05.10.2020, 13:06 Uhr

Paris (AFP) Höchste Corona-Warnstufe in Paris ausgerufen

Bars und Cafés schließen - Auflagen für Restaurants, Unis und Altenheime

Corona-Alarm in Paris: Wegen der massiv gestiegenen Infektionszahlen haben die Behörden in der französischen Hauptstadt die höchste Warnstufe ausgerufen. Ab Dienstag müssen nach Angaben der Präfektur Bars und Cafés schließen. Für Restaurants, Altenheime, Universitäten und Einkaufszentren werden die Auflagen verschärft. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nannte die Lage "sehr ernst".

Nach Angaben der Pariser Präfektur vom Montag werden geplante Messen und Kongresse in der Hauptstadt abgesagt, Studentenfeiern und Zirkus-Vorführungen verboten. An Universitäten dürfen die Hörsäle nur noch zu 50 Prozent belegt sein. Auch Besuche in Altenheimen werden deutlich eingeschränkt, Einkaufszentren müssen die Zahl ihrer Kunden begrenzen.

"Wir müssen die Entwicklung jetzt bremsen, bevor unser Gesundheitssystem überlastet ist", sagte der Pariser Polizeipräfekt Didier Lallement. In Paris wurden nach Angaben der regionalen Gesundheitsbehörde zuletzt alle Warnwerte überschritten: Die Zahl der Neuansteckungen liegt bei 270 pro 100.000 Einwohnern, die Intensivstationen sind zu 35 Prozent mit Corona-Patienten belegt. Die höchste Corona-Warnstufe tiefrot (wörtlich "rouge escarlate", scharlachrot) galt bisher nur im Ballungsraum von Marseille und Aix-en-Provence.

Die neuen Maßnahmen gelten in Paris und den umliegenden Vororten vorerst für zwei Wochen und sollen dann neu bewertet werden. Mit allen Einschränkungen zum Schutz der Bürger müsse "das Leben weitergehen", sagte Bürgermeisterin Hidalgo.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin räumte ein, dass gerade die Schließung von Cafés und Bars viele Menschen "hart" treffen werde. "Wir sind Franzosen - wir lieben es zu trinken, essen, leben, lachen und einander zu küssen", sagte er.

Der Hotel- und Gaststättenverband Umih äußerte sich "extrem alarmiert" über die neuen Maßnahmen. Laut einer Umfrage befürworten 61 Prozent der Bewohner des Pariser Großraums die Schließung der Bars.

Restaurantbetreiber dürfen nach harten Verhandlungen mit der Regierung in ganz Frankreich weiter Gäste empfangen - dies gilt auch für den besonders betroffenen Ballungsraum Marseille, wo die Gaststätten vor einer Woche zunächst schließen mussten. Zur Auflage macht die Regierung einen besseren Schutz der Gäste.

Sportstätten und Fitnessstudios bleiben in Paris und anderen Großstädten wie bisher schon geschlossen, auch Versammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen Raum bleiben untersagt, ebenso wie Großveranstaltungen mit mehr als tausend Teilnehmern.

Die französische Arbeitsministerin Elisabeth Borne rief Unternehmen in besonders betroffenen Großstädten wie Paris, Marseille, Lyon oder Lille auf, "so weit wie möglich von Bildschirmarbeit" Gebrauch zu machen. Die Ausweitung des Home Office sei "nötig, um die Ausbreitung des Virus zu verringern", schrieb sie auf Twitter. Seit September gilt in Frankreich eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz und in anderen geschlossenen Räumen, wie auch vielerorts im Freien.

Dennoch breitet sich das Virus weiter massiv aus: Mit fast 17.000 neu registrierten Corona-Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden hatte Frankreich am Wochenende einen neuen Höchststand erreicht. Die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Pandemie stieg auf gut 32.200. Damit gehört Frankreich in absoluten Zahlen zu den am stärksten betroffenen Ländern Europas.


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