17.09.2020, 11:06 Uhr

Washington (AFP) Trump widerspricht eigenem Gesundheits-Behördenchef zu Impfstoff


Biden sieht US-Präsident durch Umgang mit Corona-Pandemie als disqualifiziert

US-Präsident Donald Trump hat einem hochrangigen Gesundheitsexperten seiner eigenen Regierung widersprochen und versichert, dass schon ab dem kommenden Monat ein Corona-Impfstoff zum Einsatz kommen könne. Den Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, bezeichnete Trump am Mittwoch (Ortszeit) als "verwirrt", nachdem dieser gesagt hatte, für die breite Öffentlichkeit werde ein Impfstoff vermutlich erst Mitte kommenden Jahres verfügbar sein.

Nachdem Redfield bei einer Kongressanhörung gesagt hatte, das Tragen von Schutzmasken bleibe vorerst die wichtigste Waffe im Kampf gegen das Coronavirus und ein Impfstoff werde voraussichtlich nicht vor Mitte 2021 allgemein bereit stehen, sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus, der CDC-Chef habe offenbar "einen Fehler gemacht: Das ist ganz einfach eine inkorrekte Information". Mit Blick auf den Behördenchef fügte Trump hinzu: "Ich glaube, er war verwirrt."

Stattdessen versicherte der US-Präsident erneut, dass ein Impfstoff schon in wenigen Wochen und damit noch vor der Präsidentschaftswahl am 3. November verfügbar sein werde: "Ich glaube, wir können irgendwann im Oktober starten."

Redfield hatte kurz zuvor in einer Kongressanhörung gesagt, ab November oder Dezember könnten möglicherweise in sehr begrenztem Umfang erste Impfungen für klar festgelegte Bevölkerungsgruppen wie etwa das Gesundheitspersonal verabreicht werden. Bis allerdings die breite Bevölkerung mit einem sicheren und wirksamen Mittel geimpft werden könne, werde es noch viele Monate dauern: "Ich denke, wir reden hier vom Ende des zweiten Quartals oder dem dritten Quartal 2021."

Bis dahin blieben das Tragen einer Schutzmaske, Händewaschen und Abstandhalten "die beste Verteidigung gegen dieses Virus", schrieb Redfield später auf Twitter.

Trump steht wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus und den vielen Corona-Toten in den USA stark in der Kritik. In den Umfragen zur Präsidentschaftswahl liegt er hinter seinem Herausforderer Joe Biden zurück. Die oppositionellen Demokraten äußerten deshalb bereits die Befürchtung, Trump übe massiven Druck auf Forscher und Gesundheitsbehörden aus, damit möglichst noch vor der Wahl im Schnelldurchlauf ein Impfstoff zugelassen wird.

Biden sagte am Mittwoch nach einem Treffen mit Gesundheitsexperten, er unterstütze die Suche nach einem Impfstoff, damit die USA rasch zur Normalität zurückkehren könnten. Das Zulassungsverfahren müsse sich jedoch an wissenschaftlichen und Sicherheitsstandards orientieren, nicht an der Politik.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat sprach Trump wegen dessen Umgangs mit der Corona-Krise die Eignung für das höchste Staatsamt ab: "Die erste Aufgabe des Präsidenten besteht darin, das amerikanische Volk zu schützen, und das wird er nicht tun. Das disqualifiziert ihn völlig."

Die USA sind mit 6,63 Millionen verzeichneten Infektions- und fast 200.000 nachgewiesenen Todesfällen das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. Trump wird vorgeworfen, die Gefahr durch den neuartigen Erreger lange heruntergespielt zu haben und die Bürger immer wieder mit Äußerungen über angeblich vielversprechende Behandlungsmethoden in die Irre zu führen.

Bei einem Auftritt vor Wählern in Pennsylvania am Dienstag hatte der meist ohne Schutzmaske auftretende Trump im Gegensatz zum CDC-Chef auch erneut Stellung gegen das Maskentragen bezogen: "Viele Leute wollen keine Maske tragen und die Leute denken nicht, dass Masken gut sind."


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