28.09.2020, 13:29 Uhr

Berlin (AFP) Bundesregierung macht sich "große Sorgen" über Corona-Entwicklung

Bund-Länder-Gipfel am Dienstag soll Antworten auf "zugespitzte" Lage finden

Die Zahl der Corona-Fälle in Deutschland steigt weiter - das alarmiert die Bundesregierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte am Montag vor einem dramatischen Szenario zur Weihnachtszeit: Dann könne die Zahl der täglichen Infektionen auf 19.200 steigen, wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetze, warnte sie im CDU-Präsidium. "Die Entwicklung der Infektionszahlen macht uns große Sorgen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Mit der Lage befasst sich am Dienstag ein Bund-Länder-Gipfel.

Seibert sagte zur Entwicklung der Corona-Infektionszahlen, es habe seit Juli in etwa eine Verdreifachung gegeben. Zwar sei dies keine flächendeckende Entwicklung, aber es gebe lokal und regional "sprunghafte Anstiege". Diese müssten "dringend wieder unter Kontrolle gebracht werden". Dafür müsse "beherzt eingegriffen" werden.

Die Bürger müssten die Situation ernst nehmen und das tun, "was vernünftig ist", sagte Seibert. Er verwies unter anderem auf Abstandhalten und das Tragen von Masken. "Wenn wir das alle tun", könne dem Land im Herbst und Winter einiges erspart bleiben.

Die Kanzlerin warnte vor einem rasanten Anstieg der Corona-Neuinfektionen. Zu Weihnachten könne die tägliche Zahl der Infektionen bei 19.200 liegen, "wenn es so weiter geht" wie derzeit, sagte Merkel nach AFP-Informationen aus Parteikreisen in einer Schaltkonferenz der CDU-Präsidiums. Die Ausbreitung des Virus müsse rasch eingedämmt werden.

Wie genau Merkel auf die Zahl von 19.200 kam, war zunächst unklar. Seibert wollte sich dazu nicht äußern. Es handele sich um angebliche Äußerungen in interner Runde.

FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer forderte rasche Aufklärung: "Wer solche Zahlen unvermittelt in die Welt setzt, muss seine Politik den Menschen besser erklären."

Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder beraten am Dienstagnachmittag über das weitere Vorgehen. Es gehe darum, wie auf das "zugespitzte Infektionsgeschehen" zu reagieren sei, sagte Seibert.

Bei den Gesprächen am Dienstag dürfte es auch erneut darum gehen, welche Corona-Maßnahmen bundesweit greifen und welche regional unterschiedlich eingesetzt werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) plädierte für eine bundesweit einheitliche "Corona-Ampel". "Wir brauchen ein Regelwerk für alle", sagte er in München. Dieses müsse sich an den aktuellen Infektionen orientieren und bei einem Anstieg einen Mechanismus auslösen. In einigen Bundesländern gibt es eine solche "Ampel" bereits.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lehnte eine "Corona-Ampel" ab. Dadurch würden falsche Signale ausgesendet, warnte er in der Internetsendung "Bild live". So würde nach seinen Worten etwa in einem Landkreis das Signal gegeben: "Ihr könnt leben, als wenn alles normal wäre". Dadurch werde das Gefühl einer "falschen Sicherheit" erzeugt.

Lauterbach sprach sich aber für eine allgemeine Obergrenze von 25 Menschen bei privaten Feiern aus. Daneben nannte er eine Maskenpflicht im Freien für solche Orten sinnvoll, wo der Abstand zwischen den Menschen nicht gewahrt werden könne.

Dies fordert auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sabine Dittmar. Nötig sei bei "stark frequentierten öffentlichen Räumen" eine bundeseinheitliche Maskenpflicht, sagte sie der "Welt". Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU), lehnte bundesweite Vorschriften zur Maskenpflicht ab. Sie plädierte in der "Welt" mit Blick auf private Feiern zugleich für eine Obergrenze von "maximal 50" Teilnehmern.


0 Kommentare