19.09.2020, 17:05 Uhr

Berlin (AFP) Seenot-Rettungsschiff "Alan Kurdi" nimmt 114 Bootsflüchtlinge an Bord

Rettungsschiff "Alan Kurdi".
Quelle: sea-eye.org/AFP/Archiv/Nick Jaussi, Handout (Foto: sea-eye.org/AFP/Archiv/Nick Jaussi, Handout)Rettungsschiff "Alan Kurdi". Quelle: sea-eye.org/AFP/Archiv/Nick Jaussi, Handout (Foto: sea-eye.org/AFP/Archiv/Nick Jaussi, Handout)

EU-Kommissarin will "verpflichtendes" System zur Flüchtlingsverteilung durchsetzen

Das Seenot-Rettungsschiff "Alan Kurdi" der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye hat im zentralen Mittelmeer 114 Menschen an Bord genommen. Wie die Hilfsorganisation am Samstag mitteilte, wurde zunächst ein Schlauchboot mit 90 Menschen gesichtet und später ein überladenes Fischerboot mit 24 Menschen an Bord. Unter den Geretteten hätten sich acht Frauen und acht Kinder befunden, vier Menschen befänden sich in medizinischer Behandlung, darunter eine schwangere Frau.

"Aus Angst davor, von libyschen Milizen zurück verschleppt zu werden, hatten diese Menschen keinen Notruf abgesetzt", erklärte der Vorsitzende der Hilfsorganisation aus Regensburg, Gorden Isler. Die Entdeckung der Bootsflüchtlinge sei "unwahrscheinliches Glück" gewesen. Weder die libyschen Behörden noch die europäischen Rettungsleitstellen hätten auf die Notfallmeldungen der "Alan Kurdi" reagiert.

Die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson will am kommenden Mittwoch ihre mehrfach verschobenen Pläne für eine Reform der Asyl- und Migrationspolitik vorstellen. Sie fordert ein solidarisches System für den Umgang mit Flüchtlingen in der EU. "Alle Mitgliedstaaten müssen helfen, wenn ein Mitgliedstaat unter Druck gerät, wenn viele Menschen Schutz suchen", sagte Johansson der Nachrichtenagentur AFP.

Angesichts des Widerstands mehrerer EU-Staaten gegen die Aufnahme von Asyl-Suchenden sagte Johansson, die Staaten müssten über mögliche "Arten von Hilfe" nachdenken. Besonders die sogenannte Visegrad-Gruppe aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei hatte in den vergangenen Jahren die Umverteilung von Flüchtlingen in der EU abgelehnt.

Der Vorschlag kommt zwei Wochen, nachdem das größte Flüchtlingslager in der EU auf der griechischen Insel Lesbos in Flammen aufgegangen war, wodurch zwischenzeitlich fast 13.000 Menschen obdachlos wurden.

Monat für Monat versuchen zahlreiche Menschen, in seeuntüchtigen Booten von Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im vergangenen Jahr ertranken dabei nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 1283 Menschen. In den vergangenen fünf Jahren gab es insgesamt mehr als 19.000 Tote.


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