28.09.2020, 11:49 Uhr

Washington (AFP) Zeitung: Trump setzte 70.000 Dollar Friseurkosten von der Steuer ab

US-Präsident Donald Trump.
Quelle: AFP/Olivier DOULIERY (Foto: AFP/Olivier DOULIERY)US-Präsident Donald Trump. Quelle: AFP/Olivier DOULIERY (Foto: AFP/Olivier DOULIERY)

US-Präsident zahlte offenbar über Jahre kaum Bundessteuer - Trump dementiert

Kurz vor dem ersten Fernsehduell zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden sorgt ein Zeitungsbericht für Wirbel, wonach Trump über Jahre hinweg kaum Steuern auf Bundesebene gezahlt und zehntausende Dollar Friseurkosten von der Steuer abgesetzt hat. Der Amtsinhaber wies den Zeitungsbericht als "totale Falschnachricht" und "erfunden" zurück.

Wie die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf jahrelang von Trump geheim gehaltene Steuerunterlagen berichtete, zahlte der Immobilien-Milliardär im Wahljahr 2016 und in seinem ersten Amtsjahr 2017 nur jeweils 750 Dollar an die Bundessteuerbehörde IRS. Dabei nutzte er in den vergangenen rund 20 Jahren jede Menge Abschreibemöglichkeiten: Unter anderen setzte er Kosten für seine Wohnsitze und Flugzeuge ab - und 70.000 Dollar für Haar-Styling für Fernsehauftritte.

Ein Teil von Trumps Steuererklärungen sei Gegenstand einer internen Prüfung der IRS, schreibt die "NYT". Ihr liegen nach eigenen Angaben Steuerunterlagen des Immobilienmoguls und früheren Reality-TV-Stars aus einem Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten vor.

Demnach zahlte Trump in elf der 18 Steuerjahre, für welche das Blatt die Dokumente durchforstete, gar keine Bundeseinkommensteuer. Der Grund sei, dass Trump mehr Verluste als Gewinne deklariert habe. Unter anderem fahren den eingereichten Steuererklärungen zufolge vieler seiner Golfressorts Verluste ein.

Trump hatte im Wahlkampf 2016 stark auf sein Image als angeblicher Selfmade-Milliardär gesetzt, der durch seine frühere Reality-Show "The Apprentice" weite Bekanntheit erlangt hatte. Gleichzeitig weigerte er sich jedoch entgegen der Gepflogenheiten, seine Steuererklärungen zu veröffentlichten.

An dieser Weigerung hält Trump bis heute fest - er ist der erste US-Präsident seit Richard Nixon (1969 bis 1974), der die Offenlegung seiner Steuererklärungen verweigert. Dies hat immer für Spekulationen darüber sorgt, ob Trump etwas zu verbergen habe. Eine dieser Spekulationen ging in die Richtung, der Präsident wolle verschleiern, dass er als Geschäftsmann bei weitem nicht so erfolgreich gewesen sei wie von ihm angeführt.

Trump wies den "NYT"-Bericht empört als "totale Falschnachricht" zurück. "Erstens: Ich habe viel gezahlt. Und ich habe zudem viel Bundesstaats-Einkommensteuer gezahlt", erklärte Trump mit Blick auf seine - ebenfalls unter Verschluss gehaltenen - Steuerzahlungen an den Bundesstaat New York.

Die Enthüllungen dürften Trumps demokratischen Rivalen Biden nun Futter für das am Dienstagabend (Ortszeit) anstehende und mit Spannung erwartete erste TV-Duell liefern. Sein Wahlkampfteam listete auf Twitter ohne Kommentar die durchschnittlich zu zahlende Bundessteuer auf für Lehrer (7239 Dollar), Feuerwehrleute (5283) und Krankenschwestern (10.216).

Das Vorgehen des Präsidenten zeige einmal mehr seine "Verachtung für Amerikas arbeitende Familien", erklärte die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Ihr Senats-Kollege Chuck Schumer schrieb auf Twitter: "Wer mehr an Bundeseinkommensteuer gezahlt hat als Präsident Trump", möge die Hand heben.

Im Vorfeld der TV-Debatte fuhr Trump derweil neue heftige Attacken gegen Biden, der in den Umfragen zu der Wahl am 3. November seit Monaten konstant vor ihm liegt. So warf er seinem Herausforderer vor, vor Auftritten aufputschende Mittel zu nehmen. Biden solle deshalb einen Dopingtest machen - und zwar entweder vor oder nach der TV-Debatte. Er selbst würde sich einem solchen Test "selbstverständlich" auch unterziehen, schrieb Trump auf Twitter.

Biden hatte zuvor bereits erklärt, er sei auf "persönliche Angriffe und Lügen" in dem TV-Duell eingestellt. "Meine Vermutung ist, dass es ein einziger Frontalangriff wird", sagte er dem Sender MSNBC. Dabei verglich er Trump mit NS-Reichspropagandaminister Joseph Goebbels.

Insgesamt sind drei Fernsehduelle zwischen Trump und Biden geplant. Nach dem ersten Duell am Dienstag sollen die zweite und dritte Debatte am 15. und 22. Oktober stattfinden.


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