Toten in den USA kaum anschließen. Trump gebe weiterhin "furchtbarte und gefährliche "Ratschläge.

Trumps Umgang mit der Pandemie wird für die verheerenden Entwicklung in den USA mitverantwortlich gemacht. Der Rechtspopulist hat die Gefahr durch das Virus über Monate kleingeredet und mit irreführenden Äußerungen immer wieder für Verwirrung gesorgt. Trump trägt zudem so gut wie nie eine Schutzmaske und mokierte sich immer wieder über Maskenträger.

Derweil wächst auch im Umfeld des Präsidenten die Zahl der Infektionen: Am Montag gab Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany bekannt, ebenfalls mit dem Coronavirus infiziert zu sein. Ein Corona-Test sei am Morgen positiv ausgefallen, schrieb die 32-Jährige auf Twitter. Sie habe keine Symptome und begebe sich in Quarantäne.

Zuvor waren bereits unter anderem drei republikanische Senatoren, Trumps Wahlkampfmanager Bill Stepien, sein Wahlkampfberater Chris Christie, Trumps Ex-Beraterin Kellyanne Conway und die Vorsitzende der Republikanischen Partei, Ronna McDaniel, positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden.


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