23.09.2020, 20:11 Uhr

Paris (AFP) Chanson-Ikone Juliette Gréco mit 93 Jahren gestorben

"Muse" der Existenzialisten prägte eine ganze Generation

Die französische Chanson-Ikone Juliette Gréco ist tot. Die 93-Jährige starb am Mittwoch in ihrem Haus in Ramatuelle bei Saint-Tropez im Kreis ihrer Familie, wie die Angehörigen mitteilten. Gréco wurde in den 50er und 60er Jahren mit Chansons wie "L'accordéon", "La Javanaise" und "Déshabillez-moi" weltberühmt.

"Ihr Leben war außergewöhnlich", hieß es in der Erklärung der Familie. "Mit 89 Jahren brachte sie immer noch französische Musik zum Glänzen." Doch nach einem Schlaganfall musste sich Gréco von der Bühne zurückziehen. "Das fehlt mir fürchterlich", bekannte sie noch im Sommer in einem Interview. "Mein Lebenszweck ist das Singen."

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron würdigte sie als Vertreterin "der Eleganz und der Freiheit". "Eine sehr große Dame verlässt uns", erklärte der Produzent von Grécos letzter Tournee, Alexandre Baud. "Saint-Germain hat seine Muse verloren", betonte die Sängerin Line Renaud.

Als "Muse" der Existenzialisten wurde Gréco bekannt, mit ihrer markanten dunklen Stimme und ihrer schwarzen Kleidung prägte sie ab Ende der 40er Jahre eine ganze Generation. Gréco wirkte auch als Schauspielerin in Filmen mit, unter anderem von Jean Cocteau.

Entdeckt wurde die zierliche Frau mit der tiefen Stimme kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Philosophen Jean-Paul Sartre, der sie in einem Pariser Kellerlokal traf und einen der ersten Liedtexte für sie schrieb. Danach wurde sie auch international mit ihren Chansons bekannt. Ab 1959 trat sie als eine der ersten Französinnen nach dem Krieg in Deutschland auf.

Gréco hatte schon in jungen Jahren ihr Durchhaltevermögen und ihre Unbeugsamkeit unter Beweis gestellt. Wie ihre Mutter und ihre Schwester war auch sie im Widerstand gegen die Nazi-Besatzung in Frankreich aktiv. Mit 15 Jahren wurde sie von der Gestapo festgenommen, wenig später aber wieder freigelassen. Ihre Mutter und ihre Schwester wurden ins KZ Ravensbrück deportiert, beide überlebten.

Die junge Juliette schlug sich in Paris allein durch, wo sie im Künstlerviertel Saint-Germain-des-Prés auch ihre erste große Liebe traf - den Jazz-Trompeter Miles Davis. Später heiratete sie in zweiter Ehe den Schauspieler Michel Piccoli, seit 1988 war der frühere Jacques-Brel-Pianist und Komponist Gérard Jouannest ihr Mann. Aus erster Ehe mit dem Schauspieler Philippe Lemaire hatte sie eine Tochter, die 2016 starb.


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