30.09.2020, 10:18 Uhr

Leipzig (AFP) Tierschützer und Zoologische Gärten kritisieren kommerziellen Tigerhandel in Europa

Eine Sumatratiger.
Quelle: AFP/CHAIDEER MAHYUDDIN (Foto: AFP/CHAIDEER MAHYUDDIN)Eine Sumatratiger. Quelle: AFP/CHAIDEER MAHYUDDIN (Foto: AFP/CHAIDEER MAHYUDDIN)

WWF: Illegaler und schlecht regulierter legaler Handel begünstigt Wilderei

Tierschützer und zoologische Gärten haben den Verkauf von in Gefangenschaft geborenen Tigern aus der EU insbesondere in asiatische Länder kritisiert. Länder wie Belgien, Deutschland, Frankreich oder Italien zählten zu den 30 größten Exporteuren und Importeuren von Tigern weltweit, erklärten der WWF und der Verband der Zoologischen Gärten am Mittwoch in Leipzig. Sie forderten ein Verbot des kommerziellen Handels mit Tigern und Tigerprodukten.

Demnach ist es in der EU gestattet, Tiger zu kommerziellen Zwecken in Drittländer zu exportieren. Dem WWF-Report zufolge wurden im Zeitraum von 2013 bis 2017 von insgesamt 187 exportierten lebenden Exemplaren 43 zu kommerziellen Zwecken wie etwa Zucht gehandelt. Dazu zählten auch 73 Tiger, die in Zirkussen, Freizeitparks und Wandertiershows weltweit landeten, etwa in Thailand, Vietnam, China, Singapur, Russland und der Türkei.

Darüber hinaus wurden in 95 Fällen Tigerprodukte beschlagnahmt wie etwa angebliche Medizin oder Schmuckgegenstände. Tigerprodukte finden vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin Anwendung.

"Der illegale oder schlecht regulierte Handel mit Tigern und Tigerprodukten ist auch eine Gefahr für die letzten wildlebenden Exemplare durch Wilderei", warnte Arnulf Köhncke, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Die Untersuchungen zeigten, dass auch Europa "ein Drehkreuz des internationalen Tigerhandels ist". Jenseits der Zoologischen Gärten gebe es hierzulande viele Tiger in menschlicher Haltung, die genaue Zahl sei aber unbekannt.

Nur wenige EU-Länder erfassen demnach die Bestände von Großkatzenhaltern und Privatzüchtern. Dies erschwere die Strafverfolgung von illegalem Handel mit Tigern aus Gefangenschaft erheblich, kritisierte der WWF-Experte. Der Tierschutzverband fordert daher nicht nur weiterhin die Schließung der asiatischen Tigerfarmen, sondern auch bessere Kontrollen und Regularien in Europa.

"Wir können das Aussterben hochbedrohter Tiere wie dem Tiger, aber auch zahlreicher anderer Arten nur mit gemeinsamen Anstrengungen begegnen", erklärte Leipzigs Zoodirektor Jörg Junhold, der zugleich Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten ist. Das Knowhow und die Werkzeuge zum verantwortungsvollen Management von Wildtieren in Menschenhand seien vorhanden. Flächendeckend angewandt "könnten sie helfen, Schmuggel zu unterbinden".

Ähnlich äußerten sich am Mittwoch der WWF und die britische Tierschutzorganisation Traffic. Die Organisationen forderten die EU auf, ihren Mitgliedsländern zu empfehlen, "den Handel mit Drittländern mit lebenden Tigern oder Teilen von Tigern zu verbieten". Konkrete Probleme sehen die Organisationen insbesondere bei der Registrierung und Nachverfolgung von toten Tigern sowie von Zirkustieren und Tigern im Privatbesitz. Der Bestand wildlebender Tiger wird weltweit auf etwa 3890 Exemplare geschätzt.


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