02.10.2020, 17:19 Uhr

Washington (AFP) Trump nach Corona-Infektion mit "leichten Symptomen" in Quarantäne


US-Präsident steckt sich mitten in heißer Wahlkampfphase an

Die Nachricht von der Corona-Infektion von US-Präsident Donald Trump ist einen Monat vor der Präsidentschaftswahl eingeschlagen wie eine Bombe. Trump gab in der Nacht auf Freitag bekannt, er und seine Frau Melania seien positiv auf das Virus getestet worden. Der Präsident hat nach Angaben seines Stabschefs "leichte Symptome". Die Ansteckung des 74-Jährigen bringt den gesamten Wahlkampf durcheinander und sorgte auch an den Börsen für Turbulenzen.

Der für seinen Umgang mit der Pandemie scharf kritisierte Rechtspopulist hatte die Gefahr durch das Coronavirus über Monate kleingeredet. In den USA sind inzwischen mehr als 207.000 Menschen an den Folgen einer Infektion gestorben, mehr als 7,2 Millionen Infektionsfälle wurden bestätigt - die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit. Nun traf es auch den Präsidenten, der so gut wie nie eine Schutzmaske trägt und dafür viel kritisiert wird.

"Die First Lady und ich wurden positiv auf Covid-19 getestet", schrieb Trump im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Wir werden unseren Quarantäne- und Genesungsprozess unverzüglich beginnen. Wir kommen gemeinsam da durch!"

Trumps Leibarzt Sean Conley erklärte, sowohl dem Präsidenten als auch der 50-jährigen First Lady gehe es gut. Er gehe davon aus, dass der Präsident "seinen Verpflichtungen ohne Unterbrechung nachgehen könne", während er sich im Weißen Haus erhole.

Trumps Stabschef Mark Meadows sagte später, der Präsident habe "leichte Symptome", sei aber "guter Dinge" und "sehr energiegeladen". Eine Journalistenfrage nach einer möglichen medikamentösen Behandlung des Präsidenten ließ der Stabschef unbeantwortet. Mit seinen 74 Jahren und offiziell diagnostiziertem Übergewicht hat Trump ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.

Nach Angaben des Weißen Hauses sollen nun alle Kontaktpersonen des Präsidenten ausfindig gemacht werden. Vizepräsident Mike Pence, der bei einer schweren Erkrankung Trumps die Amtsgeschäfte des Präsidenten übernehmen würde, wurde nach Angaben seines Sprechers am Freitagmorgen negativ getestet.

Auch Tests bei Trumps jüngstem Sohn Barron und bei Tochter Ivanka fielen negativ aus, außerdem bei mehreren US-Ministern wie Außenamtschef Mike Pompeo. Auch Trumps Kandidatin für den Obersten Gerichtshof, Amy Coney Barrett, die den Präsidenten kürzlich getroffen hatte, wurde negativ getestet.

Zunächst war am Donnerstag bei Trumps enger Mitarbeiterin Hope Hicks das Virus nachgewiesen worden. Die 31-Jährige hatte Trump zuletzt bei mehreren Wahlkampfreisen begleitet. Trotz Medienberichten über Hicks' positiven Corona-Test flog Trump am Donnerstag noch zu einer Spendenveranstaltung nach New Jersey. Erst danach bestätigte er die Berichte über die Infektion seiner Mitarbeiterin und kündigte an, sich in Quarantäne zu begeben.

Nach dem positiven Test bei Trump wurde eine für Freitag geplante Wahlkampfveranstaltung des Präsidenten im wichtigen Bundesstaat Florida kurzerhand abgesagt. Auch eine Reihe weiterer Auftritte des Republikaners, der in Umfragen hinter seinem Herausforderer Joe Biden von den oppositionellen Demokraten liegt, dürften gestrichen werden.

Die Auswirkungen von Trumps Infektion auf den Wahlkampf und die Wahl vom 3. November sind bislang vollkommen unklar. Biden wünschte Trump und seiner Frau Melania "rasche Genesung". Der frühere Vizepräsident hatte am Dienstag bei der ersten Fernsehdebatte mit Trump auf einer Bühne mit dem Präsidenten gestanden. Ein Corona-Test bei dem 77-Jährigen fiel am Freitag negativ aus. Er hielt daraufhin an einer Wahlkampfreise in den Bundesstaat Michigan fest.

Aus aller Welt erreichten Trump Genesungswünsche. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sendete dem Präsidenten und seiner Frau "all meine guten Wünsche". "Ich hoffe, dass sie ihre Corona-Infektion gut überstehen und bald wieder ganz gesund sind."

Schnelle Genesung wünschten auch EU-Ratspräsident Charles Michel und Großbritanniens Premierminister Boris Johnson, der selbst eine schwere Corona-Infektion überstanden hat. Kreml-Chef Wladimir Putin schrieb in einem Telegramm an Trump, er sei überzeugt, dass dessen "Lebenskraft, gute Laune und Optimismus" ihm im Umgang mit "diesem gefährlichen Virus" helfen werde.

Trump hatte die Gefahr durch das Coronavirus über Monate heruntergespielt - nach eigenen Worten, um "Panik" im Land zu verhindern. Kritiker werfen ihm dagegen vor, er habe inmitten des Wahljahres 2020 in erster Linie die Wirtschaft schützen wollen.

Immer wieder sorgte der Republikaner mit irreführenden Aussagen für Wirbel. Im April regte er an, das Virus durch das Spritzen von Desinfektionsmitteln zu bekämpfen.

Trump trug so gut wie nie eine Gesichtsmaske und hielt zuletzt wieder Wahlkampfveranstaltungen vor tausenden Teilnehmern ab. Erst am Donnerstag beschwor er vor Anhängern in New York das nahende Ende der Pandemie und sagte, das nächste Jahr werde "eines der besten in der Geschichte unseres Landes" sein.


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