23.09.2020, 21:01 Uhr

Louisville (AFP) Proteste nach Justizentscheidung zu Polizeischüssen auf Afroamerikanerin Taylor

Erinnerung an Taylor in Louisville.
Quelle: AFP/Jeff Dean (Foto: AFP/Jeff Dean)Erinnerung an Taylor in Louisville. Quelle: AFP/Jeff Dean (Foto: AFP/Jeff Dean)

Nur ein Beamter angeklagt - Schützen bleiben unbehelligt

Nach den tödlichen Polizeischüssen auf die Afroamerikanerin Breonna Taylor in ihrer eigenen Wohnung hat die Anklageerhebung gegen nur einen Beamten Empörung und Proteste ausgelöst. Die Justiz im Bundesstaat Kentucky klagte einen inzwischen entlassenen weißen Polizisten am Mittwoch lediglich wegen fahrlässiger Gefährdung des Lebens anderer an - und das nicht wegen der Schüsse auf Taylor selbst. Zwei andere Polizisten, die auf die 26-Jährige gefeuert hatten, bleiben unbehelligt.

Kentuckys Generalstaatsanwalt Daniel Cameron sagte, die beiden hätten in Notwehr und damit rechtmäßig gehandelt, nachdem Taylors Freund auf sie geschossen habe. Sie könnten deswegen nicht juristisch belangt werden.

Die Anklage gegen den dritten Polizisten namens Brett Hankison bezieht sich demnach auf dessen Schüsse in eine Wohnung neben der von Taylor. Dort hielten sich zum Zeitpunkt des nächtlichen Polizeieinsatzes, bei dem die 26-jährige Rettungssanitäterin im März erschossen wurde, drei Menschen auf. Sie blieben unverletzt.

Der Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie Taylor vertritt, kritisierte die Entscheidung des für die Anklageerhebung zuständigen Laienrichtergremiums als "empörend und beleidigend". Die Bürgerrechtsorganisation ACLU erklärte, die Entscheidung der Grand Jury komme Gerechtigkeit nicht einmal nahe.

In der Stadt Louisville, wo Taylor vor sechs Monaten getötet worden war, gingen Demonstranten auf die Straße. Es kam zu Konfrontationen mit der Polizei, mehrere Menschen wurden festgenommen, wie Fernsehbilder zeigten.

Bürgermeister Greg Fischer hatte aus Sorge vor Ausschreitungen den Ausnahmezustand und für die Nacht auf Donnerstag eine Ausgangssperre verhängt. Die Polizei errichtete Barrikaden in der Innenstadt, Geschäfte und Restaurants schützten ihre Glasfassaden mit Sperrholzplatten.

Taylor war am 13. März in Louisville in Kentucky in ihrer eigenen Wohnung von weißen Polizisten erschossen worden. Drei Beamte in Zivil hatten die Wohnung bei einer nächtlichen Drogenrazzia gestürmt. Taylors Freund, der mit der 26-Jährigen im Bett lag, glaubte nach eigenen Angaben an einen Überfall, gab mit seiner Waffe einen Schuss ab und verletzte einen Beamten. Die drei Polizisten feuerten daraufhin ihre Dienstwaffen ab.

Nach Angaben von Generalstaatsanwalt Cameron wurde die neben ihrem Freund stehende Taylor von sechs Kugeln getroffen, von denen eine tödlich war. Ihr Freund blieb unverletzt. Insgesamt gaben die Polizisten 32 Schüsse ab. Offenbar trafen nur der verletzte Beamte und der neben ihm stehende Polizist die junge Frau, nicht aber der nun angeklagte Hankison.

Lediglich dessen Vorgehen stufte die Grand Jury als rechtswidrig ein, weil mehrere seiner Schüsse in eine Nachbarwohnung gingen. Hankison wird deswegen die fahrlässige Gefährdung des Lebens anderer in drei Fällen zur Last gelegt. Auf jeden dieser Anklagepunkte stehen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

"Ich weiß, dass nicht jeder zufrieden mit den Anklagepunkten sein wird", sagte Generalstaatsanwalt Cameron, selbst ein Afroamerikaner. "Jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was Gerechtigkeit sei." Er bezeichnete Taylors Tod wiederholt als "Tragödie" und verwahrte sich zugleich gegen Belehrungen von Aktivisten und Prominenten aus anderen Landesteilen.

Der Fall Taylor hat landesweit für Empörung gesorgt. Bei den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai wurden immer wieder auch Taylors Bild gezeigt und ihr Name genannt. Sie ist eine der Symbolfiguren der Black-Lives-Matter-Bewegung. Mitte September einigte sich Taylors Familie mit der Stadt Louisville auf eine Entschädigungszahlung von zwölf Millionen Dollar.


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