20.09.2020, 12:03 Uhr

Berlin (AFP) Merkel mahnt rasche Digitalisierung der Schulen an

Schulkinder in Dortmund.
Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)Schulkinder in Dortmund. Quelle: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER (Foto: AFP/Archiv/Ina FASSBENDER)

Treffen mit Kultusministern zum Vorgehen in der Corona-Pandemie am Montag

Vor einem Spitzentreffen zur Digitalisierung von Schulen aufgrund der weiter bestehenden Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rasche Fortschritte angemahnt. Die Digitalisierung müsse "mit Hochdruck" vorangetrieben werden, sagte Merkel am Samstag in ihrem Video-Podcast. "Wir brauchen sie als eine unverzichtbare Ergänzung zum Präsenzunterricht". Merkel will am Montag mit den Kultusministern der Länder, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und SPD-Chefin Saskia Esken über das weitere Vorgehen beraten.

Der Bund unterstütze die Länder mit massiven Investitionen, sagte Merkel. Allein innerhalb des Digitalpaktes Schule fördere er mit insgesamt sechs Milliarden Euro den Aufbau digitaler Lern- und Infrastrukturen an den allgemeinbildenden und den beruflichen Schulen.

Zu dem Spitzentreffen am Montag sagte die Kanzlerin, es gehe unter anderem darum, dass alle Schulen so schnell wie möglich an das schnelle Internet angeschlossen werden sollten. Zudem bräuchten alle Lehrer die geeigneten Computer für den digitalen Unterricht.

Merkel zeigte sich erfreut darüber, dass an den Schulen wieder Präsenzunterricht stattfindet. "Ich bin sehr froh, dass die Schulen nach den Sommerferien den Präsenzbetrieb wieder aufgenommen haben, auch wenn der Alltag unter Corona-Bedingungen noch nicht wieder so ist wie vorher", sagte die Kanzlerin. Im Frühjahr waren die Schulen wegen der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen. Zeitweise fand deshalb nur Online-Unterricht statt. Auch im neuen Schuljahr bestehen an den Schulen weiterhin Einschränkungen.

Die amtierende Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD), versicherte mit Blick auf das Gespräch am Montag, Bund und Länder würden "in der besonderen Situation der Corona-Pandemie ihre gemeinsame Verantwortung für die Weiterentwicklung der Digitalisierung unserer Schulen wahrnehmen". Sie arbeiteten derzeit mit Hochdruck daran, "noch offene Fragen in den geplanten Zusatzvereinbarungen zum Digitalpakt schnellstmöglich zu klären".

"Aus Sicht der Länder stellt sich jetzt die Herausforderung, aber auch die Chance, unsere Bildungseinrichtungen nicht nur kurzfristig vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, sondern auch auf mittlere Sicht zu stärken und zu ertüchtigen", erklärte Hubig. Es solle bei dem Spitzengespräch auch um das Thema intelligente Lernsoftware gehen, die den Schülern "einen individuellen Lernpfad und eine direkte Rückmeldung zu ihrem Lernstand geben kann".

SPD-Chefin Esken schlug vor, sozial benachteiligten Schülern kostenlose Nachhilfe zu ermöglichen. "Warum eröffnen wir den Schülerinnen und Schülern nicht ein Abonnement auf einer qualitätsgeprüften Nachhilfeplattform anstelle der Kosten für das Schullandheim, das in diesem Schuljahr ohnehin ausfallen dürfte?", sagte Esken den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Politik müsse in der Pandemie Nachteile für sozial schwächere Familien und deren Kindern so gering wie möglich halten.

Esken mahnte, es müsse nun vor allem darauf geachtet werden, dass Schüler wegen Corona-Unterrichtsausfalls keine Nachteile erlitten. Bildungsgerechtigkeit in Corona-Zeiten bedeute, dass Schüler aus Risikogruppen, die in Quarantäne müssten oder deren Lerngruppe vorübergehend geschlossen werde, "nicht vom Lernen abgekoppelt sind, sondern durch hochwertigen digitalen oder hybriden Unterricht im Spiel bleiben". Dafür müssten Bund und Länder mit vereinten Kräften arbeiten. Schulen dürfen bei der lang verschleppten Digitalisierung nicht alleingelassen werden.


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