30.09.2020, 11:24 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Razzia mit 900 Beamten wegen organisierter Schwarzarbeit im Sicherheitsgewerbe

Blaulicht an einem Polizeiwagen.
Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)Blaulicht an einem Polizeiwagen. Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)

Zusätzliche Ermittlungen gegen einen Beschuldigten wegen Geldwäsche

Rund 900 Einsatzkräfte von Zoll und Steuerfahndung sind am Mittwoch zu einer Großrazzia wegen Schwarzarbeit im Sicherheitsgewerbe ausgerückt. Nach Angaben des Hauptzollamts in Frankfurt am Main richtete sich der Schlag gegen mehr als 50 Beschuldigte aus dem Bereich der organisierten Kriminalität, die jahrelang Scheinrechnungen gestellt und den Staat und die Sozialkassen um mindestens dreieinhalb Millionen Euro betrogen haben sollen. Gegen einen der Beschuldigten ermittelt die Frankfurter Polizei zudem wegen Geldwäsche in einem Komplex um falsche Polizeibeamte.

Mehr als hundert Objekte wurden durchsucht. Zudem wurden sechs mutmaßliche Drahtzieher im Alter zwischen 30 und 46 Jahren festgenommen. Der Schwerpunkt der Aktion lag in den Städten Frankfurt am Main und Offenbach sowie im umliegenden Rhein-Main-Gebiet. Weitere Razzien gab es nach Angaben des Hauptzollamts in Hamburg, München und Lörrach in Baden-Württemberg.

Die Hauptbeschuldigten betreiben Sicherheitsfirmen. Durch Scheinrechnungen sollen sie einen Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro erwirtschaftet haben. Zu den Beschuldigten gehören zudem die Betreiber von Scheinfirmen, die die Rechnungen ausgestellt haben sollen.

Allein einem der mutmaßlichen Haupttäter werfen die Ermittler vor, innerhalb des kriminellen Netzwerks über Jahre hinweg Scheinrechnungen über 30 Millionen Euro an mehr als hundert verschiedene Abnehmer gestellt zu haben. An den bundesweiten Zugriffen waren Spezialeinheiten von Zoll und Polizei beteiligt. Die Razzia diente insbesondere auch dem Zweck, Beweismittel zu sichern. Dazu gehörten beispielsweise Waffen, Drogen und größere Mengen Bargeld.

Bei einem der Verdächtigen handelte es sich einer Sprecherin des Hauptzollamts Frankfurt zufolge um einen Mann mit "engen Kontakten" zur Rockergruppe "Hells Angels". Gegen ihn führt außerdem die Frankfurter Polizei ein gesondertes Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche.

Der 32-Jährige soll Geld, das durch die Betrugsmasche mit falschen Polizeibeamten erlangt wurde, an Hintermänner in die Türkei übermittelt haben, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Den Gesamtschaden durch die Bande schätzen die Ermittler auf rund 1,2 Millionen Euro. Neben dem 32-Jährigen wurden am Mittwoch zwei weitere Verdächtige festgenommen.

Der Fokus der Frankfurter Polizeibeamten lag auf den Abholern und Logistikern der Gruppe in Deutschland. Diese sollen auf Anweisung eines Callcenters in der Türkei gehandelt haben. Von dort aus seien ältere Menschen in Deutschland angerufen und dazu gebracht worden, hohe Bargeldsummen oder Schmuck an vermeintliche Polizisten zu übergeben.

Einen Teil dieses Gelds sollen die am Mittwoch festgenommenen Beschuldigten an Hintermänner übermittelt haben. In dem Komplex wurden bislang acht Menschen festgenommen. Sie sollen für insgesamt 14 Taten verantwortlich sein.


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